Jagd

Mehr Rehe sollen geschossen werden

Rehe gelten als aufmerksam und schreckhaft. Das hat einen Grund: sie sind Fluchttiere. In Bergischen Gefilden haben sie sich jedoch an Spaziergänger gewöhnt.
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Rehe gelten als aufmerksam und schreckhaft. Das hat einen Grund: sie sind Fluchttiere. In Bergischen Gefilden haben sie sich jedoch an Spaziergänger gewöhnt.

Aufforstung ist durch Wild gefährdet – Hegering und Waldbauern kündigen verstärkte Kooperation an.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Jeder von uns hat sie schon gesehen, wenn er im Wald unterwegs war: Die heimischen Rehe. Mal bleiben sie einfach stehen und äugen auf die Spaziergänger, an die sie sich im Laufe der Jahrzehnte gewöhnt haben, mal suchen sie das Weite. Sie gehören in der Region dazu.

Zu ihrem Wesen gehört jedoch auch, dass sie Knospen und Blüten lieben. Sie sind sogenannte „Konzentratselektierer“ und ernähren sich ausschließlich von diesen Blüten und Knospen. Das sorgt für Probleme und ist Waldbauern deshalb ein Dorn im Auge, wenn die Tiere eine Neuaufforstung als „leckeres Menü“ betrachten.

Wer aufmerksam durch die Wermelskirchener Umgebung fährt oder spaziert, der hat die vielen neu entstandenen Kahlflächen gesehen. Fast alle Fichtenbestände mussten abgeholzt werden, da die Fichten aufgrund der trockenen letzten Sommer keine Chance mehr gegen den sich vehement verbreitenden Borkenkäfer hatten.

In diesen Kahlflächen wachsen nun neue Bäume. Entweder haben sie sich selbst ausgesät (die sogenannte „Naturverjüngung“) oder aber sie werden neu angepflanzt. Deren Knospen und Spitzen sind es, die das Rehwild liebt. Dem entgegen stehen die Interessen der Waldbauern, Waldbesitzer und Förster.

Sie sind bemüht, eben diese Flächen und den Aufwuchs der jungen Bäume zu schützen. Nicht zuletzt stellt für viele Waldbauern der Waldbesitz einen großen Teil des Vermögens oder gar der Altersvorsorge dar. Da wissen die heimischen Jäger, denen die Regulierung des Wildbestandes zukommt, damit Wald und Wild miteinander im Einklang existieren können.

Im Austausch (v. l.): Björn Hilverkus (FBG), Louis Altinkamis (Förster) und Bjarne Hoerup (Hegeringleiter).

Seitens des bundesweiten Forstes werden immer wieder Forderungen laut, den Rehwildbestand massiv zu reduzieren. Manche formulieren es überspitzt nach dem Motto „nur ein totes Reh ist ein gutes Reh“. „Die Jägerschaft auf der anderen Seite versteht sich aber nicht als Schädlingsbekämpfer und in der Pflicht, jedes Reh, das vor die Büchse kommt, abschießen zu müssen“, betont Simone Koch vom Hegering.

Vor diesem Hintergrund trafen sich die Pächter der Wermelskirchener Reviere auf Einladung des Hegeringleiters Bjarne Hoerup mit dem Förster der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG), Louis Altinkamis, sowie dem FBG-Vertreter, Björn Hilverkus. Bei dem Austausch stellte Bjarne Hoerup heraus, dass eine Erhöhung des Rehwild-Abschusses unabdingbar ist, jedoch weit weg von einer „Ausrottung“.

Louis Altinkamis betonte die besondere Situation, die durch die massiven und alternativlosen Abholzungen entstanden ist. Er betonte jedoch auch: „Eine Lösung lässt sich nur gemeinsam mit der Jägerschaft finden und ein Gegeneinander ist kein guter Ratgeber.“ Je nach Art und Weise der Anpflanzungen und Wilddichte, stellte er in Aussicht, dass die Zeit, bis der Wald wieder „über die Höhe des Äsers des Rehwildes“ gewachsen sei, zwischen fünf und acht Jahren liegen könnte – also einen durchaus zu überschauenden Zeitrahmen darstelle.

Während die Diskussion zwischen Forstbauern und Jägern bundesweit für viel Unmut und Zwist sorge, lasse das Treffen und der gemeinsame Austausch hoffen, resümierten Simone Koch und die Beteiligten: „In Wermelskirchen sind alle Seiten gewillt, eine gemeinsame Lösung zu finden.“ Für die Jäger bedeute dies eine Erhöhung des Rehwild-Abschusses, der aber nur in Zusammenarbeit mit den Waldbauern möglich ist, wenn diese zum Beispiel Jagdschneisen zur Bejagung anlegen.

Das Bundesjagdgesetz regelt in Deutschland das Jagdrecht

Das Bundesjagdgesetz (BJG) regelt in Deutschland das Jagdrecht. Es enthält Vorschriften zur Jagd-Ausübung. Nähere Einzelheiten regeln die Länder in ihren jeweiligen Landesjagdgesetzen. Den Vorstand des Wermelskirchener Hegerings bilden neben dem Hegeringleiter Bjarne Hoerup sowie der Schriftführerin Simone Koch der stellvertretende Hegeringleiter Achim Wetzel und der Schatzmeister Roger Zimmer.

Bjarne Hoerup rief bereits im Frühjahr dazu auf, das Gespräch mit den Waldbauern zu suchen, neue Ansitzmöglichkeiten in den neu entstandenen Flächen zu besprechen und zu schaffen und den Rehwild-Bestand intensiv zu bejagen.

Schonzeit

Für Rehwild gelten in NRW diese Schonzeiten, in denen eine Bejagung nicht gestattet ist:

Rehwild (Kitze): 1. September bis 15. Januar

Rehwild (Schmalrehe): 1. Mai bis 31. Mai und 1. September bis 15. Januar

Rehwild (Ricken): 1. September bis 15. Januar

Rehwild (Böcke): 1. Mai bis 15. Januar

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