Erkältungssaison

Mediziner rät zur Grippeimpfung

Tobias Hopff wird sich auch selbst gegen Grippe impfen lassen. Archivfoto: Jürgen Moll
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Tobias Hopff wird sich auch selbst gegen Grippe impfen lassen.
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Hausarzt Tobias Hopff erwartet in den kommenden Monaten wachsenden Andrang.

Von Anja Carolina Siebel

Mit dem Herbst hat – trotz noch warmer Temperaturen –die Erkältungssaison begonnen. Und auch die Grippefälle könnten sich derzeit wieder häufen. Wegen der noch andauernden Corona-Pandemie und zuletzt wieder steigender Infektionszahlen eine doppelte Belastung für Betroffene und Mediziner.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein rät deshalb, und um das Gesundheitssystem nicht doppelt zu belasten, dringend zur Grippeimpfung. „Das Thema Corona drängt in der Wahrnehmung alle anderen Erkrankungen und Impfungen in den Hintergrund“, sagt Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. „Umso wichtiger ist es uns, auch in diesem Jahr auf die Bedeutung der Grippeschutzimpfung und die Risiken durch eine Influenza-Erkrankung aufmerksam zu machen.“ Wer gegen die Grippe vorsorge, schütze nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern auch viele andere zumindest vor dieser Erkrankung. So könne jeder dafür sorgen, dass nicht auch noch die saisonale Influenza das Pandemiegeschehen beeinflusse.

Diese Meinung vertritt auch Tobias Hopff, Mediziner in Dabringhausen und Sprecher der Wermelskichener Hausärzte. „Jetzt ist die Zeit für eine Grippeimpfung. Auch ich selbst werde mich impfen lassen und halte das für absolut sinnvoll und wichtig“, sagt Hopff. Knappheit in Sachen Impfstoff könne er derzeit nicht feststellen. „Und das kalkuliere ich auch nicht ein. Wer in meine Praxis kommt und geimpft werden möchte, der wird geimpft.“

Aber nicht nur mit den Impfungen haben die Wermelskirchener Hausärzte dieser Tage ordentlich zu tun. Es häufen sich auch die Erkältungsfälle in den Praxen. Und somit die Fragen. „Die Patienten haben individuelle Anliegen“, berichtet der Mediziner. „Sie erzählen beispielsweise, dass ihr Kind Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte und jetzt über Schnupfensymptome klagt. Hopff und seine Kollegen müssen dann entscheiden, ob die Indikation für einen Corona-Test gegeben ist oder nicht. Das sei nicht immer einfach. „95 Prozent der Patienten, die jetzt mit Erkältungssymptomen in die Praxis kommen, haben tatsächlich eine profane Erkältung. Die Verantwortung liegt aber bei uns.“

„Ich kann während der Wintermonate nicht durchgehend so viel testen wie jetzt.“

Tobias Hopff, Sprecher der Hausärzte

Das bestätigte kürzlich auch das Gesundheitsamt. „Wir sind nicht zuständig, darüber zu entscheiden, wer einen Corona-Test bekommt und wer nicht“, sagte dazu vorige Woche Brigitte Bär vom Krisenstab des Rheinisch-Bergischen Kreises. Das Kreisgesundheitsamt sei für den allgemeinen Infektionsschutz zuständig, die Zuständigkeit für die individuelle Versorgung Einzelner liege bei den Hausärzten.

Tobis Hopff ist das durchaus bewusst – und er nimmt diese Verantwortung ernst. Er testet auch in der eigenen Praxis. „Ich bestelle die betreffenden Patienten mittags oder nach Ende des regulären Praxisbetriebs, so dass auch meine Mitarbeiter keinen Kontakt zu ihnen haben“, sagt er. Zurzeit teste er sehr umfangreich. „Ich bin mir aber bewusst darüber, dass ich nicht während der ganzen Wintermonate so viel testen kann. Die Kapazitäten werden irgendwann zur Neige gehen“, räumt Hopff ein. Dann werden die Betroffenen im Zweifel zu einer Teststation des Gesundheitsamtes ausweichen müssen, wenn die Voraussetzungen für einen Test gegeben sind.

Für die kommenden Monate erwartet der Dabringhauser Mediziner wachsenden Andrang an Patienten. Denn durchgehend wird es Menschen mit Erkältungs- oder Grippesymptomen geben. Wie in jedem Jahr. Nur dass aufgrund der Corona-Pandemie die Situation jetzt viel komplizierter geworden ist. „Die richtige Grippesaison beginnt ja auch erst im Februar. Da liegt also noch etwas vor uns“, sagt er.

Corona-Zahlen

Am gestrigen Mittwoch sind sechs weitere bestätigte Corona-Fälle im Rheinisch-Bergischen Kreis, einer in Bergisch Gladbach, einer in Kürten und je zwei in Leichlingen und Wermelskirchen bekanntgeworden. Es gelten sechs weitere Personen als genesen. 49 Personen sind aktuell infiziert. Es befinden sich 388 Personen in Quarantäne, das sind neun Personen weniger als am Vortag.

Standpunkt: Mitdenken ist angesagt

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga-online.de

Zugegeben, die Situation ist zurzeit oftmals verzwickt. Die Nase läuft, der Rachen kratzt – ist das nun eine profane Erkältung oder habe ich mich womöglich doch irgendwo mit dem Corona-Virus infiziert? So manch einer wird in dieser Herbst- und Wintersaison wohl nicht nur einmal vor dieser Frage sehen. Und wenn es in der Familie dann noch Kinder oder Jugendliche gibt, die Kindergarten oder Schule besuchen, wird es noch einmal komplizierter. Umso mehr sind jetzt Eigenverantwortung und Mitdenken angesagt. Das Gespräch mit dem Haus- oder Kinderarzt sollte an erster Stelle stehen, wenn Symptome auftreten, die man selbst nicht recht einordnen kann. Die Mediziner entscheiden dann, ob im individuellen Fall eine Testung auf das Coronavirus angemessen ist oder nicht. Ein weiterer Punkt ist die Grippeimpfung. Hier gilt nicht nur die Verantwortung für die eigene Gesundheit, sondern es geht auch um die anderer. Generell gilt, je mehr Menschen gegen die Influenza geimpft sind, desto geringer ist das Erkrankungsrisiko für die gesamte Bevölkerung. Prävention ist also gefragter denn je in diesem Herbst und Winter.

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