Milchwirtschaft

Steigende Energiepreise bereiten Landwirt Sorgen

Milchwirtschaft wird für die Bauern immer schwieriger.
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Milchwirtschaft wird für die Bauern immer schwieriger.

Ortsbauer Torsten Mühlinghaus will mit der Zeit gehen.

Von Anja Carolina Siebel

Torsten Mühlinghaus schickt eines im Gespräch bei Kaffee und Kuhmilch voraus: „Den Job, den würde ich immer wieder machen. Im Einklang mit der Natur arbeiten, mit Tieren und Pflanzen, das ist einfach mein Ding.“ Aber der Ortslandwirt bekommt auch die erschwerten Bedingungen zu spüren, unter denen er und seine Kollegen derzeit arbeiten und wirtschaften müssen.

Ortsbauer Torsten Mühlinghaus.  

„Natürlich treiben auch uns die steigenden Energiekosten um“, sagt der Landwirt mit Hof in Mittelrautenbach bei Dhünn. Seine Landwirtschaftsfahrzeuge benötigen Diesel und seine Stallungen Strom. „Wir haben schon lange eine Photovoltaikanlage auf dem Dach“, räumt Mühlinghaus ein. Die liefert der Familie und dem Betrieb 34 000 Kilowatt Energie im Jahr.

Allerdings nicht dauerhaft: „Von November bis Februar ist das zu wenig. Und zu den Zeiten, wenn wir im Stall arbeiten, also ab 4.30 Uhr, reicht es auch nicht aus. Wir müssen unsere Arbeitsprozesse entsprechend anpassen und an Stellen, wo es möglich ist, Energie einsparen.“

Sparen, das müssen viele dieser Tage. Und das treffe auch die Landwirte aus der Region. „Für regionale Produkte möchten oder können sie sich anzupassen, das sei ohnehin derzeit notwendig. „Das ist uns Landwirten aber ohnehin in die Wiege gelegt. Wir passen uns ja von jeher den Gegebenheiten der Natur an. Und das ist auch, denke ich, noch das geringste Problem.“

Anpassung erfordere auch der Klimawandel. „Früher haben wir die Kühe spätestens Mitte November eingeholt, weil es dann zu kalt wurde und begonnen hat, zu schneien“, erinnert sich der Ortsbauer. „Heute sind die Jungtiere noch bis Ende November oder Anfang Dezember auf den Weiden. Dafür haben wir im Juni und Juli Probleme mit verdorrtem Gras. Wir müssen also fast überlegen, ob wir sie nicht im Hochsommer reinholen.“ Aber auch der Anbau angepasster Pflanzen und alternative Futtermittel seien Möglichkeiten der Anpassung. „Der Klimawandel bereitet uns zwar Sorge, aber wir können damit arbeiten“, resümiert Mühlinghaus.

„Es ist auch so, dass sich viele mit unserer Arbeit gar nicht auskennen, aber trotzdem urteilen.“

Torsten Mühlinghaus, Ortsbauer

Das Image der Landwirte habe in den vergangenen Jahren gelitten. „Es ist auch einfach so, dass viele sich nicht auskennen mit unserer Arbeit, aber trotzdem urteilen“, sagt der Ortsbauer. „Das wir möglichst klimaneutral auf den seriösen Höfen arbeiten, dass wir seit Jahrhunderten natürlichen Kreisläufen folgen, dass wir im Einklang mit der Natur arbeiten, das wollen ja viele gar nicht hören.“ Fleisch zu verzehren, das bedeute ja nicht, täglich Mengen zu essen. „Und es muss ja auch nicht das argentinische Steak sein. Warum denn nicht gutes Fleisch aus der Region?“

Unentbehrlich seien die Landwirte etwa bei der Landschaftspflege. Mühlinghaus: „Ohne Landwirtschaft würde in einigen Jahren nur Wald wachsen. Das würde recht schnell gehen.“ Lichte Landschaftstypen wie Wiesen und Weiden, Heiden und Äcker seien durch landwirtschaftliche Pflege entstanden. Und wo Kräuter, Gräser und Sträucher wuchsen, siedelten sich auch neue Tierarten an.

„Weniger Fleisch essen oder Milch trinken, das ist im Trend“, sagt Mühlinghaus. „Weniger im Trend ist aber, sich etwas von seinem Luxusleben abzuknapsen. Weniger zu fliegen beispielsweise, oder mal aufs Auto zu verzichten. Würden wir zu einigen Standards der 70er und 80er Jahre zurückkehren, würden wir schon viel bewegen.“ Landwirte, sagt der Wermelskirchener, würden das Vertrauen jetzt brauchen. „Je weniger regionale Produkte wir noch verkaufen können, desto mehr Höfe werden sterben.“ Es sei jetzt schon so, dass viele Kollegen aufgegeben oder umstrukturiert hätten. „Sie haben beispielsweise aus Pferdehaltung umgesattelt und Nutztierhaltung wie Milchwirtschaft völlig aufgegeben.

    Ob seine Tochter den Hof eines Tages übernehme, sei aufgrund der erschwerten Bedingungen fraglich, sagt Mühlinghaus. Gleichwohl sie Agrarwissenschaften studiert und eine entsprechende Ausbildung genossen habe.                               

Lichterfahrt

Um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen und gleichzeitig die Menschen in festliche Stimmung zu bringen, formieren sich rund 40 Landwirte aus der nächsten Umgebung am Samstag, 3. Dezember, zur Lichterfahrt durch die Stadt und die Dörfer. Gegen 17.30 Uhr passieren sie die Innenstadt.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Werbung für die Region

anja.siebel@rga.de

Wer schon mal beim Ortsbauern zu Besuch war, der wird vielleicht ebenso wie die Autorin dieser Zeilen ins Schwärmen geraten. Von der traumhaften Aussicht über die Felder, der leckeren Kuhmilch und der Bauernhof-Atmosphäre eben. Aber das Image der Landwirte hat mit den Jahren gelitten. Nutztierhaltung ist nicht mehr im Trend. Es gebe zu viele Kühe, die zu viel Kohlendioxid verbreiten, heißt es vielfach. Und ohnehin sei das Milchgeben für die Kühe eine Qual.

Argumente, die für den einen nachvollziehbar, für die andere völlig abwegig sind. Es lohnt sich deshalb besonders, den Landwirten einmal zuzuhören. Wie Torsten Mühlinghaus, dessen Hof seit 190 Jahren im Familienbesitz ist, bringen sie eine Menge Erfahrung über Tiere, Pflanzen und die Natur mit. Zumindest sicher eine Menge mehr als der Hafermilch trinkende Städter, der die Bauern kritisiert. Landwirtschaft ist mehr, als man denkt. Vor allem aber Werbung für die Region.

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