Max Uthoff teilt in alle Richtungen aus

Max Uthoff nahm nicht nur die Berliner Politik aufs kabarettistische Korn. Foto: Max Uthoff
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Max Uthoff nahm nicht nur die Berliner Politik aufs kabarettistische Korn.

Das Publikum musste beim Gastspiel des Kabarettisten in der Kattwinkelschen Fabrik genau hinhören

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wenn man zu Max Uthoff geht, bekommt man eine durchaus ambivalente Packung verpasst. Ambivalent deswegen, weil der smarte Politkabarettist aus München in der Kattwinkelschen Fabrik mit derart spitzer Zunge in alle Richtungen austeilte und dabei gleichzeitig so sanft und butterweich klang, dass man schon genau hinhören musste, um die boshaften Wahrheiten nicht zu überhören.

Max Uthoff wäre falsch in seinem Job, würde er nicht noch einmal gegen Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel geschossen haben. „Zwei Entscheidungen in 15 Jahren – der Atomausstieg und ihr Wir-schaffen-das – haben die Menschen nicht überfordert. Aber nur ein Fakt reicht, um das positive Bild, das ihr hinterherläuft, mal ein wenig zu durchlöchern: Sie hat ihn nicht gefeuert.“

„Ein Sieg ist es nur, wenn auch ein Gegner da war.“

Max Uthoff, Kabarettist

Ihn, das war natürlich Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer. Und weiter ging es Schlag auf Schlag. Der neue Bundeskanzler Olaf Scholz sei ja nur wegen Armin Laschet ins Amt gekommen: „Ein Sieg ist es nur, wenn auch ein Gegner da war.“ Die Ampel sei zwar noch zu neu im Amt, um sie wirklich satirisch zu zerlegen. Was Uthoff indes nicht davon abhielt, kräftig gegen die junge Koalition zu schießen. „Wer sich mit der FDP ins Bett legt und ihr Peitsche, Handschellen und Gleitcreme dazu gibt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er gef . . . aufwacht.“ Überhaupt FDP – die Finanzierung der Klimaziele stünden schließlich unter dem Vorbehalt Christian Lindners. „Da mag der Eisbär dann auch nicht mehr.“ Es war diese wundervolle Welt der Satire, in die man sich für zwei Stunden fallenlassen konnte. Um auf andere Gedanken zu kommen, auch wenn das, was Max Uthoff im Gepäck hatte, nicht wirklich beruhigend war. In den politischen Themen, natürlich.

 „Friedrich Merz war im CDU-Zukunftsteam? Da stößt Satire an ihre Grenzen.“ Wobei er dieses Terrain schon bald verließ und den Blick auf die Gesellschaft und die ganze Welt ausweitete. Etwa darauf, „wie toll es doch ist, dass wir hier im globalen Norden leben“. Mit Dingen wie Katzenfutter. „Meterweise Katzenfutter.“ Wenn das der Müllsammler im globalen Süden erfahren würde, wäre er bestimmt sehr erstaunt. Oder mit dem Blick aufs Kleine, die Familie, gelenkt. „Die erste Hälfte deines Lebens schämst du dich für deine Eltern, die zweite für deine Kinder.“

„Wenn Sie abends mal ins Netz gehen und auf der Suche nach Ihrer Meinung sind.“

Max Uthoff, Kabarettist

Das Programm hieß ja „Moskauer Hunde“. Und ab und zu ging es auch um Hunde – nicht nur um die aus Moskau. Aber Uthoff, so brillant er auch sein mochte, war kein Hundefreund. „Der Hund wird ja als bester Freund des Menschen bezeichnet. Es sagt viel über die Definition von Freundschaft aus, wenn das Optimum ein Wesen ist, das jeglichem Fitzel von Zuneigung hinterherhechelt und dümmer als ein Schwein ist.“ Die Hundethemen waren aber nur der rote Faden, der den Abend zusammenhielt. Ansonsten dominierte die bitterböse Kritik an den Zweibeinern. Mit so bitteren wie wahren Sätzen wie diesen: „Wenn Sie abends mal ins Netz gehen und auf der Suche nach Ihrer Meinung sind.“ Und bisweilen dauerte es eine Sekunde, bis man sie verstand.

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