Seniorenbeirat

Manchmal wird er zum Seelentröster

Werner Allendorf möchte seine Arbeit als Vorsitzender des Seniorenbeirats gerne fortsetzen. Archivfoto: Roland Keusch
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Werner Allendorf möchte seine Arbeit als Vorsitzender des Seniorenbeirats gerne fortsetzen.
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Werner Allendorf möchte seine Arbeit im Seniorenbeirat gern fortsetzen – Sein Rat ist in der Pandemie gefragt.

Von Jennifer Preuß

Wermelskirchen. „Wenn die Pandemie vorbei ist, dann. . .“ Bedingungssätze, die so oder ähnlich beginnen, formuliert Werner Allendorf dieser Tage öfter. Der Vorsitzende des Seniorenbeirates in Wermelskirchen würde gerne so viele Projekte auf die Beine stellen, beziehungsweise ihnen wieder Leben einhauchen. Doch ihm sind die Hände gebunden. Viele Aktivitäten des Seniorenbeirates liegen brach. Zusammenkünfte des Beirates konnten unter Einschränkungen noch stattfinden, alle geplanten Veranstaltungen wurden allerdings abgesagt. Was darunter leidet, ist der Kontakt zum Bürger. Und gerade der ist in diesem Jahr besonders wichtig: Der Seniorenbeirat wird im Sommer für fünf Jahre neugewählt.

Im kreisweiten Vergleich leben in Wermelskirchen die meisten Senioren. Mit der Frage, wie er unter Pandemiebedingungen Über-60-Jährige für die Wahl motivieren will, will sich Werner Allendorf noch nicht befassen. Er hofft darauf, dass im Frühling Infostände in den Ortsteilen wieder erlaubt sein werden. Dann wird auch er selbst für sich werben.

Den Vorsitz, den er seit 2016 innehat, würde der 74-Jährige gerne auch für weitere fünf Jahre behalten. An Motivation mangelt es bei Werner Allendorf nicht, der darüber hinaus noch in der Seniorenunion und im Kreistag aktiv ist.

„Man kann mit Senioren in Wermelskirchen einiges machen. Die Senioren sind in Aufbruchsstimmung“, sagt er. Senioren sind heute fitter denn je. Sie interessieren sich für die Vielseitigkeit des gesellschaftlichen Lebens und wollen daran teilhaben. Wichtig ist es da, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Die Mobilität ist daher für Werner Allendorf ein wichtiges Thema auf der Agenda. „Es gibt immer noch keine direkte Verbindung nach Bergisch Gladbach“, klagt er. „Jetzt ist es so, dass man erst nach Leverkusen fahren und dann umsteigen muss. Das ist eine Tortur.“

Zu dem Themenspektrum gehört auch die Barrierefreiheit. Immer wieder macht der Seniorenbeirat die Verwaltung auf zu enge Gehwege und fehlende Absenkungen vor Zebrastreifen aufmerksam. So konnten bereits viele Verbesserungen erreicht werden.

Auch für die Belange in den Ortsteilen hat er ein offenes Ohr

Auch für die individuellen Belange in den Ortsteilen Wermelskirchens hat der Seniorenbeirat ein offenes Ohr. Werner Allendorf will sich beispielsweise für betreutes Wohnen in Dhünn einsetzen. Ein Mittel, mit den Bürgern in Kontakt zu treten, waren in der Vergangenheit die sogenannten „Geh-spräche“. Bei einem Termin vor Ort traf man sich und tauschte sich über die Problemlagen im eigenen Stadtteil aus. Die Anregungen und Kritikpunkte wurden dann über die Beiratsmitglieder in den politischen Prozess eingebracht. Coronabedingt ruhen auch diese Aktivitäten.

Nichtsdestotrotz hat Werner Allendorf als Vorsitzender des Seniorenbeirates dadurch den Ruf des Kümmerers bekommen. So klingelte sein Telefon unaufhörlich, als am 25. Januar die Hotlines zur Vereinbarung von Impfterminen freigeschaltet wurden.

„Ich hatte sehr viele sorgenvolle Anrufe von Menschen, die nicht durchgekommen sind oder die sich beklagen wollten, warum sie denn zum Impfen nach Bergisch Gladbach fahren müssen“, erzählt Werner Allendorf.

Er hat keinerlei Einfluss darauf, ob in Wermelskirchen eine Dépendance des Impfzentrums aufgebaut wird oder nicht. Das Thema will er dennoch - mit wenig Aussicht auf Erfolg - in der Kreistagsfraktion in Bergisch Gladbach anbringen. Das sagt Werner Allendorf auch den besorgten und genervten Bürgern am Telefon.

Dass er in dieser Situation zum Seelentröster und Blitzableiter zugleich wurde, damit könne er umgehen. Das hätten ihn 41 Jahre im Wermelskirchener Stadtrat und seine langjährige Mitgliedschaft bei den Christdemokraten gelehrt.

Außerdem sieht Werner Allendorf es ganz pragmatisch: „Wir wollen als Beirat der Ansprechpartner der Senioren sein.“ Auch in Zeiten wie diesen. 

Hintergrund

Auch der neue Seniorenbeirat wird sich für eine bessere Verständigung zwischen Jung und Alt einsetzen. Ein Projekt dazu ist die Kooperation mit dem Kinder- und Jugendparlament der Stadt Wermelskirchen. „Die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Wir zeigen gegenseitig viel Verständnis füreinander“, sagt Werner Allendorf. Auf der gemeinsamen Agenda sollte bereits im vergangenen Jahr das Thema Müllvermeidung stehen. Pandemiebedingt wurde das allerdings zunächst verschoben.

Standpunkt

nadja.lehmann@rga-online.de

Ein Kommentar von Nadja Lehmann

Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr sich die Senioren in nur kurzer Zeit verändert haben. Wenn ich an meine Oma zurückdenke, dann erscheint sie nicht nur meinen einst kindlichen Augen als alt. Man darf aber auch nicht vergessen, was diese frühere Generation wegstecken musste. Im Fall meiner Oma war es die Flucht aus Ostpreußen, der Tod des Ehemanns, der bei Stalingrad vermisste Sohn, den sie nie beerdigen konnte, der schwere Neuanfang in Schleswig-Holstein in der Flüchtlingsbaracke. Da bleiben Jugend und Unbeschwertheit auf der Strecke – wohl bei vielen Vertretern dieser Generation. Die heutigen Senioren sind fitter, können und wollen sich einbringen. Ein Privileg, und das ist gut so. Gerade jetzt, wo das Impf- und Corona-Szenario für so viel Verwirrung und Ängste sorgt, weil derzeit nichts richtig rund läuft. Werner Allendorf gehört zu denen, die Ansprechpartner sein und sich engagieren wollen. Sie werden gebraucht. Nicht nur in Corona-Zeiten –nun aber doch in besonderer Weise. Denn die Pandemie werden wir nur gemeinsam bewältigen. Und nach ihr werden wir uns neu sortieren müssen, Junge wie Ältere. 

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