Konzept für den Ernstfall

„Leuchttürme“ helfen bei Katastrophen

Alex groß (r.) und Stefan Riedesel zeigen den „Leuchtturm“ an der Dabringhauser Straße.
+
Alex groß (r.) und Stefan Riedesel zeigen den „Leuchtturm“ an der Dabringhauser Straße.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
    schließen

Die Stadt Wermelskirchen hat für den Ernstfall ein umfangreiches Konzept erarbeitet.

Wermelskirchen. Stromausfall. Man kennt das. Das Licht geht aus, man zündet eine Kerze an und wartet. Bis der Spuk irgendwann nach kurzer Zeit vorbei ist. Was aber, wenn es auf einmal kritisch wird? Wenn plötzlich der Strom für längere Zeit ausfällt, es zu einem Hochwasser oder einem anderen Ereignis kommt, das das normale Leben beeinträchtigt und das nicht vorhersehbar gewesen ist?

„Die Corona-Pandemie oder die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr haben gezeigt, wie schwer es ist, sich schnell auf unvorhergesehene Krisen einzustellen“, sagt Alex Groß von der Stabsstelle städtisches Krisenmanagement. Deshalb hat die Feuerwehr Wermelskirchen mit anderen Ämtern der Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten Konzepte und Maßnahmen erarbeitet, die einer konkreten Lage angepasst werden können. „So sind wir besser auf mögliche Krisen vorbereitet, um den Schutz der Bevölkerung gewährleisten zu können“, ergänzt Bürgermeisterin Marion Lück.

Am Donnerstag stellten Stadt und Feuerwehr schon einmal einen Teil des Gesamtkonzeptes vor: Unter anderem die Einrichtung sogenannter Notfall- und Informationspunkte (BIP) im Stadtgebiet, die die Bürger im Katastrophenfall nutzen können.

Sollte es zu einer länger andauernden Notsituation kommen, greife in der Stadt als erstes das Konzept der Notfall-Infopunkte, erklärte Alex Groß im Foyer des Rathauses. Dort soll einer dieser Notfallpunkte entstehen. Auch in anderen Teilen des Stadtgebiets – oder wenn nötig – im gesamten Stadtgebiet sollen kurzfristig Notfall-Infopunkte, kurz NIP genannt, eingerichtet werden. Insgesamt sind es bisher in Wermelskirchen 14 NIP. „Marion Lück: Wir haben uns überwiegend Kirchengemeinden dafür ausgesucht, weil die in der Regel gut aufgestellt sind und es viele Helfer gibt. Die waren auch sofort bereit, sich einzubringen.“ So sind es konfessionsübergreifend viele Gemeinden, aber auch das Rathaus und der Jägerhof in Dhünn, die bereits jetzt als NIP feststehen. An jedem dieser NIP würde jeweils ein Mitarbeitender der Verwaltung sowie ein freiwilliger Helfender anwesend sein.

An den NIP würden Bürger aktuelle und amtliche Informationen zur Lage erhalten. Dort sei es aber auch möglich, Notrufe abzusetzen, wenn das Telefon- oder Mobilnetz nicht funktioniere oder gestört sei.

Die Notfall-Infopunkte, das betont Alex Groß, seien nur erste Anlaufstellen für Bürger, um Informationen zu bekommen oder einen Notruf an 112 abzusetzen. Es würde dort keine Möglichkeit geben, sich längerfristig aufzuhalten. Das heißt, es ist weder eine Unterbringung, noch eine Essensversorgung vorgesehen. Auch Notstrom oder Wasser ist nicht vorhanden.

Je nach Krisensituation ist es aber möglich, bestimmte Notfall-Infopunkte in der Stadt zu sogenannten „Katastrophen-Leuchttürmen“ umzufunktionieren. Der erste „Leuchtturm“, der im Rahmen eines Pilotprojektes eingerichtet ist und im Ernstfall schnell in Betrieb gehen kann, ist das Gemeindezentrum „Treffpunkt Hoffnung“ an der Dabringhauser Straße. Stefan Riedesel ist dort ein Teil der sogenannten „Leuchttum-Eltern“, das heißt, er koordiniert das Helfer-Team. „Als Gemeinde haben wir genug Leute, die im Ernstfall da wären“, sagt er. Ein weiterer Vorteil: Der „Treffpunkt Hoffnung“ verfügt noch über eine Öl-Heizung. Das sei bei vielen Gebäuden, die als „Leuchttürme“ fungieren sollen, so, teilt die Stadt mit.

Notfall-Kisten stehenan den Punkten bereit

Die „Leuchttürme“, die in erster Linie in festen Gebäuden untergebracht sind, die vorzugsweise auch über Ölheizungen verfügen, bieten weitere Funktionen. Je nach Einsatzlage können sie als Aufenthalts- oder Wärmeräume, zur Kinderbetreuung, als Versorgungsstation und Ausgabestation für Hilfsgüter eingerichtet werden.

Die Notfall-Infopunkte, die mit entsprechenden Schildern gekennzeichnet sind, werden mit einer Grundausstattung bestehend aus vier Notfall-Kisten, unter anderem mit Lebensmitteln, ausgestattet. Den Inhalt der Notfall-Technik-Kisten, die in einen Kofferraum passen, hat die Feuerwehr mit der Firma Dönges zusammengestellt, die auf Katastrophenschutz spezialisiert ist.

Hintergrund

Drei Notfallkisten gibt es an jedem NIP: Darin ist unter anderem Verwaltungsmaterial und Erste Hilfe-Utensilien. Wichtig ist insbesondere die Checkliste für den Notruf, anhand derer auch ungeübte Einsatzkräfte einen Notruf entgegennehmen und weiterleiten können. Zudem gibt es Lebensmittel.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Vorbereitung ist alles

anja.siebel@rga.de

Ein tagelanger Blackout ist ein Szenario, das hoffentlich nicht eintritt. Aber es geht bei der Einrichtung der Notfall- und Informationspunkte ja auch nicht ausschließlich um den eher unwahrscheinlichen Fall eines tagelangen Stromausfalls.

Alex Groß von der Feuerwehr sagt zu Recht, dass seit dem fatalen Hochwasser 2021 eigentlich klar sein sollte, dass eine gute Vorbereitung im Katastrophenfall vieles erleichtert. Es ist also zu begrüßen, dass der Kreis und die Kommunen sich nun gut vorbereiten. Nicht, weil sie davon ausgehen, dass es in naher Zukunft zu einer Katastrophe kommen wird, sondern weil sie sich und die Bevölkerung bestmöglich auf einen Fall vorbereiten möchten, der eintreten kann. Morgen, in einem oder in zehn Jahren. Wer weiß das schon.

Die letzte Überarbeitung kreisweit hatte nach WGA-Informationen zur Jahrtausendwende stattgefunden. Da wurde es ja ohnehin mal Zeit für eine neue Version.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Spatzenhof: Regionales Küche im ungewöhnlichen Gewand
Spatzenhof: Regionales Küche im ungewöhnlichen Gewand
Spatzenhof: Regionales Küche im ungewöhnlichen Gewand
Dellmo heißt das Maskottchen der Stadt
Dellmo heißt das Maskottchen der Stadt
Dellmo heißt das Maskottchen der Stadt
Als noch echte Promis nach Wermelskirchen kamen
Als noch echte Promis nach Wermelskirchen kamen
Als noch echte Promis nach Wermelskirchen kamen
Bogen schießen: Loslassen und zur Ruhe kommen
Bogen schießen: Loslassen und zur Ruhe kommen
Bogen schießen: Loslassen und zur Ruhe kommen

Kommentare