Bildung

Marion Lück hinterfragt Sekundarschule

Umzüge waren in den vergangenen Jahren an der Sekundarschule eher die Regel. Hier im Dezember, als die Schüler in die Container am Weyersbusch zogen. Archivfoto: Anja Carolina Siebel
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Umzüge waren in den vergangenen Jahren an der Sekundarschule eher die Regel. Hier im Dezember, als die Schüler in die Container am Weyersbusch zogen.

Bürgermeisterkandidatin will neue Befragung von Eltern initiieren.

Von Anja Carolina Siebel

Ist eine Sekundarschule für Wermelskirchen noch zeitgemäß? Diese Frage stellt, sinngemäß, die Bürgermeisterkandidatin von CDU und Bürgerforum (BüFo), Marion Lück. Die parteilose Kandidatin möchte eine erneute Befragung von Eltern anstreben, „allerdings detaillierter als die, die es bereits gegeben hat“, unterstreicht die Wermelskirchenerin.

Für eine solche Befragung gebe es gute Gründe: „In den vergangenen Jahren wurden viele Kinder in Wermelskirchen an der Sekundarschule und dem Gymnasium angemeldet – aber bei weitem nicht alle“, sagt Lück. „Einige Wermelskirchener Kinder sind nach Odenthal gewechselt, andere nach Hückeswagen, Remscheid oder auch Burscheid.“ Die „hohe Zahl derer, die inzwischen außerhalb von Wermelskirchen zur Schule gehen“, stimme sie nachdenklich. Nach Meinung von Lück könnte das ein Trend sein, aber auch eine Momentaufnahme. Das gelte es, bei der Befragung herauszufinden.

Lück: „Zahlen und Fakten über längeren Zeitraum analysieren“

„Ich meine, dass wir die Zahlen, Daten, Fakten viel genauer über einen längeren Zeitraum hinweg analysieren müssen. Wie viele Kinder und Jugendliche wechselten in den letzten fünf Jahren zu welchen Schulformen und in welche Städte? Wie setzt sich das in den weiteren Jahrgängen fort? Wohin gehen Kinder und Jugendliche, die zum Beispiel in der 7. und 8. Klasse die Schule verlassen? Gibt es auch Kinder, die von den umliegenden Städten nach Wermelskirchen wechseln? Wenn ja, wie viele?“ Und weiter: „Sollte diese detaillierte Analyse ergeben, dass sich inzwischen ein Trend verfestigt hat, würde ich als Nächstes die befragen, die konkret betroffen sind: die Eltern der Grundschulkinder. Wo werden sie ihre Kinder voraussichtlich anmelden und was wünschen sie sich für Schulformen in Wermelskirchen?“

Dietmar Paulig, Leiter der Sekundarschule, verzeichnet dieses Jahr 97 Anmeldungen an seiner Einrichtung. Das sind immerhin acht mehr als im Vorjahr. „Wir bekommen damit eine stabile Vierzügigkeit hin“, sagt der Pädagoge. Er räumt aber ein, dass das „längst keine optimalen Zahlen“ für die neue Schulform seien. Auffällig sei, dass dieses Jahr auch das Gymnasium in Wermelskirchen Einbußen bei den Fünftklässlern zu verzeichnen hätte. Dort würde es eine ganze Jahrgangsstufe weniger geben als in den Vorjahren.

Dietmar Paulig führt die Zurückhaltung der Eltern bei den Anmeldungen vor allem auf die große Unsicherheit der vergangenen Monate und Jahre zurück. „Wir mussten wegen der räumlichen Einschränkung und der Bauplanung lange an zwei Standorten unterrichten und sind erst seit diesem Schuljahr fest am Weyersbusch. Lehrer und Schüler mussten pendeln. Das hat viele verunsichert.“ So sieht das auch Andreas Voß vom Schulamt: „Wir hatten bei dem Konzept eine große Mehrheit. Warum sollten wir die jetzt in Frage stellen? Es gab viel Unruhe an der Sekundarschule, die wir jetzt sukzessive in den Griff bekommen,“

Marion Lück indes kann sich vorstellen, dass möglicherweise eine Gesamtschule die bessere Alternative wäre. „Es mag sein, dass ein Ergebnis der Befragung ist, dass sich eine Mehrheit der Eltern eine Gesamtschule wünscht. Das kann sein, muss aber nicht. Aber nur weil eine solche Befragung vielleicht nicht das gewünschte Ergebnis bringt, darf man aus meiner Sicht nicht darauf verzichten“, sagt sie.

Dietmar Paulig räumt ein, dass, was das Leistungsniveau der Schüler angehe, eine Oberstufe an seiner Schule durchaus denkbar wäre: „Das Leistungsniveau der Absolventen vom Vorjahr, es waren ja die ersten Absolventen der zehnten Klasse an unserer Schule, hat gezeigt, dass wir allein aus unseren Schülern mit guten bis sehr guten Leistungen eine Oberstufe hätten rekrutieren können.“ Auch hätten Lernstandserhebungen, an denen die Achtklässler der Sekundarschule regelmäßig teilnähmen, „ein konstant hohes Leistungsniveau“ attestiert. 

Hintergrund

Die Sekundarschule ist eine eigenständige Schulform. Sie umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 10 zu allen Schulabschlüssen der Sekundarstufe I. Durch eine Kooperation mit Gymnasium, Gesamtschule oder Berufskolleg ermöglicht sie den Anschluss an die gymnasiale Oberstufe, Berufskolleg sowie in die duale Ausbildung. Bei der Anmeldung gibt es Infos zum Abschluss.

Standpunkt: Warum eigentlich nicht?

Von Anja Carolina Siebel

Zugegeben: Marion Lück sticht mit dem Thema „Sekundarschule“ in ein politisches Wespennest. Denn in den vergangenen Jahren war der Trubel um diese in Wermelskirchen neue Schulform unübersehbar. Und gerade, nach dem Einzug der Schüler in die Container am Weyersbusch, war wieder etwas Ruhe eingekehrt. Aber zu übersehen ist auch nicht:

anja.siebel@rga-online.de

Die Anmeldezahlen an der Sekundarschule weichen stark von denen in anderen Städten ab. Und zwar nach unten. Viele Schüler wandern in umliegende Städte ab, um eine weiterführende Schule zu besuchen. 

Und auch das Gymnasium musste zuletzt Einbußen bei den Anmeldungen einstecken. Sich da zu fragen, woran das eigentlich liegt, und ob die wählbaren Schulformen ausreichend sind, scheint vor diesem Hintergrund nur legitim. Und die Frage zu stellen, warum eigentlich keine Gesamtschule die geeignete Form für Wermelskirchen wäre, ist auch nicht dumm. Denn Fakt ist: Wenn weniger Jugendliche zum Unterricht in andere Städte abwandern, würden sie auch ihre Freizeit vor Ort verbringen. Das würde der Stadt Lebensqualität bringen. Warum also eigentlich nicht?

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