Wirtschaft

Leerstands-Management läuft sehr gut

Vor allem an der unteren Eich konnten einige Leerstände beseitigt werden.
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Vor allem an der unteren Eich konnten einige Leerstände beseitigt werden.

Bis Ende 2023 fördert das Land Neueröffnungen. Gesucht werden etwa Haushaltswaren.

Von Anja Carolina Siebel

In Wermelskirchen ist die Geschäftswelt noch belebt. Leerstände gibt es, aber sie sind seltener als in vielen anderen Städten. Das bestätigen Florian Leßke von der Stadtplanung und André Frowein vom Stadtmarketing-Verein WiW. Hauptgrund sei das gut funktionierende Leerstands-Management sein.

Der Regular Skateshop, den Florian Selbach Ende des Jahres an der unteren Eich eröffnete, ist bereits das sechste Ladenlokal, das im Rahmen des Förderprogramms „zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in NRW“ zu günstigen Konditionen angemietet wurde. Weitere sind Friseur Tillmanns und die Schlaganfallhilfe an der Eich, „Berg-Möbel“ an der Kölner Straße sowie „Dampfrevolution“ und das Geschäft „Fashion & more“ an der Telegrafenstraße.

Das Prinzip: Die Verwaltung mietet in Absprache mit dem Eigentümer das entsprechende Ladenlokal zu 80 Prozent des regulären Mietpreises an. Der Vermieter verzichtet also bewusst auf 20 Prozent des regulären Mietpreises. „Er kann dafür in Wermelskirchen aber sicher sein, dass er einen zuverlässigen Mieter bekommt“, unterstreicht André Frowein, Vorsitzender von WiW. Denn in Wermelskirchen werden die Ladenlokale, anders als in anderen Städten, nicht willkürlich angemietet, sondern erst dann, wenn der passende Mieter gefunden ist. Frowein: „Das kann ein Einzelhändler, das können aber auch Vereine oder Initiativen sein.“ Wie etwa die Schlaganfallhilfe Bergisch Land, die seit Ende 2021 mit ihrem Büro an der Eich ansässig ist und ebenfalls von dem Förderprogramm profitiert.

Die Koordination, das heißt die Kontaktherstellung zwischen Vermieter, Mieter und Stadt, übernimmt der Marketingverein WiW – Sylvia Mundstock, Andrea Hilverkus und André Frowein. Sechs Ladenlokale sind es bisher, die auf diese Weise erfolgreich angemietet werden konnten. „Bis das Förderprogramm mit Ablauf des Jahres 2023 endet, wünschen wir uns natürlich möglichst noch mehr Mieter“, sagt André Frowein. Gesucht würden derzeit besonders Händler für Haushaltswaren, Floristik und Lederwaren. „Wir achten natürlich auch auf den richtigen Branchen-Mix, damit die Innenstadt attraktiv zum Einkaufen bleibt“, unterstreicht André Frowein.

Untere Eich ist kein Sorgenkind mehr

„Die Innenstadtentwicklung ist für uns als Verwaltung ein zentrales Thema“, sagt auch Florian Leßke. Er sei mit der Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketingverein WiW „hoch zufrieden“. „Sich auszuruhen hat keinen Sinn, man muss da immer aktiv bleiben“, sagt Leßke. Negativbeispiele anderer Städte würden zeigen, dass es schnell gehen könne, auf dem absteigenden Ast zu sein, wenn sich Leerstand an Leerstand reihe. In Wermelskirchen sei das gottlob noch kein Thema. Leßke: „Besonders freut uns, dass wir die untere Eich, die lange als Stiefkind für den Einzelhandel galt, jetzt voll mit eingebunden haben.“ Nach Schließung zweier Discounter dort sei lange nicht klar gewesen, wie es an der Eich weitergehe. „Die Entwicklung hat uns letztlich wirklich gefreut.“

Ebenfalls sehr erfreulich für alle Beteiligten: Alle sechs Geschäftsinhaber wollen auch übers Ende 2023, also nach Ablauf des Förderprogramms hinaus, ihr Mietverhältnis fortsetzen. „Gespräche mit den Eigentümern dazu laufen bereits“, sagt Florian Leßke.

Und weiter: „Die Förderung soll eine Anschubfinanzierung sein, zum Beispiel für Neugründer. Gerade zu Anfang einer Selbstständigkeit haben viele ja noch viele Ausgaben und Anschaffungen zu tätigen. Aber auch später kommen viele Vermieter den Mietern mit günstigen Preisen entgegen.“

   Natürlich würden sowohl die Verwaltung als auch WiW es begrüßen, wenn es das Förderprogramm auch weiterhin geben würde. „Darauf arbeiten wir zumindest hin und halten den Kontakt zum Land“, sagt André Frowein. Denn das Konzept habe ich bewährt. Und auch jetzt gebe es noch einige gravierende Leerstände in Wermelskirchen: Die ehemaligen Apotheken Adlerapotheke und An der Post sowie die ungenutzten Ladenlokale an der Telegrafenstraße. Alle konnten aufgrund besonderer Umstände noch nicht wieder vermietet werden. Frowein: „Wir hoffen aber, dass das noch klappt.“

Kontakt

Das „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in Nordrhein-Westfalen“ wurde am 9. Juli 2020 aufgelegt. 70 Millionen Euro stehen bereit, um den Wandel im Handel aktiv zu begleiten.

Mehr Infos bei WiW, Tel. (0 21 96) 8 84 03 33, oder per E-Mail. info@wiw-marketing.de

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Weiter so

anja.siebel@rga.de

Schlendert man durch andere Innenstädte, wie etwa Remscheid oder Solingen, dann kann einem schon ganz schön bange werden. Es reiht sich zum Teil ein Leerstand an den anderen. Von Attraktivität und Einkaufserlebnis keine Spur mehr – und ein Ende dieser Tristesse ist nicht in Sicht. Die Corona-Pandemie und zuletzt die steigenden Energie- und Warenpreise aufgrund des Kriegsgeschehens in der Ukraine haben ihr Übriges dazugetan.

Die Ladeninhaber gehen aufgrund steigender Preise und ausbleibender Kundschaft in die Knie. Dass das in Wermelskirchen noch nicht so ist, ist sicher zum einen Glück. Zum anderen liegt es aber auch am Förderprogramm, an dem die Stadt erfolgreich teilnimmt. Das Konzept ist ein Gewinn – sowohl für die Stadt, denn es gibt weniger Leerstände, als aber auch für Vermieter – sie bekommen ihre Läden vermietet – und die Mieter, die das Ganze günstiger bekommen.

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