Bürgermeister und Landrat schreiben an den Ministerpräsidenten

Lehrer hoffen auf ein Impfangebot

Lehrer sind täglich einem Infektionsrisiko ausgesetzt. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
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Lehrer sind täglich einem Infektionsrisiko ausgesetzt.

Landrat Stephan Santelmann und die Bürgermeister des Rheinisch-Bergischen Kreises setzen sich beim Land für die Impfung von Lehrern der weiterführenden Schulen ein.

Von Anja Carolina Siebel

Denn: Während die Grund- und Förderschullehrer bereits weitgehend geimpft sind, steht die Immunisierung der Kollegen an den höheren Schulen bisher aus; sie gehören in die Prioritätengruppe 3.

„Die Zuordnung der Lehrerinnen und Lehrer zur Prio-Gruppe 3 ist in den Städten und Gemeinden Gegenstand intensiver und kritischer Kontroversen“, heißt es in einem Schreiben der Bürgermeister und des Landrats an Ministerpräsident Armin Laschet. Das sei insofern nachvollziehbar, als dass alle Lehrer „einem im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung gesteigerten Infektionsrisiko ausgesetzt“ seien.

Die Städte Köln und Leverkusen haben ihren Lehrerinnen und Lehrern aktuell bereits ein Impfangebot gemacht. „Diese Vorgehensweise entspricht nicht den geltenden Vorschriften und führt verständlicherweise dazu, dass die Lehrerinnen und Lehrer der an diese beiden Städte angrenzenden Landkreise vehement und durchaus nachvollziehbar von ihren Städten und Gemeinden beziehungsweise dem dafür zuständigen Rheinisch-Bergischen Kreis ebenfalls ein unverzügliches Impfangebot fordern“, heißt es. Es bestehe vielfach ein Unterschied zwischen Großstädten wie Köln oder Leverkusen, in denen „viele Menschen das Impfangebot gar nicht in Anspruch nehmen“.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis indes würden viele ältere Menschen leben und insgesamt weniger Impfverweigerer. „Deshalb halten wir es für unabdingbar, dass das Land Nordrhein-Westfalen bei der Verteilung der Impfdosen auf die einzelnen kreisfreien Städte und Landkreise solche Unterschiede berücksichtigt und es auch den Regionen, in denen ein relativ hoher Altersdurchschnitt zu verzeichnen ist und auch kaum Impfverweigerer vorhanden sind, möglich macht, allen Lehrern ein Impfangebot zu unterbreiten.“

Elvira Persian, Schulleiterin am Gymnasium, würde es wie viele ihrer Kollegen begrüßen, wenn das Lehrerkollegium endlich geimpft werden könnte. „Wir sind ständig gewissen Risiken ausgesetzt“, sagt die Pädagogin. Und nennt ein konkretes Beispiel: „Wenn die Schüler selbst den Schnelltest machen, bei dem sie sich das Stäbchen in die Nase stecken müssen, bekommen sie häufig Niesreiz. So werden eventuell vorhandene Viren dann natürlich noch intensiver im Klassenzimmer verteilt.“ Bisher habe auf diese Weise gottlob noch kein positiver Schüler ermittelt werden können.

Auch Schüler, die Schnelltests verweigern, werden geprüft

Persian ist auch froh, dass alle Abiturienten einem Schnelltest vor ihren Prüfungen zugestimmt hätten. Pflicht ist das für die Schüler nämlich nicht. Darauf macht Thilo Mücher, Schulleiter des Bergischen Berufskollegs, aufmerksam. „Bei uns gibt es einige Schüler, die nicht bereit sind, sich einem Antigen-Schnelltest zu unterziehen. Prüfen müssen wir die aber trotzdem“, macht Thilo Mücher auf ein weiteres Risiko hin, dem sich die Lehrer praktisch täglich stellen müssen. Nachvollziehen könne er, „dass die Kollegen aus den Grundschulen etwas früher dran waren. Die kommen ihren Schülern eben häufiger noch näher“, räumt er ein. „Aber deren Impfung ist ja jetzt auch schon wieder mehrere Wochen her. Nicht einzusehen ist, warum die Lehrer der weiterführenden schulen nicht zügig danach drangekommen sind.“

„Wir machen uns große Sorgen um die politische Vermittelbarkeit der aktuellen Impfkampagne“, schließen die Bürgermeister ihr Schreiben an den Ministerpräsidenten. „Die Akzeptanz der staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist auch und gerade davon abhängig, dass solche Themen nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern nachhaltig und gerecht gelöst werden.“ | Standpunkt

Lehrer-Impfung

Lehrerinnen und Lehrer in Niedersachsen sollen sich schon bald gegen das Coronavirus impfen lassen können. Ab Mai werde auch das Lehrpersonal der weiterführenden Schulen die Möglichkeit erhalten, sich über die Impfzentren impfen zu lassen, hieß es in Hannover. Auch Brandenburg will seine Impfangebote für Lehrkräfte entsprechend ausweiten. In Nordrhein-Westfalen sind die Perspektiven bisher schlechter.

Standpunkt: Lehrer brauchen Schutz

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Die Impfungen sind insgesamt ein sehr sensibles und emotionales Thema. Die, die schon geimpft sind, können froh sein, sind aber häufig einem gewissen Unmut ausgesetzt. „Warum denn du schon?“, heißt es da mitunter. Dann gibt es jene, die gar nicht geimpft werden möchten und jene, die noch zweifeln. Über all das kann man diskutieren. Dass aber die Lehrer der weiterführenden Schulen bisher noch nicht flächendeckend immunisiert wurden, ist tatsächlich ein Unding. Sind sie doch nicht viel anders als Grundschul- oder Förderschullehrer, die zumindest ihre erste Impfung längst erhalten haben, einem täglichen Infektionsrisiko ausgesetzt. Zumindest wenn, wie derzeit immer noch vielerorts, Wechsel- oder Präsenzunterricht auf dem Stundenplan steht. Volle Klassenzimmer, Kinder und Jugendliche, die nach dem Nasenabstrich kräftig niesen, Face-to-Face-Prüfungen. All das sind Gründe dafür, die Lehrer so rasch wie möglich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Da Schreiben der Bürgermeister und des Landrats nach Düsseldorf ist also mehr als berechtigt. Lehrer müssen jetzt geschützt werden.

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