Planung

Marner: Kosten für Sekundarschule sind angemessen

Den Architekten-Entwurf stellte der Projektplaner in der Sitzung des Schulausschusses vor. Entwurf: Brochheuser und Lüttinger
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Den Architekten-Entwurf stellte der Projektplaner in der Sitzung des Schulausschusses vor. Entwurf: Brochheuser und Lüttinger
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Allein die dramatisch sinkenden Anmeldezahlen stellen die ursprüngliche Planung in Frage.

Wermelskirchen. Dass die Stadtverwaltung sich „verkalkuliert“ habe bei der Planung für die neue Sekundarschule, das möchte Thomas Marner so nicht stehen lassen. „Es ist schlichtweg falsch“, sagt der Technische Beigeordnete. Wie berichtet, soll der Neubau, nachdem die zuständigen Architekten ihre aktuellste Planung vorgelegt haben, jetzt 47 Millionen Euro, statt wie vorab kalkuliert 32,5 Millionen kosten. „Das ist eine Menge Geld, die Kostensteigerung ist aber auch plausibel zu erklären“, unterstreicht Thomas Marner.

Denn was ursprünglich der Projektplanung zugrunde lag, war ein sogenanntes Raumprogramm, das einer pädagogischen Planung für Sekundarschulen entsprechender Größenordnung entsprach. „Es ging also zunächst allein darum, zu ermitteln, welche pädagogischen Anforderungen an so ein Gebäude gestellt werden“, erläutert der Technische Beigeordnete. Nun haben die Architekten Brochheuser und Lüttinger, die von Beginn an den Auftrag hatten, ihren Planungsentwurf für das gesamte Gebäude vorgelegt. „Und der ist natürlich umfangreicher als die Raumplanung. Aber an dieser Schule ist nichts auch nur annähernd überdimensioniert“, unterstreicht Thomas Marner.

So erscheinen im Architektenentwurf beispielsweise ein Foyer und eine zusätzliche Pausenhalle von 523 Quadratmetern. „Beides gehört zwingend zu einer zukunftsfähigen Schule“, sagt Thomas Marner. Zudem sieht der Entwurf diverse Lager- und Nutzflächen sowie Lernflure vor.

Sicherheitsstandards kosten über 3 Millionen Euro

Aber damit nicht genug. Zukunftsfähige Gebäude müssen auch mit der nötigen Sicherheit ausgestattet werden. Also sieht das Konzept beispielsweise eine Lüftungsanlage im Wert von eineinhalb Millionen Euro vor, die zu Beginn der Planung noch gar nicht notwendig gewesen wäre, sondern erst jetzt zum Standard entsprechender Neubauten gehört. Mit entsprechender Fachraumausstattung, einer Amokalarmierungsanlage, Brandschutzauflagen, Einhaltung der Barrierefreiheit und anderen Punkten kommen die Architekten rasch auf eine Summe von über 3 Millionen Euro, allein für diese Sicherheitsstandards für Gebäude.

„Wir sind derzeit bei Abschluss der Phase 3 der Bauplanung“, sagt Thomas Marner. Jeder einzelnen Phase liege ein politischer Beschluss zugrunde. „Wir können also gar nicht an irgendwem vorbei planen“, betont der Technische Beigeordnete. Und: „Die Raumplanung beinhaltete nicht bauliche Notwendigkeiten einer solchen Schule wie Foyers oder Lagerräume. Es handelte sich dabei um ein rein pädagogisches Konzept, das deshalb auch keine Fehlplanung war“, sagt Marner.

Bisher sei für die Entwurfsplanung und die ersten Schritte eine Summe von etwa 1,3 Millionen Euro investiert worden. Die könnten indes nahezu umsonst aufgewendet worden sein, sollte sich jetzt sukzessive herausstellen, dass die Sekundarschule als Schulform nicht angenommen wird in Wermelskirchen. Die Zahlen, die Jugendamtsleiter und Schulbeauftragter Andreas Voß in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses auspackte, zeichneten jedenfalls für fast alle Ausschussmitglieder ein beunruhigendes Bild. Denn: Waren es im Schuljahr 2020/21 noch 93 Anmeldungen an der Sekundarschule, sind es für das Schuljahr 2021/22 nur noch 58. „Damit wäre die Schule nicht mehr fünf-, sondern dreizügig“, erklärt Thomas Marner. Die Planung sieht für den Neubau an der Rot-Kreuz-Straße aber eine Fünfzügigkeit vor. „Und wir können auch nicht mal eben dieses Gebäude in eine dreizügige Schule verwandeln“, erklärt der Beigeordnete.

Häufig wurde aus der Bevölkerung und in den sozialen Netzwerken der Wunsch nach einer Gesamt- oder Realschule laut. „Das ist theoretisch alles möglich, aber auch nicht mit diesem Entwurf“, sagt Thoma Marner. „Der vorliegende Entwurf sieht ausschließlich eine neu gebaute, fünfzügige Sekundarschule vor.“

Standpunkt: Das könnte schiefgehen

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Verkalkuliert hat die Stadt sich bei der finanziellen Planung der Sekundarschule nicht. Möglicherweise haben das Verwaltung und Politik aber in der Vergangenheit getan, als es darum ging, den Millionen schweren Neubau einer Sekundarschule auf den Weg zu bringen. Stimmen aus Nordrhein-Westfalen, unter anderem bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Institut für Schulforschung an der Uni Bochum, haben die Sekundarschule als Schulform bereits als „Flop“ bezeichnet, die „schon in den kommenden Jahren unter 100 Einrichtungen sinken und keine nennenswerte Rolle mehr spielen“ würden. Zumindest spürbar ist dieser Trend auch in Wermelskirchen. Von Beginn an hatte die Sekundarschule zu kämpfen, nun geht es mit den Anmeldezahlen endgültig bergab. Mit 58 Anmeldungen kann man in Sachen Fünfzügigkeit gar nichts mehr reißen. Die Fragen, die sich nun aufdrängen: Hätte man das nicht vorher wissen und von Anfang an vorausschauender planen können? Waren die 1,3 Millionen Euro eine Fehlinvestition? Und vor allem: Wie soll es jetzt weitergehen?

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