Show

Lars Reichow macht sich Sorgen um die Welt

Kabarettist trat in der Katt auf.

Von Theresa Demski

Lars Reichow macht sich Sorgen. Das verhehlt der Kabarettist nicht. Die Ampelkoalition, die personelle Besetzung an der politischen Spitze im Land, die Pandemie und die Kirche: Lars Reichow ist unzufrieden. Und auf der Bühne macht er sich Luft – wie am Freitag mit seinem Programm „ICH!“ in der Katt.

Gelegentlich schlägt er dabei einen heiteren und fröhlichen Ton an, witzelt und macht Spaß: Dann kichert das Publikum zufrieden, jubelt gelegentlich und freut sich über das Zusammentreffen von heiterer Plauderei und den großen Themen der Zeit. „Mit Merkel hat das Kabarett eine wichtige Stimme verloren“, witzelt er. Diese Lücke werde Scholz eher nicht füllen – zumal er ja fast gar nicht rede. Oder: „Es wird Zeit, mit den Namen für die Waffensysteme der Bundeswehr runterzugehen“, befindet Reichow. Statt Gepard und Leopard schlägt er „Schützenpanzer Tolpatsch“ und „Raketenwerfer Typ Eifel“ vor. „Weiter kommen die eh nicht“, sagt er und freut sich über die heitere Stimmung im Publikum.

Oder Reichow erzählt von zu Hause: Er sei der „Special Agent“, sagt er. Er entdecke die Probleme, seine Frau löse sie dann. „Teamwork“, befindet Reichow, „aber vielleicht bin ich doch ein bisschen wichtiger.“ Das Publikum johlt. Auch als er sich am Keyboard den Sprachen der Europäer auf die Spur macht und dabei nicht nur musikalische Finesse, sondern auch eine ordentliche Portion Albernheit durchblicken lässt.

Hin und wieder will er die Dinge richtigstellen

Aber hin und wieder verliert Lars Reichow seinen lustigen Unterton: Dann klingt seine Show mehr nach dem dringenden Wunsch, die Dinge richtigzustellen und sich politisch zu positionieren. Das vollführt er mal an den Tasten und mal am Mikrofon. In diesen Momenten spricht er dem einen aus der Seele und treibt dem anderen die Nackenhaare in die Höhe. Ein Beispiel: Mitten im Klimawandel werde die Aufgabe Lützeraths als Kompromiss gefeiert, sagt er. Es sei schwer zu begreifen, dass in dieser Krise überhaupt noch ein Konzert mit Kohle so viel Geld verdienen dürfe. Die einen jubeln, die anderen kratzen sich am Hinterkopf. Emmanuel Macron habe seine Mutter geheiratet, lästert er, und wieder kichern die einen fröhlich, während die anderen schnauben. Politik, Kirche, Europa: Lars Reichow sagt, was er denkt. Oder er singt es. „Arme kleine Welt, wie hältst du das nur aus? Hast du noch Geduld in diesem Irrenhaus?“, dichtet er.

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