Pandemie

Kulturschaffende denken über 2G nach

Bei Michael Dierks im Haus Eifgen gilt seit gestern die 2-G-Regel. Archivfoto: Roland Keusch
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Bei Michael Dierks im Haus Eifgen gilt seit Montag die 2-G-Regel.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Das Haus Eifgen hat sich bereits entschieden

Wermelskirchen. Michael Dierks sitzt beim Anruf gerade in einer Internet-Konferenz mit Live-Club-Betreibern aus ganz Deutschland. Das Thema dieser Konferenz ist bundesweit hochaktuell: Die stetig steigenden Corona-Fallzahlen bereiten den Betreibern zunehmend Sorge. „Viele haben sich deshalb schon entschieden, beim Einlass zu Veranstaltungen auf die 2-G-Regel zu setzen, lassen also nur noch geimpfte und genesene Personen zu.“

Wie berichtet, gilt ab sofort auch in Haus Eifgen bei Veranstaltungen die so genannte 2-G-Regel. Lange hätte man im Vorstand darüber nachgedacht, es dann aber vor dem Hintergrund der immer weiter steigenden Fallzahlen so entschieden.

„99 Prozent unserer Gäste sind ohnehin geimpft oder genesen.“

Michael Dierks, Vorsitzender Kulturinitiative

Michael Dierks begründet die Entscheidung vor allem damit, dass er Ungeimpfte schützen möchte: „Menschen ohne einen ausreichenden Antikörper-Schutz können durch Geimpfte oder Genesene weiterhin infiziert werden, mit der Gefahr eines schweren bis tödlichen Krankheitsverlaufs“, heißt es in seinem öffentlichen Statement. Und weiter: „Die Infektion erfolgt mittlerweile durch Geimpfte oder Genesene, für die es noch keine Testpflicht gibt, für die eine eventuelle Infektion aber meist symptomfrei abläuft. Wir dürften also bei 3G zum Schutz unserer ungeimpften Gäste – unabhängig vom Immunstatus – ausschließlich aktuell negativ Getestete einlassen. Das ist nach unserem Verständnis – auch im Sinne des Grundgesetzes – unverhältnismäßig.“

Die Reaktionen im Netz auf diese Entscheidung des Haus-Eifgen-Teams sind unterschiedlich: „Nachvollziehbar“, und „richtig“ finden es die einen, „diskriminierend“ und „spaltend“ die anderen.

Michael Dierks als Betreiber des Haus’ Eifgen und Hauptveranstalter steht indes hinter der Entscheidung: „Wir haben das überprüft. 99 Prozent unserer Gäste sind ohnehin geimpft oder genesen. Für die anderen tut es mir leid, aber wir möchten das so durchziehen.“

Peter Scheben, Vorsitzender des Kulturvereins, hat sich bisher zu dieser Entscheidung nicht durchgerungen. Heißt: Für die Veranstaltungen, die der Kulturverein im Kino Film-Eck an der Telegrafenstraße anbietet, gilt weiterhin die durch die Corona-Schutzverordnung vorgeschriebene 3-G-Regel. Teilnehmen dürfen also auch Ungeimpfte mit einem gültigen negativen Corona-Testergebnis. Allerdings: „Auch wir haben das genau überprüft“, sagt Scheben auf Nachfrage. „Unsere Gäste sind fast ausschließlich geimpft. Wir haben ja auch vorwiegend älteres Publikum. Das ist zum Teil sogar schon ein drittes Mal geimpft.“

Froh sei er darüber, unterstreicht Scheben, dass die Veranstaltungen bisher noch stattfinden dürfen. „Die Leute haben das absolut vermisst. Das zeigen uns die hohen Besucherzahlen.“ Für die Veranstaltung am 9. Dezember mit der Simon-and-Garfunkel-Band gebe es sogar schon eine so lange Warteliste, dass man überlege, eine zweite Veranstaltung anzubieten.

Bei den Veranstaltungen der Kattwinkelschen Fabrik gilt zurzeit noch die 3-G-Regel. „So schreibt es die Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen ja derzeit vor“, erklärt Thomas Marner, Krisenstabsleiter der Stadtverwaltung. „Uns liegt aber schon eine Anfrage des Teams der Kattwinkelschen Fabrik vor über das weitere Vorgehen. Das prüfen wir jetzt.“ Auch werde geprüft, wie künftig mit Veranstaltungen im Bürgerzentrum umgegangen würde.

Wie berichtet, hat das Team des Weltladens seine für diesen Freitag im Bürgerzentrum geplante „Fair-Trade-Night“ bereits abgesagt. Zu hoch sei das Risiko wegen der derzeit hohen Infektionszahlen.

Landesgesetz

Laut aktueller Corona-Schutzverordnung gilt bei öffentlichen Veranstaltungen sowie Betreten der Gastronomie und vielen Sportstätten bisher in Nordrhein-Westfalen bisher noch die 3-G-Regel. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst möchte den Druck auf geimpfte Personen nicht weiter erhöhen. Eine 2-G-plus-Regel, laut der Geimpfte zusätzlich getestet werden müssten, komme für ihn daher nicht in Frage, heißt es. Bei dem Bund-Länder-Treffen am Donnerstag will Wüst laut verschiedenen Medienberichten aber auf die Einführung einer bundesweit einheitlichen 2G-Regel pochen.

Standpunkt

anja.siebel @rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Die Fronten verhärten sich. Das ist allerorten zu spüren. Während die Corona-Fallzahlen stetig ansteigen, werden die Stimmen lauter. Auf der einen wie auf der anderen Seite. Viele Ungeimpfte pochen auf ihrem Standpunkt, die Impfung sei sinnlos und vielleicht sogar gefährlich oder zumindest gesundheitlich bedenklich. Die Impfbefürworter werden indes – verständlicherweise – immer ungeduldiger. Der Grund liegt auf der Hand: Zu wenig Menschen sind durchgeimpft, was einer Entspannung der Infektionslage deutlich entgegenwirkt. Hinzu kommt, dass die Drittimpfungen nur schleppend vorangehen. Das liegt vor allem daran, dass die Hausärzte aufgrund begrenzten Impfstoffs und personeller Kapazitäten erneut priorisieren müssen. Derzeit sind es vor allem die Senioren, die sich ihre Booster-Impfung abholen dürfen. Dass vor dem Hintergrund dieser unsicheren Situation viele Veranstalter auf Nummer sicher gehen und nur noch Geimpfte und Genesene zulassen, ist mehr als nachvollziehbar. Wer nicht bereit zur Impfung ist, muss damit leben. Der andere Teil der Gesellschaft hat seinen Beitrag ja schon geleistet.

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