Pandemie

Long-Covid-Patientin: „Nichts ist wie früher“

Inga Frowein aus Wermelskirchen leidet an Long-Covid.
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Inga Frowein aus Wermelskirchen leidet an Long-Covid.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Inga Frowein hat mit den Langzeitfolgen der Infektion zu kämpfen.

Wermelskirchen. Für Inga Frowein gibt es eine Zeit vor und eine Zeit nach ihrer Covid-19-Infektion. Davor war die heute 28-jährige Wermelskirchenerin eine agile junge Frau, trieb gern und viel Sport, war beruflich engagiert. Neben ihrer Tätigkeit als Pharmazeutisch technische Assistentin in der Bergischen Apotheke absolvierte sie noch ein Studium, um in der Apotheke Ernährungsberatungen durchführen zu können. „Ich habe immer gern gearbeitet, praktisch nie still gesessen“, erzählt Inga Frowein.

All das sollte sich im März 2021 schlagartig ändern. Die junge Frau infizierte sich im Familienkreis mit dem Coronavirus. „Damals noch mit der britischen Variante“, erzählt Inga Frowein. Sie hatte Grippesymptome, fühlte sich elend. „Ich musste nicht ins Krankenhaus, aber mir ging es schon richtig schlecht.“ Geimpft war sie damals noch nicht, weil sie als 28-Jährige dafür noch nicht vorgesehen war; das sollte eigentlich einen Monat später geschehen.

Insgesamt drei Wochen zeigte der Corona-Test von Inga Frowein „positiv“ an. „Als die Quarantäne dann vorbei war, dachte ich natürlich, jetzt geht alles so weiter wie vorher“, sagt die Wermelskirchenerin. Aber so war es nicht.

Selbst Arztbesuchesind ein Kraftakt

Frowein: „Ich merkte, dass das alles nicht mehr so klappte wie vorher. Ich war einfach nicht mehr belastbar, musste mich ständig hinlegen.“ Als diese Symptome andauerten, schickte ihr Hausarzt sie in eine Reha. „Ich fuhr dafür ins Ruhrgebiet“, erzählt die Patientin. „Das hat mir auch gutgetan. Allerdings hat es in erster Linie dazu geführt, dass ich jetzt besser damit umgehen kann.“

Inga Frowein ist psychisch gesund, eine fröhliche, aufgeschlossene junge Frau, die verheiratet ist, eine große Familie um sich herum weiß, die sie unterstützt. „Das gibt mir natürlich Kraft und lässt mich weitermachen und weiter hoffen“, sagt sie.

„Wenn ich sehe, wie leichtfertig schon wieder mit dem Virus umgegangen wird, macht mit das betroffen.“

Inga Frowein

Wenn die Realität auch recht bitter ist. Seit fast eineinhalb Jahren kann sie nicht arbeiten. „Ich habe eine Wiedereingliederung versucht nach vier Monaten. Das klappte einfach nicht.“ Inga Frowein erklärt das so: „Wenn ich mich belaste, mit Arbeit oder auch körperlich, dann merke ich das verzögert. Das heißt, ich bin dann nach ein paar Stunden oder einem Tag so kaputt, dass ich das für den Rest der Woche gar nicht mehr aufholen kann.“ Mediziner nennen das Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom, das unter anderem manchmal nach Virus-Infektionen auftritt. Körperlich ist Inga Frowein ansonsten gesund, hat an Herz oder Lunge keine Folgen der Infektion zurückbehalten. Eben nur diese Erschöpfung, die sie tagtäglich wieder umhaut.

„Arztbesuche, Physiotherapie, all das will ich ja machen, um gesund zu werden, aber es strengt mich unglaublich an.“

Ihre Geschichte möchte die Wermelskirchenerin erzählen, um darauf aufmerksam zu machen, dass eine Infektion mit Covid-19 nicht immer harmlos verläuft. Auch für junge und gesunde Menschen nicht, die die Erkrankung im ersten Verlauf gut weggesteckt haben. „Wenn ich sehe, wie leichtfertig jetzt schon wieder mit dem Virus umgegangen wird, dass keine Masken getragen werden, es kaum noch Abstand und sonstige Regeln gibt, dann macht mich das betroffen. Denn ich wünsche ja keinem, dass es ihm hinterher so wie mir geht. Und nicht alle haben ja so einen tollen Rückhalt wie ich in der Familie. Ich kann mir vorstellen, dass viele daran verzweifeln. Es geht ja erstmal nicht aufwärts. Seit so langer Zeit nicht.“

Pläne hat Inga Frowein trotzdem: „Ich will jetzt erstmal eine Aufbau-Reha machen. Und dann schauen, dass ich die mögliche Arbeitszeit langsam erhöhe. Auf vier Stunden, sechs Stunden. Wie lange es auch geht. Ich mache meine Arbeit so gerne. Ich will das einfach.“ Und auf ein Medikament hofft sie: „Es wurde so viel Geld in die Entwicklung der Impfstoffe gesteckt. Ich finde, auch auf diesem Gebiet sollte man forschen.“

Fatigue-Syndrom

Das Fatigue-Syndrom bezeichnet ein Gefühl von anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Es beeinträchtigt das Leben der Betroffenen nachhaltig und lässt sich auch durch viel Schlaf nicht beseitigen. Anders als die eigenständige und seltene Erkrankung des Chronischen Fatigue-Syndroms ist das Fatigue-Syndrom eine Begleiterscheinung chronischer Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen, Krebs, Rheuma und HIV/Aids oder Folge außergewöhnlicher Belastungen.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Vorsicht ist geboten

anja.siebel@rga.de

Inga Frowein erzählt ihre Geschichte nicht, weil sie gern in der Öffentlichkeit steht. Sie erzählt ihre Geschichte, weil sie die Menschen daran erinnern möchte, welche Auswirkungen eine Covid-19-Infektion auch für junge, vorher gesunde Menschen haben kann. Die Wermelskirchenerin wirbt deshalb für die Impfung gegen das Virus. Aber sie mahnt auch, jetzt zu sorglos mit der Infektionsgefahr umzugehen. Gleichwohl die Variante des Virus’, die gerade hauptsächlich kursiert, meist eher milde verläuft, kann es auch nach einer solchen Infektion zu Komplikationen kommen. Und davor kann man sich zumindest so gut wie möglich schützen – mit dem Tragen einer medizinischen Maske in Innenräumen beispielsweise. Wenn das im Sommer auch eher lästig erscheint. Und mit den üblichen Hygienemaßnahmen, die ja nun seit fast drei Jahren bekannt sind. Und: Spätestens im Herbst kann man sich noch einmal impfen lassen.

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