Wermelskirchen

Laienspiel beschert Zuschauern heitere Zeit

„Nichts als Kuddelmuddel“ ist ein Spiel im Spiel, jeder Akteur hat mehrere Rollen.
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„Nichts als Kuddelmuddel“ ist ein Spiel im Spiel, jeder Akteur hat mehrere Rollen.

Im ausverkauften Gemeindehaus Hünger gab es „Nichts als Kuddelmuddel“

Von Theresa Demski

Als das Licht ausgeht, wird es mit einem Schlag leise im Publikum. Zuvor hatten die Zuschauer ihr Wiedersehen gefeiert, waren ins Plaudern gekommen und hatten sich über die Reihen hinweg „viel Spaß“ gewünscht. Um Punkt halb acht verschieben die Besucher alle weiteren Gespräche dann aber auf die Pause. Der Vorhang ist noch geschlossen, im Saal im Gemeindehaus Hünger ist es richtig voll geworden. Ausverkauftes Haus. Und die Spannung ist greifbar. Eine Melodie und die Stimme von Katja Ebstein unterbrechen die Stille: „Theater, Theater, der Vorhang geht auf. Dann wird die Bühne zur Welt. Theater, Theater, das ist wie ein Rausch. Und nur der Augenblick zählt.“

Das Scheinwerferlicht geht an, der Vorhang hebt sich, das Spektakel unter Leitung von Uta Lenz beginnt. Zuerst sorgt der Auftritt der vielen aus dem Alltag bekannten Gesichter für Heiterkeit im Publikum: Doris Mahlkow-Fahrner wirbelt in der Hauptrolle über die Bühne, zickt, flirtet und schlüpft in grelle Fummel. Thomas Esters begeistert mit verrutschtem Schnurrbart, Blaumann und großer Kunst beim Leiterabstieg. Birgit Fox kommt in ihren Rollen so blasiert daher, dass das Publikum jubelt. Ute Esters schlüpft gut gelaunt in die Rolle des schlichten Trudchens, das mit Lockenwicklern im Haar über die Bühne tänzelt. Cedrik Platt trägt Hausmeisterkittel und Harmlosigkeit im Blick und lässt ständig die Requisiten verschwinden. Jenny Fox verbringt die erste Halbzeit als Souffleuse Lilly in der Unsichtbarkeit, bevor sie unter den Tisch wechselt.

Und heimlicher Star des Abends ist Wilfried Frowein, der in seiner Rolle über die Bühne schlurft, den Text vergisst, am Flachmann schlürft und seine Socken gegen lilafarbene Puschelhausschuhe tauscht. Es ist ein buntes Panoptikum kurioser Gestalten, das für große Heiterkeit im Publikum sorgt.

Und dort hatte man nichts anderes erwartet: Seit 50 Jahren bringt das Laienspiel Hünger Theater auf die Bühne – inzwischen vor allem Komödien, weil die beim Publikum besser ankommen als ernste Stücke. Und so ist auch zum goldenen Jubiläum der Gruppe die Wahl auf etwas Heiteres gefallen: „Nichts als Kuddelmuddel“ steht gleich sechs Mal im November auf dem Spielplan – Premiere feierte das Stück am Freitagabend.

Die Geschichte ist nicht einfach zu erzählen: Im Grunde ist es ein Stück im Stück, das die Darsteller auf die Bühne bringen. Sie erzählen die Geschichte eines Laienspieltheaters, das sich in der Generalprobe befindet. Jeder Darsteller schlüpft also in zwei Rollen: Während Doris Mahlkow-Fahrner die meiste Zeit die Wahrsagerin Kassandra spielt, wird sie bei jeder Unterbrechung der Generalprobe zu Jojo – die sich mit dem Regisseur vergnügt, Zickenkriege führt und sich über Freds ständigen Textausfall beschwert. Kein leichtes Pflaster. Thomas Esters schlüpft gleichzeitig in die Rolle eines Fensterputzers, der die meiste Zeit des Abends hinter einer Scheibe auf der aufwendig gestalteten Bühne steht und putzt – nur, wenn die Generalprobe mal wieder ins Stocken gerät, ist er der Regisseur und befindet sich gleich in mehreren amourösen  Zwickmühlen.

Das Publikum geht mit und spendet Szenenapplaus

Das Publikum geht mit, spendet Szenenapplaus und kichert über Witze wie den hier: „Haben wir uns nicht schon mal irgendwo gesehen?“ „Nicht, dass ich wüsste“. „Warst du nicht schon mal in Rimini?“ „Noch nie.“ „Ah, dann kennen wir uns daher. Ich war auch noch nie da.“

„Laienspiel in Hünger ist ein bisschen wie Kirmes“, sagt eine Dame, „es ist ein großes Wiedersehen.“ Sie komme eigentlich jedes Jahr, denn die Darsteller würden einen lustigen Abend garantieren. „Vor allem, weil wir viele von ihnen kennen“, stellt ihre Begleiterin fröhlich fest. Und dann verweilen sie noch in heiterer Runde und lassen den Theaterabend nachwirken.

Das Stück „Nichts als Kuddelmuddel“ zeigt die Gruppe auch am kommenden Wochenende – am Freitag und Samstag jeweils um 19.30 Uhr, am Sonntag um 17 Uhr. Restkarten gibt es für zehn (fünf) Euro bei Betten Frowein (Grüne Straße).
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