„Mein Herz war wirklich voll von Dank“

Pfarrerin Iris Giesen schrieb die heutige Kolumne. Archivfoto: MS
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Pfarrerin Iris Giesen schrieb die heutige Kolumne. Archivfoto: MS

Eine Geistliche macht sich Gedanken

Von Pfarrerin Iris Giesen, Ev. Kirchengemeinde Lennep

Es war bei unserer ersten Wanderung in der Toscana. Die Landschaft war überwältigend schön. In der Mittagszeit machten wir Rast, setzten uns auf den Boden mit Blick auf Weinstöcke, die mit reifen Trauben voll hingen. Wir hatten gerade unser Essen aus dem Rucksack geholt, da kam ein Traktor vom Nachbarfeld angefahren. Direkt vor uns hielt er an. Der Fahrer sprang herunter und lief zu den Rebstöcken. Aufmerksam sah er sie sich an.

Das dauerte eine Weile. Ich dachte noch, es sei schade, dass unser Blick in die Weite nun durch den Traktor verstellt war, da kam der Mann zurück. In den Händen hielt er zwei große Trauben und er kam direkt auf meinen Mann und mich zu. Mit einem wunderbaren Lächeln legte er uns jeweils eine der Trauben in die Hand. Und dann saß er auch schon wieder auf seinem Traktor und fuhr weiter. Wir hatten kaum Zeit gehabt, wenigstens Danke zu sagen. Doch mein Herz war wirklich voll von Dank. Was für eine freundliche Geste. Extra für uns, die wir doch fremd waren, hatte er angehalten und die Trauben für uns sorgsam ausgewählt und uns mit zwei riesigen Trauben reich beschenkt.

Ja, ich fühlte mich wirklich reich beschenkt. Ein wunderbares Zeichen von Güte und Freundlichkeit, ohne dass wir etwas dafür getan hätten. Es tut der Seele wirklich unendlich gut, wenn man sich aus Güte und Freundlichkeit reich beschenkt fühlen kann. Da füllt sich das Herz mit Dankbarkeit. Und diese Dankbarkeit hatte auch zur Folge, dass ich diese geschenkten Trauben so achtsam gegessen und genossen habe, wie ich noch nie Trauben gegessen hatte. Sie schmeckten einfach köstlich.

„Ich danke dir von ganzem Herzen“, so sagt es der Beter des Psalms 86 im Gebet zu Gott. Auch sein Herz war voll mit Dank, denn auch er hatte Güte und Freundlichkeit geschenkt bekommen. Er fühlte sich reich beschenkt von Gott. Wie wunderbar ist es, wenn das Herz sich öffnen kann dafür, dass Leben nicht selbstverständlich ist, sondern ein Geschenk der Güte Gottes, der uns immer wieder verwöhnt mit seinen reichen Gaben. Das tut dem Herzen einfach gut.

Die Sommerzeit ist eine Jahreszeit, die uns besonders einlädt, unsere Sinne zu öffnen dafür, dass all das Gute nicht selbstverständlich ist, sondern ein Geschenk, das wir genießen, mit dem wir aber auch achtsam umgehen sollten.

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