Probleme

Landwirte sorgen sich wegen Photovoltaik-Anlagen

Der Vorsitzende der Ortsbauernschaft Wermelskirchen, Torsten Mühlinghaus, und Linda Görne, Mitglied des Vorstands, zeigten sich bei der Jahreshauptversammlung besorgt über die Nutzung von Photovoltaik-Anlagen.
+
Der Vorsitzende der Ortsbauernschaft Wermelskirchen, Torsten Mühlinghaus, und Linda Görne, Mitglied des Vorstands, zeigten sich bei der Jahreshauptversammlung besorgt über die Nutzung von Photovoltaik-Anlagen.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
    schließen

Bürgermeisterin Marion Lück war bei der Jahreshauptversammlung der Ortsbauernschaft.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Die Kreisbauernschaft ist besorgt über das Interesse von Industrie und Energieversorgern, landwirtschaftliche Flächen zu nutzen, um Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen zu errichten. Sie befürchten, weitere Flächen für ihre Landwirtschaft zu verlieren. „Es ist ein naiver Glaube, dass es möglich ist, Landwirtschaft unter diesen Photovoltaik-Anlagen zu betreiben“, stellte Peter Lautz, Kreislandwirt und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Rhein-Berg, bei der Jahreshauptversammlung der Ortsbauernschaft Wermelskirchen fest, bei der auch Bürgermeisterin Marion Lück, ihr Stellvertreter Stefan Leßenich und Henning Rehse, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, anwesend waren. „Man kann vielleicht Ziegen und Schafe weiden lassen, aber zur landwirtschaftlichen Produktion, wie unsere Betriebe es brauchen, würden diese Flächen rausfallen.“

Außerdem würden durch die Schaffung der Freiflächen-Photovoltaikanlagen weitere Flächen versiegelt. Denn um die Photovoltaik-Anlagen errichten zu können, sei ein festes Fundament nötig, das nicht einfach zurückgebaut werden könne. Diese Flächen stehen somit nicht mehr zur Verfügung, um Lebensmittel zu produzieren.

Land- und Forstwirtschaft bilden 80 Prozent der Fläche

„Die Landwirte brauchen ihre Flächen, um Hafer, Weizen, Mais oder auch Heu für die Tierfütterung anzubauen“, stellte Torsten Mühlinghaus, Vorsitzender der Ortsbauernschaft, auf der Jahreshauptversammlung klar. „Es mag vielen Menschen noch nicht bewusst sein, aber Land- und Forstwirtschaft machen 80 Prozent der Fläche in Deutschland aus. Und die benötigen wir auch, um Rohstoffe für die Nahrungsmittel zu liefern.“ 2022 wurden insgesamt 16,6 Millionen Hektar Land bundesweit von Landwirten bewirtschaftet. Davon waren 11,7 Millionen Hektar Ackerland und 4,9 Millionen Hektar Dauergrünland, so Mühlinghaus.

Das Interesse an Flächen für Photovoltaik-Anlagen sei deshalb ein großes Problem für die örtlichen Landwirte, weil hauptsächlich Flächen für die Freiflächen-Photovoltaikanlagen von den Firmen gewünscht werden, die nicht an Hanglagen liegen, sondern leicht zugänglich sind. „Das sind ausgerechnet die Flächen, die für Landwirte leichter zu bewirtschaften sind“, waren sich Torsten Mühlinghaus und Linda Görne einig. Ein weiteres Problem sei die Kostenfrage: „Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb für die jährliche Pacht einer Fläche bis zu 300 Euro zahlt und eine Firme für das Aufstellen einer Photovoltaik-Anlage 4000 Euro pro Jahr bietet, ist das ein großes Problem.“

Unterstützung erhielten die Landwirte in dieser Frage von Bürgermeisterin Marion Lück, die ankündigte, das Problem der auszuweisenden Freiflächen im Blick zu behalten. Hilfestellung versprach sie auch bei einem weiteren Thema, das der Ortsbauernschaft Sorgen bereitet.

Denn noch viel drängender ist das Thema der Neuausweisung von nitratbelasteten und eutrophierten Gebieten. Das bedeutet, dass Gebiete als „überdüngt“ ausgezeichnet werden. „Seit 30 Jahren arbeiten die Landwirte gemeinsam mit den Wasserversorgern innerhalb der Wasserkooperation zusammen. Unsere Werte sind top und zeigen keine Hinweise auf Überdüngung.

Das bedeutet, dass unsere Landwirte vor Ort einen wirklich guten Job machen“, so Mühlinghaus. Dennoch seien neuerdings ein Großteil der Flächen neben der B 51 davon betroffen. Was für die Landwirte bedeutet, dass sie die Kulturen, die auf dieser Fläche wachse, nur zu 80 Prozent ihres Bedarfes düngen dürfen. Außerdem müssen sie weitere gravierende Auflagen für diese Fläche erfüllen. Über eine schöne Nachricht konnte aber auch gesprochen werden: Im Rheinisch-Bergischen Kreis sind aktuell nämlich 700 Hektar Land als Vertragsnaturschutzflächen ausgewiesen.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Spatzenhof: Regionale Küche im ungewöhnlichen Gewand
Spatzenhof: Regionale Küche im ungewöhnlichen Gewand
Spatzenhof: Regionale Küche im ungewöhnlichen Gewand
Schon kleine Veränderungen werden ertastet
Schon kleine Veränderungen werden ertastet
Schon kleine Veränderungen werden ertastet
Dellmo heißt das Maskottchen der Stadt
Dellmo heißt das Maskottchen der Stadt
Dellmo heißt das Maskottchen der Stadt
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“

Kommentare