Ausbildung

133 Lehrstellen sind noch unbesetzt

Verzeichneten in diesem Jahr ein deutliches Plus an Ausbildungsverträgen: Bäckerei-Fachverkäufer, Fahrzeuglackierer und Tischler. Symbolfotos: cb, ff, DS
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Verzeichneten in diesem Jahr ein deutliches Plus an Ausbildungsverträgen: Bäckerei-Fachverkäufer, Fahrzeuglackierer und Tischler.

Weniger Plätze, aber auch weniger Bewerber – Die Pandemie setzt dem Ausbildungsmarkt zu.

Von Leon Hohmann

Diese Daten legen die Situation des Ausbildungsmarktes deutlich dar: Sowohl die Zahl der Lehrstellen sank im Rheinisch-Bergischen Kreis im Oktober um 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ebenfalls sank die Zahl der Bewerber – um 7,5 Prozent. Damit schlagen sich die Corona-Pandemie und die demografische Entwicklung weiter auf den Ausbildungsmarkt nieder. Dennoch gibt es zumindest in einem Punkt ein klein wenig Grund für Optimismus.

In einem gemeinsamen Bericht sprechen die Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, die Industrie- und Handelskammer Köln und die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land von einem außergewöhnlichen Jahr. Bislang wurden 1080 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Dies sind 185 oder 14,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon sind noch 133 unbesetzt – 19 oder 12,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Auf Bewerberseite stehen diesen Stellen 1469 gemeldete Ausbildungssuchende gegenüber. Dies sind 119 oder 7,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch eine positive Nachricht: 200 Ausbildungssuchende gelten zum aktuellen Stand als unversorgt – dies sind drei oder 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Ein späterer Einstieg ist noch bis Ende des Jahres möglich.“
Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft

Und: „In diesem Jahr ist das Ausbildungsjahr mit dem 30. September noch nicht beendet. Aufgrund der Pandemie hat sich das Geschehen am Ausbildungsmarkt verzögert. Daher ist die Aufnahme einer Ausbildung in diesem Jahr noch bis Ende des Jahres möglich“, sagt Nicole Jordy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach. Sie wirbt daher um die Beratung der Arbeitsagentur gemeinsam mit Partnern. „Wir unterstützen Unternehmen und Jugendliche auch weiterhin zeitnah und umfassend. Kontaktieren Sie uns gerne“, sagt sie an Jugendliche und ihre Eltern gerichtet (Kontakt: siehe Kasten).

Negativ schlägt sich die geringere Zahl der Lehrstellen nicht nur auf Bewerber aus, sondern auch auf das Handwerk in der Region. Denn durch die Corona-Pandemie seien zahlreiche Initiativen ins Stocken geraten oder mussten gestrichen werden. So konnten in diesem Jahr keine Ausbildungs- und Berufsorientierungsmessen stattfinden. Durch die Schutzmaßnahmen sowie die Schulschließungen im Frühjahr hätten ebenfalls keine Berufsfelderkundungen stattgefunden.

„Diese noch nie zuvor da gewesene Situation soll für die junge Zielgruppe nicht von Nachteil sein“, betont der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, Marcus Otto. „Wir stehen mit allen Verantwortlichen im Kontakt und können daher – in diesem besonderen Jahr – im Schulterschluss mitteilen, dass, auch wenn das Ausbildungsjahr offiziell am 1. August oder am 1. September begonnen hat, ein späterer Einstieg noch bis Ende des Jahres möglich ist.“

Auch wenn der Ausbildungsmarkt kräftig durcheinandergewirbelt wurde, gibt es im Handwerk in dieser Region mittlerweile deutliche Lichtblicke. Das Defizit bei den Lehrverträgen ist erheblich geschrumpft. So hat die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land noch im August 2020 ein Defizit in den vermittelten Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr von 20 Prozent verzeichnet. Für den gesamten Zuständigkeitsbereich der Kreishandwerkerschaft – Leverkusen, Rheinisch-Bergischer Kreis und Oberbergischer Kreis – fällt die Bilanz zum Stichtag 30. September 2020 mit einem Minus von fünf Prozent deutlich positiver aus.

Die Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk, Schwerpunkt Bäckerei, leisten einen äußerst positiven Beitrag in der Statistik der Verträge. Hier haben sich die Vertragszahlen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Ähnlich erfreulich ist die Steigerung bei den Fahrzeuglackierern. Weitere Gewinner in der Statistik 2020 sind die Tischler mit einer Steigerung um knapp ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr und die Maler- und Lackierer. Weniger Ausbildungsverträge sind dagegen im Rheinisch-Bergischen Kreis in den Ausbildungsberufen Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima, Dachdecker, Elektroniker, Kraftfahrzeugmechatroniker und Metallbauer zu verzeichnen.  

Bewerber gesucht

Beratung: „Die Chancen, jetzt noch den oder die Richtige für einen Ausbildungsplatz zu finden, sind sehr gut, denn es gibt auch noch mehr Bewerberinnen und Bewerber als sonst“, heißt es von der IHK Köln. IHK, Agentur für Arbeit und Kreishandwerkerschaft bieten Beratungen und Hilfe bei der Suche für Jugendliche und ihre Eltern an.

Agentur für Arbeit:

berufsberatung.151@ arbeitsagentur.de

Kreishandwerkerschaft:

ausbildung@handwerk-direkt.de

IHK Köln: Tel. (02 21) 16 40 66 50, Tel. (01 73) 5 48 75 17 (nur Whatsapp).

ausbildungsvermittlung@ koeln.ihk.de

Standpunkt: Ausbildung ist die Zukunft

Von Leon Hohmann

Wer in diesem Jahr seine Ausbildung beginnen möchte, der hat es durch die Corona-Krise mitunter recht schwer. Die Zahl der Lehrstellen ist unter anderem durch die finanziell angeschlagene Lage vieler Betriebe im Rheinisch-Bergischen Kreis geschrumpft.

leon.hohmann@rga.de

Dieser Entwicklung steht der seit Jahren sich immer weiter verschärfende Fachkräftemangel gegenüber. Er könnte sich durch die Auswirkungen der Pandemie weiter verstärken. Daher ist es gut, dass der Ausbildungsstart bis zum Ende des Jahres möglich ist. 

Das gibt kleineren Betrieben die Chance, nach einer Erholung nach dem ersten Lockdown doch noch genügend Zeit und Geld aufbringen zu können, um einen oder mehrere Azubis auszubilden. Dennoch wird das erweiterte Zeitfenster nicht die Lösung aller Probleme sein. Zwar hat sich beispielsweise das Handwerk schon wieder leicht erholt – insgesamt bleiben die Zahlen aber deutlich unter denen des Vorjahres. Bleibt zu hoffen, dass die Maßnahmen möglichst viel von den Corona-Auswirkungen abfedern und es insbesondere in Berufen mit Fachkräftemangel bald wieder mehr Nachwuchs gibt.

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