Frankfurter Buchmesse

Lesefans verfolgen Preisverleihung

Sonst ist sie mit dem Lesekreis live in Frankfurt: Jetzt war Marie-Louise Lichtenberg Gastgeberin beim Public Viewing im Haus Eifgen. Foto: Peter Klohs
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Sonst ist sie mit dem Lesekreis live in Frankfurt: Jetzt war Marie-Louise Lichtenberg Gastgeberin beim Public Viewing im Haus Eifgen.

Statt Buchmesse: Marie-Louise Lichtenberg bat zur Live-Übertragung der Verleihung des Jugendliteraturpreises.

Von Peter Klohs

Ein wichtiger Teil der Frankfurter Buchmesse fand in diesem Jahr nicht in der hessischen Metropole, sondern in Berlin statt. Die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises wurde am Freitagabend im Berliner Grips-Theater vorgenommen. Die Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey verlieh den Preis in sieben Kategorien.

Der Umzug nach Berlin hatte auch Auswirkungen auf den Arbeitskreis für Jugendliteratur, dessen stellvertretende Vorsitzende die Wermelskirchenerin Marie-Louise Lichtenberg ist. „In den Vorjahren sind wir zur Verleihung immer nach Frankfurt gereist, um live dabei zu sein“, sagt Lichtenberg im Gespräch mit unserer Zeitung. Von 2010 bis 2016 war der von Lichtenberg initiierte Lesekreis auch Teil der Jugendjury, die traditionell einen eigenen Preis verleiht. Eine Reise nach Berlin verbot sich allerdings wegen der steigenden Corona-Fallzahlen. Die Lösung: Ein Live-Stream musste her. Ein Public-Viewing. Eine Örtlichkeit.

So kam es, dass sich am Freitagabend 29 Gäste im Haus Eifgen zur Live-Übertragung der Preisverleihung zusammenfanden. Der Hausherr, Michael Dierks, hatte das Haus Eifgen uneigennützig zur Verfügung gestellt. Auf einem großen Tisch waren alle nominierten Bücher aufgestellt worden. Auf einem etwas kleinerem Büchertisch wurden ausgewählte Bände der nominierten Autoren angeboten.

Verliehen wird der Deutsche Jugendliteraturpreis in insgesamt sieben Kategorien. Jeder Preis ist mit 10 000 Euro dotiert. In jeder Kategorie werden sechs Bücher nominiert. Die Moderatorin der Veranstaltung, Vivian Perkovic, die an manchen Stellen der 70-minütigen Preisverleihung etwas überfordert wirkte, begrüßte die Bundesfamilienministerin und den Vorsitzenden der Kritikerjury, Prof. Dr. Jan Standke.

Der Preis für das beste Bilderbuch ging in die USA. Mac Barnett und Jon Klassen erhielten ihn für das Triple-Werk „Dreieck Quadrat Kreis“, das in scheinbar einfacher Weise die Unterschiede des Menschseins behandelt.

Als bestes Kinderbuch wurde „Freibad“ des Bremer Autors Will Gmehling ausgezeichnet, ein Werk, das sich sensibel mit der Wichtigkeit einer intakten Familie auseinandersetzt.

Manches Dankes-Video kam witzig daher

Auch der Preis für das beste Jugendbuch blieb in Deutschland. Ihn gewann die norddeutsche Autorin Dita Zipfel mit ihrem Jugendbuchdebüt „Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte“. Die Autorin war, wie alle ihre nominierten Kollegen live per Stream zugeschaltet und freute sich sichtbar über den Preis. Dass die Preisträger im Vorfeld über den Gewinn informiert waren, bewies das eine und andere recht witzige Dankes-Video.

Der tschechische Autor David Böhm gewann den Preis des besten Sachbuches. „A wie Antarktis“ behandelt den Klimawandel. Böhm widmete den Preis seinem kürzlich verstorbenen Sohn.

Anschließend vergab die Jugendjury ihren Preis, der sich traditionell mit radikaleren Büchern beschäftigt und auch schwierige Themen nicht ausschließt. Der Preis wurde der englischen Autorin Sarah Crossan zugesprochen. Das Buch „Wer ist Edward Moon?“ beschäftigt sich mit Erfahrungen in der Todeszelle in einem amerikanischen Gefängnis.

Beim Jugendliteraturpreis werden außerdem neue Talente mit einem Preis bedacht, Autorinnen oder Autoren, die mit ihrem Erstlingswerk auf sich aufmerksam gemacht haben. Diesen Preis erhielt in diesem Jahr die in Hamburg lebende Rieke Patwardhan. Ihr Buch mit dem schönen Titel „Forschungsgruppe Erbsensuppe“ macht die Integration mit viel Humor zum Thema.

Abschließend wurde der Preis für das Gesamtwerk verliehen. Das Wermelskirchener Publikum äußerte sich begeistert, als Cornelia Funke der Preis zugesprochen wurde. Die Autorin hat über 70 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht (Tintenwelt-Trilogie) und bedankte sich live aus ihrem Wohnsitz in Kalifornien.

Zur Person

Die stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur ist die Autorin und Fotokünstlerin Marie-Louise Lichtenberg. Die Wermelskirchenerin reiste mit ihrer Lesegruppe in den vergangenen Jahren immer nach Frankfurt, um live bei der Preisverleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises dabei sein zu können. Das musste in diesem Jahr coronabedingt ausfallen.

Standpunkt: Literatur braucht Podien

Von Nadja Lehmann

nadja.lehmann@rga-online.de

Corona hat sehr viel zum Stillstand gebracht. Wie Leseratten, zu denen ich mich ebenfalls zähle, in den vergangenen Monaten jedoch beruhigt feststellen durften: Die Nase in ein Buch zu stecken, ist gottlob immer noch jederzeit möglich und erlaubt. Vielleicht ermutigt diese schwierige und seltsame Zeit, die uns vor so viele Unwägbarkeiten stellt, sogar mehr denn je, sich die Welt zwischen zwei Buchdeckeln zu eigen zu machen – und daraus auch Kraft zu schöpfen. Lesen bedeutet Rückzug und Konzentration auf andere Welten – und die eigene Innerlichkeit. Aber natürlich braucht Literatur auch die Öffentlichkeit, braucht die Wahrnehmung und den Diskurs. Solche Podien bieten Preisverleihungen, bieten Messen wie Leipzig und Frankfurt. Wenn es dieses Jahr schon nicht live sein kann, dann wenigstens in Gemeinschaft vor dem Bildschirm. Schön also, dass Marie-Louise Lichtenberg Wermelskirchens Buchfreunde versammelt hat, um die Preisverleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises miteinander verfolgen zu können.

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