Bürgerzentrum

Land genehmigt Impf-Schwerpunktpraxis

Schon bald soll im Bürgerzentrum geimpft werden können. Foto: Roland Keusch
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Schon bald soll im Bürgerzentrum geimpft werden können.

Impfungen können ab dem 1. April auch in Wermelskirchen stattfinden.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Gute Nachrichten am späten Montagnachmittag aus Düsseldorf. Das Land NRW erweitert kurzfristig sein Impfangebot. Für Wermelskirchen bedeutet das vor allem, dass die von Politik und Verwaltung lang erkämpfte Schwerpunktpraxis im Bürgerzentrum an den Start gehen könnte und die Wermelskirchener nicht mehr zum Impfen nach Bergisch Gladbach müssten. „Es gibt allerdings noch einige bürokratische Hürden“, stellt Bürgermeisterin Marion Lück klar.

Denn laut druckfrischem Erlass bestünde beispielsweise auch die Möglichkeit, dass das Impfzentrum in Bergisch Gladbach größer gefahren würde. „Das halte ich aber gerade für die Bürger im Nordkreis für nicht zumutbar“, unterstreicht Marion Lück.

Und danach sieht es auch derzeit nicht aus. Denn auch der Kreis sendet erste Signale, wonach eine Schwerpunktpraxis nach Wermelskirchen kommen könnte. „Landrat Stephan Santelmann freut sich sehr, dass das Land nun doch eingewilligt hat und wir auch für den Nordkreis Schwerpunktpraxen installieren können“, sagt Krisenstabssprecherin Birgit Bär. Laut Regierungserlass vom Montag sind maximal fünf Schwerpunktpraxen pro Kreis und kreisfreier Stadt genehmigt. Ab dem 1. April „müssen 8000 Impfungen im Monat pro 70 000 Einwohner ermöglicht werden“, heißt es.

Erzieher und Lehrer sollen vor Ort geimpft werden

Ab dem 8. März sollen zudem weitere Berufs- und Bevölkerungsgruppen die Chance auf eine Impfung gegen Sars-Cov-2 bekommen, unter anderem Erzieher und Grundschullehrer. Dazu werden den Kreisen und kreisfreien Städten für die zehnte Kalenderwoche ein Impfstoffkontingent von insgesamt 110 000 Dosen des Impfstoffs der Firma AstraZeneca zur Verfügung gestellt, das entsprechend des Anteils an der jeweiligen Gesamtbevölkerung auf die Kreise und kreisfreien Städte verteilt werde.

„In Wermelskirchen werden wir uns dafür einsetzen, dass die Lehrer und Erzieher von mobilen Impfteams geimpft werden, also vor Ort in der jeweiligen Einrichtung oder Schule“, sagt Marion Lück. „Das erleichtert den Prozess für alle Beteiligten enorm.“

Dr. Hans-Christian Meyer, leitender Impfarzt im Nordbezirk des Rheinisch-Bergischen Kreises, freut sich zwar auch über die dezentralere Lösung, wäre aber noch glücklicher, wenn das Impfen künftig generell in den Hausarztpraxen möglich wäre.

Mediziner möchte mittelfristig in den Praxen impfen

„Wir könnten schon viel weiter sein mit dem Schutz der Bevölkerung vor dem Virus, wenn nicht diese ganzen bürokratischen Hürden wären“, sagt er. Wie mächtig gerade diese Hürden manchmal sind, hat Meyer hautnah erlebt. Vergangene Woche zum Beispiel, als er die komplette Belegschaft der Lebenshilfe impfen wollte; 500 behinderte und nicht behinderte Mitarbeiter.

„Wir im Nordkreis hatten die Impfungen für die Priorisierungsgruppe 1 vorige Woche schon abgeschlossen. Also ist es doch völlig unverständlich, dass wir nicht mit der zweiten Gruppe anfangen konnten.“ Die Landesregierung sah das indes anders – und verschob die Impfung bei der Lebenshilfe. Nun gibt es indes auch für die Lebenshilfe gute Nachrichten: Schon ab dem 8. März können auch deren Mitarbeiter endlich geimpft werden.

Dr. Hans-Christian Meyer betont, dass es auch weiterhin sein vordergründiges Ziel sei, dass die Impfungen in den Wermelskirchener Hausarztpraxen durchgeführt würden – für jedermann. „Weil bisher aber noch nicht genug Impfstoff vorhanden ist, um das flächendeckend zu machen, wollen wir es erst einmal mit einem Modellprojekt für Wermelskirchen versuchen“, sagt der Hausarzt. Kooperationspartner hat er mit Vertretern aus Politik und Verwaltung für die Umsetzung dieser Idee einige.

„Ich verstehe nicht, warum das in Nordrhein-Westfalen alles so schleppend vorangeht“, sagt Meyer. Und weist darauf hin, dass es in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland solche Modellversuche mit Hausarztpraxen schon gebe. Heißt: Dort können sich Menschen unter 65 Jahren in den Praxen mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen. Ziel ist es, insbesondere die Logistik und Lagerung sowie die Abläufe einmal durchzuspielen. „Der längerfristige Schritt wäre dann, auch flächendeckend in den Praxen zu impfen. Das ist ja im Prinzip unser Ziel.“

Hintergrund

Seit Wochen setzen sich Stadtverwaltung, Politiker, der Kreis und einige Impfärzte dafür ein, dass auch im Nordkreis geimpft werden kann, das heißt, dass vor allem die immobilen Senioren nicht mehr nach Bergisch Gladbach fahren müssen. Sie hatten sich dazu mehrfach schriftlich an das Gesundheitsministerium des Landes gewandt.

Standpunkt

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga-online.de

Morgens ärgerte man sich in den sozialen Netzwerken und am Lesertelefon des WGA noch darüber, dass es mit dem Impfen in Nordrhein-Westfalen so schleppend vorangeht, am Nachmittag gab es dann schon neue Nachrichten. Und zwar gute. Denn, dass die Impfkapazitäten jetzt erweitert werden, ist definitiv eine gute Nachricht. Nicht nur Lehrer und Erzieher, sondern auch Menschen mit schweren Erkrankungen warten dringend darauf. Eine weitere gute Nachricht ist, dass nun auch in Wermelskirchen und an weiteren Stellen im Kreis geimpft werden könnte. In so genannten dezentralen Schwerpunktpraxen. Sollte eine solche im Bürgerzentrum entstehen, könnte sie auch in fernerer Zukunft, wenn dann auch die Hausärzte zum Impfen gegen das Virus befugt sein werden, als Lagerstelle für die Impfstoffe dienen, zum Beispiel auch mit einem großen Kühlschrank bestückt werden. Denn Impfarzt Dr. Hans-Christian Meyer hat völlig recht: Langfristig muss das Ziel sein, in den Hausarztpraxen zu impfen. Und zwar jeden, der das möchte. Nur so wird eine breite Immunisierung eines Tages möglich sein.

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