Ausstellungen

Kunstverein will digitaler werden

Brigitte Keller stellt zurzeit in der Galerie Markt 9 aus. Rost ist das, womit sie experimentiert. Foto: Alexandra Dulinski
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Brigitte Keller stellt zurzeit in der Galerie Markt 9 aus. Rost ist das, womit sie experimentiert.

Pandemie hat die Kreativität nicht gebremst.

Von Alexandra Dulinski

Wermelskirchen. Eindrucksvoll wirken die Werke von acht Künstlern in der Galerie Markt 9 auf den Betrachter – sind sie doch grundverschieden in Stil und Farbe. Mit der Ausstellung „Markt 9 Privat“ hat sich der Kunstverein Wermelskirchen aus der Pandemie zurückgemeldet. Der ideale Zeitpunkt also für Geschäftsführer Michael Dangel, ein Fazit zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

„Für uns Künstler war die Pandemie gar nicht so bremsend“, berichtet er. Viele Künstler hätten die Zeit genutzt, Projekte anzugehen, für die sonst die Zeit fehlte. „Die Kreativität war nicht gebremst. Wir wussten aus dem Stand, was wir schon immer mal machen wollten“, erklärt er. Er selbst habe Holzschnitte für Ausstellungen in der Schweiz, Japan und Spanien angefertigt. „Das war für uns keine schöne Situation, aber wir konnten im Negativen etwas Positives finden“, sagt Dangel.

„Die Kreativität war nicht gebremst.“

Michael Dangel, Kunstverein

Mit der Ausstellung „Markt 9 Privat“ macht der Verein Ausstellungen wieder möglich. „Wir hatten das Gefühl, dass wir den Markt wieder aufmachen müssen“, sagt Dangel. Acht Wochen lang stellen acht Künstlerinnen und Künstler in der Galerie ihre Werke aus – als Gemeinschaftsprojekt. Gestartet ist die Ausstellung bereits im August. Jede Woche stellt zudem einer der Künstler weitere Werke aus und führt Besucher nach vorheriger Anmeldung durch die Galerie.

„Wir haben von den Künstlern sehr gutes Feedback bekommen“, zieht Michael Dangel Bilanz. Die Künstler können die Besucher direkt betreuen, Gespräche führen und Fragen beantworten. „Das ist ein ganz anderes Feeling. Bei einer Vernissage ist dazu keine Gelegenheit.“, sagt Dangel.

Noch bis Sonntag, 10. Oktober, stellt Brigitte Keller ihre Werke aus – und überrascht mit einem besonderen Detail: Rost. Sie bringt Eisenpulver auf eine mit Tapetenkleister vorbereitete Fläche auf. Mit Oxidationsmitteln wie Zitronensäure oder Essigessenz werden die Eisenpartikel besprüht – und rosten. „Das ist richtiger Rost, hier auf der Oberfläche produziert“, sagt sie.

Ihre Werke umfassen 20 Jahre ihrer Arbeit – die ersten Versuche mit Eisenpulver, die noch willkürlich sind und keiner Form folgen. Nach und nach hat sich Brigitte Keller an das Bilden von Formen herangetastet, Seidenpapier für Farbeffekte hinzugenommen oder auf Spachtelmasse gearbeitet. Ein mit Rost bearbeitetes Dattelpalmenblatt erzeugt auf der Leinwand einen 3D-Effekt. Ein Bild erinnert an ein Kirchenfenster. Die Aufwerfungen des Seidenpapiers, mit Rost versehen, fasst die farbigen Flächen wie bei einem Kirchenfenster ein. „Man sieht die Entwicklung“, beschreibt Brigitte Keller ihre Werke.

Die Ausstellung „Markt 9 Privat“ können Interessierte bis zum 16. Oktober besuchen. In der kommenden Woche stellt Frank Weber seine Kunst aus. Private Besuchstermine für bis zu fünf Personen gleichzeitig sind montags bis sonntags von 17 bis 21 Uhr möglich, Anmeldung per Mail: anna@markt9.net.

„Das ist durchaus ein Konzept, das wir wiederholen würden“, sagt Dangel. Beispielsweise ein bis zwei Mal im Jahr mit anderen Künstler des Vereins. Bereits 2019 war eine Neuorientierung des Vereins geplant, um neue Mitglieder zu gewinnen. Die Pläne, die coronabedingt auf Eis lagen, können nun wieder angegangen werden. Im Gespräch sind verschiedene Workshop-Angebote. So soll im November bereits ein Workshop zum Thema Radierungen auf Tetrapack-Packungen stattfinden.

Und: Der Verein will digitaler werden. Denn mit Beamer, Monitoren und Tablets stehen den Künstlern ganz neue Bereiche offen, wie Videoinstallationen oder Klangkunst. Auch könnten Photoshop-Workshops stattfinden und Lehrgänge an Grafiktabletts. „Da ist auch Interesse bei jungen Menschen vorhanden“, weiß Dangel. Das Land NRW bietet mit einer einer Projektausschreibung eine Förderung an. Im nächsten Jahr könne sich der Kunstverein für den Zuschuss bewerben, schätzt Dangel. Bereits jetzt gibt es einen Youtube-Kanal des Kunstvereins, der zwar noch in den Kinderschuhen stecke, aber ausgeweitet werden soll.

Bis dahin fährt der Verein auf Sicht. „Wir haben Ideen, die wir schnell umsetzen können“, erklärt der Geschäftsführer. Was möglich sein wird, hängt von der Pandemie ab. Im Dezember könne so auch kurzfristig die Ausstellung „20-20-20“ wieder ins Leben gerufen werden – Werke im Format 20 mal 20, die für den guten Zweck verkauft werden.

Veranstaltungen

Veranstaltungen

20 Mitglieder stellen ihre Werke in der Jahresausstellung „Kunst in der Galvanik“ des Kunstvereins auf dem Rhombus-Gelände aus.

Das „à la Carte“-Wochenende wird damit ganz im Zeichen der bildenden Kunst stehen. Die Vernissage ist am Freitag, 29. Oktober, 18.30 bis 20 Uhr, die Ausstellung Samstag, 30. Oktober, 13 bis 18 Uhr und Sonntag, 31. Oktober, 11 bis 16 Uhr.

Standpunkt

alexandra.dulinski@rga.de

Kommentar von Alexandra Dulinski

Ist es richtig, dass die Maske in der Schule fällt? Vielleicht. Wir müssen Schritt für Schritt in die Normalität zurückkehren. Dass irgendwo ein Anfang gemacht werden muss, ist klar. Zumal es verständlich ist, dass die Schüler wieder frei atmen wollen. Über Stunden Maske zu tragen, strengt an. Leider wird oft mit zweierlei Maß gemessen. Wieso brauche ich eine Maske im Supermarkt, aber nicht auf meinem Platz bei einer Kulturveranstaltung, obwohl ich mit den anderen Zuschauern viel länger zusammen in einem Raum bin? Klar, hier gilt 3G, und das ist auch gut so. Im Supermarkt besteht diese Pflicht nicht. Aber in der Schule wird seit Monaten mehrfach die Woche getestet, viele Schüler sind auch schon geimpft. Wo liegt also der Unterschied zu Theater, Kino und Co.? Andererseits sollten wir dennoch Vorsicht walten lassen. Denn noch ist die Pandemie nicht komplett besiegt. Und Masken tragen ist das geringste Übel, wenn es doch so viel anderes wieder möglich macht.

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