Theater und Co.

Kulturverein will sein Jubiläum feiern

Gilla Cremer lieferte im „Film-Eck“ schon mehrfach Topleistungen in Ein-Personen-Stücken ab. Archivfoto: Michael Sieber
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Gilla Cremer lieferte im „Film-Eck“ schon mehrfach Topleistungen in Ein-Personen-Stücken ab.
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Vor 50 Jahren hob sich zum ersten Mal der Vorhang für eine Theateraufführung in Wermelskirchen.

Von Markus Schumacher

Wermelskirchen. Vor 50 Jahren hob sich in Wermelskirchen zum ersten Mal der Vorhang für eine Theateraufführung. Am 27. März 1971 wurde in der damals noch nagelneuen Aula der Realschule „Das Geld liegt auf der Bank“ mit Liane Hielscher und Rudolf Platte aufgeführt. In diesem Jahr würde der Kulturverein Wermelskirchen daher gerne das Jubiläum feiern – aber das könnte Corona verhindern.

„Ich plane weiter“, sagt Peter Scheben. Der Vorsitzende des Kulturvereins möchte am 13. April in die Jubiläumssaison starten. Und selbst wenn dann immer noch die Pandemie alles verhindert, werde er niemandem absagen – sondern nur verschieben. „Unter den Künstlern herrscht mittlerweile echte Not. Die Einnahmen sind seit Monaten gleich null“, weiß Scheben. Daher habe er in Absprache mit dem restlichen Vorstand auch einem notleidenden Künstler bereits eine Vorauszahlung für dessen geplanten Auftritt geleistet. „Für den Kulturverein ein Nullsummenspiel, jedoch für die Künstler eine große Hilfe“, erklärt der Vorsitzende. Einnahmen generiert der Verein aus Eintrittsgeldern, Mitgliedsbeiträgen sowie Spenden der BEW und Stadtsparkasse. Auch Ex-Bürgermeister Rainer Bleek habe mal etwas beitragen wollen, „dazu ist es aber leider nie gekommen“, sagt Scheben. Bürgermeisterin Marion Lück wolle jedoch das Kulturleben in Wermelskirchen unterstützen, sobald es die Kassenlage zulasse.

Peter Scheben ist Vorsitzender des Kulturvereins.

Immerhin war es auch die Stadt, die hier zuerst für Theater gesorgt hatte. Seit 1970 gab es ein regelmäßiges Theaterangebot – zuerst im „Parktheater“ (später Norma) –, das von der 1946 gegründeten Kulturgemeinde unter städtischer Obhut auf die Beine gestellt wurde. Alfred Vogel, der 1966 das Amt des städtischen Kulturbeauftragten von Fritz Kufuß übernommen hatte, brachte es auf den Weg. Mit der damals gerade fertiggestellten Realschule stand eine Aula und somit ein geeigneter Spielort zur Verfügung. Es kam reichlich Prominenz in die Realschule: Götz George, Joachim Fuchsberger, Susanne Uhlen, Anita Kupsch und Hannes Jaenicke. Oft kamen die Schauspieler anschließend noch zum „Stammtisch“ ins Hotel „Zur Eich“. Dem Theaterleben unter städtischer Regie drohte Anfang der 90er Jahre der Garaus, erinnert sich Friedhelm Becker. Der damalige Stadtkämmerer Eduard Otter habe 1993 signalisiert, dass die Haushaltslage dem Theatergeschehen auf der Wermelskirchener Bühne bald ein Ende oder rigorose Einschnitte bescheren würde.

Doch er verwies auch auf die Nachbarstadt Radevormwald, wo ein Kulturverein das Theatergeschehen abwickelte und somit auch Spendengelder nutzen konnte. Am 19. April 1994 erfolgte nach diesem Vorbild die Gründung des Kulturvereins Wermelskirchen, die von Dr. Dietrich Fricke (Tente-Rollen) und Jürgen Vogel, Sohn des früheren Kulturbeauftragten, gefördert wurde. Friedhelm Becker wurde zum Vorsitzenden gewählt.

„Das hatte für mich immer den Anschein von einer geschlossenen Gesellschaft.“
Peter Scheben, Vorsitzender

Anfang 2014 stand es wieder schlecht um das Theater in Wermelskirchen: Die Aula der Realschule stand wegen einer PCB-Verseuchung nicht mehr zur Verfügung, gleichzeitig musste die Stadt weitere Einsparungen vornehmen. Der Kulturverein stand vor dem Aus. In einer Mitgliederversammlung im Juni 2014 übernahm ein neuer Vorstand. Klaus Schiffler stand mit seinem „Film-Eck“ zur Verfügung, wo es aber nur eine kleine Bühne gibt. Für Peter Scheben war das sogar ein Glücksfall. „In die Aula kamen doch oft nur noch ehemalige Größen der Vergangenheit. Hier im Film-Eck buchen wir meist junge Künstler, oft in Ein- oder Zwei-Personen-Stücken, die den Schauspielern und Schauspielerinnen wirklich alles abverlangen.“ Auf der kleinen Bühne sei immer eine Topleistung nötig. „Und wenn die Zuschauer dann bei uns die großartigen Leistungen von (noch) unbekannten Schauspielern wie Gilla Cremer, Heike Feist, Hajo Mans oder die Truppe um Stephan Masur erleben, dann geht ihnen das Herz auf“, schwärmt Scheben.

Die Theateraufführungen für Erwachsene sind durchschnittlich zu 75 bis 80 Prozent ausgelastet. Abonnements werden seit 2014 nicht mehr verkauft. „Das hatte für mich immer den Anschein von einer geschlossenen Gesellschaft“, begründet Scheben. Seit 2015 gibt der Kulturverein auch Vorstellungen für Kinder aus Kindergärten, Kindertagesstätten und Grundschulen: Der Kulturverein bucht Künstler, die mit ihren Theateraufführungen in den Rathaussaal kommen und ein abwechslungsreiches Kindertheater-Programm mitbringen. Dabei jubelten zum Beispiel schon mehr als 240 junge Wermelskirchener ihrem Idol Volker Rosin zu. 

Hintergrund

Mitglieder: Der Kulturverein Wermelskirchen hat 42 Mitglieder. „Das dürfen gerne wieder ein paar mehr werden“, wirbt Vorsitzender Peter Scheben. Der Jahresbeitrag liegt bei 14 Euro.

Parken: Scheben sorgt sich wegen wegfallender Parkplätze während der Bebauung des Loches-Platzes: „Aber unsere Zuschauer sind uns treu und finden bestimmt ihren Weg in Filmeck.“

Infos: Tel. (0 21 93) 26 94.

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Standpunkt

markus.schumacher@rga-online.de

Ein Kommentar von Markus Schumacher

Seit 50 Jahren gibt es Theater in Wermelskirchen. Ein Jubiläum, welches der Kulturverein groß feiern möchte – wenn es denn Corona zulässt. Eines hat sich im vergangenen halben Jahrhundert herauskristallisiert: Beim Wermelskirchener Publikum kommen musikalische Stücke auf der Theaterbühne immer am besten an: Dann ist es im Film-Eck rappelvoll. Da können sie sich schon auf den 13. April freuen: Denn dann soll Kai Bettermann im Film-Eck „Being Freddie Mercury“ spielen. Ernste Stücke sind hier dagegen nicht so angesagt. Aber er habe sie trotzdem auch immer wieder mal dabei, erklärt Peter Scheben. Denn manches rege zum Nachdenken an – und das sei ja wohl immer gut. Spannend dürfte es am 6. Mai werden: Dann soll „Der Anruf“ vom Niederrhein Theater aufgeführt werden. Scheben selbst sagt, er habe ein einfaches Lieblingsrezept: Er liebe besonders die Stücke, bei denen das Film-Eck richtig voll ist und die Zuschauer mit einem Lächeln das Theater verlassen. Das dürften sie am 24. Juni machen, wenn sie „Kösling geht auf’s Ganze“ von und mit Marcel Kösling gesehen haben.

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