Pandemie

Kultur und Gastronomie resignieren

Angela Borchert hält ihr Café Tilley an der Thomas-Mann-Straße vorerst geschlossen. Foto: Anja Carolina Siebel
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Angela Borchert hält ihr Café Tilley an der Thomas-Mann-Straße vorerst geschlossen.
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Die derzeitige Corona-Lage und die damit verbundene Unsicherheit belastet.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die Corona-Pandemie und die damit verbundene Unsicherheit, wie es weitergeht, treibt derzeit viele um. Vor allem Gewerbetreibende, Gastronomen oder Kulturschaffende, die direkt vom Lockdown betroffen sind. Denn unsicher ist derzeit auch, wann es möglich sein wird, die Beschränkungen wieder aufzuheben. Viele sind sich einig: Im Dezember 2020 wird das nichts mehr.

Michael Dierks von der Kulturinitiative reagiert deshalb jetzt. „Wir bedauern die Absagen der für den Dezember geplanten Veranstaltungen im Haus Eifgen“, schreibt Dierks in einer Mitteilung.

Nach dem Motto „später mehr statt hin und her“ wolle die Genossenschaft darauf setzen, dass es 2021 weitergehen könne. „Die Beratungsergebnisse der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder haben erwartungsgemäß nicht zu konkreten Maßnahmen geführt, die eine Öffnung unseres Hauses und die Fortsetzung des Betriebes gestatten würden“, schreibt Dierks weiter dazu.

„Wenn man jetzt offenbar schon weiß, was man nächste Woche beschließen muss, verschenken Bund und Länder einfach nur Zeit. Das tun wir nicht: Unabhängig von weiteren Entscheidungen der Politik haben wir im verantwortungsvollen Umgang mit unseren Künstlern und unserem Publikum im Vorstand beschlossen, bis einschließlich 15. Januar 2021 keine öffentlichen Veranstaltungen im Haus Eifgen durchzuführen.“

Kulturinitiative hofft auf Unterstützung

Die Ehrenamtler wollen diese Zeit nutzen, um die bereits begonnenen Maßnahmen für Gebäude- und Veranstaltungstechnik, die Hygieneeinhaltung und die Programmgestaltung für die „Zeit danach“ weiter zu intensivieren und die bewilligten Fördermaßnahmen umzusetzen.

Das Haus könne derweil „im Rahmen des Erlaubten“ für Vereins- und Arbeitssitzungen genutzt werden. Dierks: „Gleichzeitig ermuntern wir den Kulturausschuss, die Verwaltungsleitung der Stadt und die lokalen Kulturakteure, eine einheitliche Strategie zu entwickeln, mit der für alle Beteiligten die coronabedingten Unwägbarkeiten in unserem lokalen Raum mittel- und langfristig abgefedert werden können.“

Mit solchen Unwägbarkeiten muss derzeit auch Angela Borchert leben. Die Unternehmerin hatte erst im Frühjahr das vegane und vegetarische Café Tilley an der Thomas-Mann-Straße eröffnet – mit riesigem Erfolg. Als Anfang November der Teil-Lockdown kam, hatten sie und ihr Team es zunächst, wie viele Gastronomen zurzeit, mit Abholservice versucht. Sie erweiterte sogar ihre Öffnungszeiten, bot den Service täglich an und gab ihren Kunden die Möglichkeit, bis in den Abend hinein im Tilley Essen zu bestellen. „Das hat sich für uns aber überhaupt nicht gelohnt“, erzählt Borchert. „Ich saß teilweise mit drei festangestellten Mitarbeitern da, und wir hatten eine einzige Essensbestellung.“

Ihre Mitarbeiter feiern jetzt erst einmal ihre Überstunden ab. Das müssen sie auch, um später eventuell in Kurzarbeit gehen zu können. Borchert: „Die werde ich auf Anraten meiner Steuerberaterin anmelden, wenn sich die Schließung unseres Restaurants bis in den Dezember hinein ziehen muss.“ Das Angebot der Bundesregierung an Gewerbetreibende, den Umsatz von November 2019 anzugeben und 75 Prozent davon zu erhalten, kann Angela Borchert nicht annehmen, weil ihr Café noch gar nicht so lange besteht. „Wir konnten aber zum Glück den Oktober 2020 als umsatzstarken Monat angeben und bekommen das Geld jetzt ausgezahlt.“

Dennoch ist die Lage für sie weiter unsicher. Und einige Entscheidungen von Bund und Ländern sind für die Unternehmerin kaum nachvollziehbar: „Wir als Gastronomen haben während der letzten Wochen und Monate stark an Hygienekonzepten gearbeitet, so dass wir davon ausgehen, dass Restaurantbesuche immer noch sicherer sind als private Treffen irgendwo. Ich sehe deshalb nicht ein, warum die Restaurants nicht geöffnet sein können.“ 

Haus Eifgen

Verschoben sind folgende Termine: 4.12.: 78 Twins – Paul McCartney Tribute, 6.12.: Rogers Weihnachts-Special, 12. und 13.12.: Strange Kind of Women“ (neuer Termin: 30. Juli 2021), 18.12.: King of The World (neuer Termin: 23. Mai 2021), 19.12.: Tango de Minas, 20.12.: Christmas Jazz, 23.12.: Just Cash. Die Konzerte werden schnellstmöglich wiederholt, Tickets behalten ihre Gültigkeit, können auch zurückgegeben werden.

Standpunkt: Frust ist nachvollziehbar

anja.siebel@rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Keine Frage, der Frust der Gastronomen und Kulturschaffenden ist nachvollziehbar. Hatten doch die meisten von ihnen während der letzten Monate energisch an Hygienekonzepten gearbeitet – um jetzt erneut die Unsicherheit ertragen zu müssen, wie lange der Betrieb nicht laufen kann. Ebenso verständlich ist es, dass sich so mancher, wie die Kulturinitiative oder Angela Borchert, schweren Herzens dazu entschließen, vorerst dichtzumachen. Dass es nicht die Politiker oder die Epidemiologen sind, die die Unsicherheit bewusst schüren, sondern dass die pandemische Lage es nicht anders zulässt, sollte klar sein. Allerdings fehlen derzeit die „klare Kante“ der Politik und die Transparenz, die dann auch öffentlich kommuniziert werden sollten. 

Vielmehr scheint es, als verliere man sich in Worthülsen und im Phrasendreschen. Bleiben die Schulen dauerhaft geöffnet? Mit welcher Perspektive müssen Gastronomie und Kulturbranche jetzt etwa kalkulieren? Ab welchem Stand der Infektionszahlen sind Öffnungen wieder möglich? Diese Fragen sind offen. Und dabei geht es nicht um Befindlichkeiten, sondern um Existenzen. 

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