Pandemie

Lebenshilfe-Chef ist für die Impfpflicht

Axel Pulm, Geschäftsführer der Lebenshilfe Bergisches Land, spricht sich klar für die einrichtungsbezogene Impfpflicht aus. Archivfoto: Herbert Draheim
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Axel Pulm, Geschäftsführer der Lebenshilfe Bergisches Land, spricht sich klar für die einrichtungsbezogene Impfpflicht aus.
  • Anja Carolina Siebel
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Axel Pulm sieht für seine Einrichtung viele Vorteile der flächendeckenden Immunisierung.

Wermelskirchen. Er könne die Bedenken von Kollegen aus anderen Einrichtungen nachvollziehen, sagt Axel Pulm. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe bekennt sich dennoch klar dazu, die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die die Bundesregierung wie mehrfach berichtet zum 16. März einführen will, zu befürworten. „Wir sehen darin viele positive Aspekte und möchten das auch mal öffentlich kommunizieren“, unterstreicht Pulm.

Es sei schon richtig, räumt der Geschäftsführer ein, dass die Impfpflicht auch die Lebenshilfe letztlich vor große Herausforderungen stelle. So gebe es natürlich auch dort einen gewissen Prozentsatz an Mitarbeitenden, die sich bislang nicht hätten impfen lassen – und einige, die sich auch nicht impfen lassen würden. „Derzeit sind es ziemlich genau 4 Prozent der Mitarbeitenden, die künftig unter ein Beschäftigungsverbot fielen“, so Pulm. Dies mache bei 500 Mitarbeitenden 20 Personen aus.

Er sei sich auch darüber bewusst, dass ist in der derzeitigen Situation des Fachkräftemangels nicht einfach, diesen Anteil an Mitarbeitenden schlichtweg zu ersetzen. „Es stimmt auch dass eine Reihe von guten Fachkräften dadurch das Unternehmen verlassen müssten.“

Andrerseits sei gerade durch die Impfpflicht das Risiko einer Infektion im Unternehmen sehr gering, betont Axel Pulm. Schließlich betreue die Lebenshilfe im ganzen Jahr rund 1200 Klienten. Pulm: „Auch von ihnen sind die meisten geimpft. Einige können sich aber aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen, bei manchen fehlt aber auch das Verständnis für die Impfnotwendigkeit.“

Kommunikation ohne Maske war nur durch die Impfungen möglich

Die Betreuung in den Wohngruppen und der Werkstatt müsse allerdings trotzdem weitergehen. Impfung und Boosterung aller Beteiligten spielten dabei eine zentrale Rolle.

Und das hat für die Lebenshilfe vor allem inhaltliche Gründe: In vielen Teams konnte im 2. Halbjahr 2021, laut Axel Pulm, schon mit Genehmigung des Gesundheitsamtes ohne Maske gearbeitet werden. „Dies geht natürlich nur“, so Pulm weiter, „weil wir hier die sogenannte 100-Prozent-Regelung vorliegen haben, das heißt, dass alle Betroffenen auch einen vollständigen Impfschutz haben.“

Weil dies für die Menschen mit Behinderung von großer Bedeutung sei, sei die Lebenshilfe Bergisches Land davon überzeugt, diesen Kurs unbedingt fortzusetzen. Gerade für Menschen mit Beeinträchtigungen sei die Maske nicht nur eine Behinderung in Atmung und Bewegung, sie stelle auch eine zentrale Kommunikationsbarriere dar. Viele Menschen mit Beeinträchtigung seien auf nonverbale Kommunikation durch Gestik und Mimik angewiesen und die Betreuenden ebenso. Ein Vollschutz durch Impfung ermögliche hier demnach auch wieder ein besseres Verstehen.

Noch ein anderer Aspekt sei für die Lebenshilfe Bergisches Land wichtig geworden. „Zwar werden auch hier mittlerweile die digitalen Medien verstärkt eingesetzt, trotzdem ist die persönliche Begegnung der Mitarbeitenden in Teamsitzungen, Fortbildungen und Konferenzen für ein gutes Miteinander unerlässlich.

 Nur durch die hohe Impfquote und ein entsprechendes Hygienekonzept sei es möglich gewesen, während der gesamten Pandemie auch klassische Teamsitzungen und Workshops weiter durchzuführen. „Immer mit der entsprechenden Vorsicht, aber immerhin im direkten persönlichen Austausch“, erklärt der Lebenshilfe-Geschäftsführer. „Dies möchte in der Lebenshilfe Bergisches Land fast keiner der Mitarbeitenden missen.“

Pulm will offenen Umgang mit der Impfstrategie

Daher zieht Axel Pulm ein positives Fazit: „Ich kann die Bedenken meiner Kolleginnen und Kollegen aus anderen Einrichtungen gut nachvollziehen, aber letztlich können wir unter dem Strich nur sagen, dass eine offensive Strategie im Umgang mit der Impfanforderung allen hilft. Mitarbeitende, aber auch die Klienten und deren Angehörige wissen, woran sie sind.“ | Standpunkt

Hintergrund

Die Diskussion um die einrichtungsbezogenen Corona-Impfpflicht für das Personal von Krankenhäusern und Pflegeheimen, die ab Mitte März gelten soll, schlägt immer größere Wellen. Nachdem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärt hatte, dass Bayern die Impfpflicht bis auf Weiteres nicht umsetzen wolle, hatte auch CDU-Chef Friedrich Merz die Aussetzung gefordert. In anderen Bundesländern gibt es noch entsprechende Debatten. Quelle: Ärzteblatt

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Viele Aspekte der einrichtungsbezogenen Impfpflicht sind noch ungeklärt. Und das müssen sich alle Beteiligten, vor allem die Entscheidungsträger von Bund und Ländern, auch eingestehen. Es ist daher nachvollziehbar, dass direkt Betroffene, wie beispielsweise Pflegeeinrichtungen oder die Diakonie, scharfe Kritik üben und nicht bereit sind, den vorgegebenen Weg uneingeschränkt einzuschlagen. Aber auch die Argumente, die Axel Pulm von der Lebenshilfe Bergisches Land jetzt vorbringt, sind nachvollziehbar. Denn es ist eben tatsächlich so, dass gerade Menschen mit Behinderung den direkten Austausch brauchen und vielfach auf die direkte Kommunikation mit Mimik und Gestik angewiesen sind. Und das ist eben nur unter Verzicht der medizinischen Masken und dann entsprechend mit ausreichendem Impfschutz möglich. Man muss also wie immer zwei Seiten betrachten. Kommt aber zum selben Schluss: Es wird vermutlich noch viele Debatten um die (einrichtungsbezogene) Impfpflicht geben. Termingerecht durchführbar wird sie dann vermutlich allerdings nicht sein.

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