Kultband Epitaph lässt das Dach beben

Epitaph mit (v.l.n.r.) Cliff Jackson, Carsten Steinkämper, Bernd Kolbe, Heinz Glass bei ihrem Auftritt im Haus Eifgen. Foto: Peter Klohs
+
Epitaph mit (v.l.n.r.) Cliff Jackson, Carsten Steinkämper, Bernd Kolbe, Heinz Glass bei ihrem Auftritt im Haus Eifgen.

Krautrocker heimsen im Haus Eifgen lautstarken Applaus ein

Von Peter Klohs

Epitaph ist nicht irgendeine deutsche Rockband. Epitaph war an der Entstehung des sogenannten Krautrocks zu Anfang der 1970er Jahre stark beteiligt und gilt auch heute noch, mehr als 50 Jahre nach ihrer Gründung, als bahnbrechende Band, die bewies, dass gute Rockmusik nicht nur aus den USA und Großbritannien kommen muss, sondern auch in Deutschland gespielt werden kann.

Nach dieser langen Zeit gelten Epitaph als Kultband. Auch einige Umbesetzungen innerhalb des Quartetts konnten den Schaffensdrang von Gitarrist Cliff Jackson und seinen Mitstreitern nicht mindern. Auch im 52. Jahr ihres Bestehens tourt die Band ausdauernd durch Europa.

Aus drei mach eins: Epitaph bestreitet Krautrockabend allein

Am Sonntagabend waren ursprünglich drei Bands aus den seligen Krautrockzeiten im Haus Eifgen angekündigt, von denen zwei (Jane und Fargo) nicht kommen konnten. So bestritten Epitaph den Abend allein: 100 Musikliebhaber, die allermeisten in reiferen Lebensabschnitt angekommen und männlichen Geschlechts, wollten die Band sehen.

Der Rock von Epitaph klingt frisch und ist deutlich härter als der von den Kollegen Eloy oder Jane. Hier und da sind deutliche Anleihen an den progressiven Rock hörbar (dynamische Entwicklung, ungerade Taktarten, wechselnde Rhythmen). Auch der Blues hat in Epitaphs Musik seine Spuren hinterlassen. Jackson und Bassist Bernd Kolbe, der die Band mit dem in Sheffield geborenen Jackson gegründet hat, bieten mit ihren Kollegen ein schwung- und lustvolles Set. Gitarrist Heinz Glass und Bassist Kolbe nicken sich mehrere Male bestätigend zu, Jackson singt kraftvoll wie ein junger (Musik-)Gott, Drummer Carsten Steinkämper spielt druckvoll und setzt starke Akzente.

Auch, wenn die Gesangslinien von Jackson und Kolbe mitunter etwas beliebig anmuten, sind die Refrains immer stimmig und memorabel. Und auch, wenn ein Track mal als Poprock daherkommt, heißt das nicht, dass es so bleibt: Jam-Passagen werden von den Mitgliedern der Band gerne aufgegriffen und besonders von Heinz Glass zu langen Soli genutzt, bei denen Jackson hier und da einsteigt und die beiden unabhängig voneinander zur gleichen Zeit solieren. Auch zweistimmige Gitarrenlicks, die im Southern Rock zu Hause sind, spielen die beiden Gitarristen gerne.

Glass holt den Slide heraus und kurz klingt Epitaph wie eine Hardrock-Band aus Schottland, Kolbe gibt den Shouter und macht mit Glass das musikalische Call & Response (Ruf und Antwort) hoffähig, als wäre man in einem dunklen Blueskeller unterwegs. Glass gedenkt des letzten Stücks, das Jimi Hendrix beim legendären Woodstock-Festival gespielt hat („Villanova Junction“) und spielt eine eigene Version des instrumentalen Blues, der bei Gary Moore ein anerkennendes Heben der Augenbrauen hervorgerufen hätte. Drummer Steinkämper glänzt mehr als einmal durch unfassbar schnelle Arbeit an der Double-Bassdrum.

Geburtstagsständchen für „Bernie“ Kolbe

Zwischen zwei Songs improvisiert Kolbe mit Jackson zur George-Harrison-Komposition „Piggies“ vom Weißen Album, was Steinkämper gerne aufnimmt und darauf hinweist, dass Bernie Kolbe Geburtstag hat. Das lassen sich die Besucher im Haus Eifgen nicht zweimal sagen und beschenken Kolbe mit einem sehr lauten „Happy birthday to you“.

In der Mitte des Konzertes wird es für einige Minuten funky, und Jackson intoniert mit „Papa was a Rolling Stone“ eine Reminiszenz an die Temptations. Ein Stück kündigt Kolbe mit „Remeber the daze“ an: „Daze mit z, also ‚Erinnere dich an die Betäubung’“. Er gibt lachend zu, dass dieselbe in den 1970er Jahren noch deutlich ausgeprägter war als heutzutage. Probate Stilmittel zur Erhöhung der Dynamik werden von Epitaph gerne und virtuos eingesetzt (Halftime, Double-Time, verschleppte Tempi), was besonders beim rüden Rocker „Hole in my head“ bestens funktioniert.

Der Applaus lässt das Dach des Haus Eifgen beinahe abheben. Wiederholung schnellstens erbeten.

Hintergrund

Band: Epitaph wurde im Winter 1969/1970 in Dortmund gegründet. Auch 2021 sind noch Cliff Jackson (Gitarre, Gesang) und Bernd Kolbe (Bass, Gesang) als Gründungsmitglieder dabei. Die Band hat insgesamt 18 Alben veröffentlicht. Dabei sind diverse Live-Alben.

Epitaph-band.de

Location: Im Haus Eifgen sind weitere Konzerte geplant. Im Laufe des Oktobers folgen Auftritte von T.G. Copperfield & The Electric Band sowie dem ehemaligen Leningrad Cowboy Ben Granfelt. Die Ben Forrester Band soll das Kulturhaus Ende November beehren.

Hauseifgen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

In die Altenheime kehrt Normalität zurück
In die Altenheime kehrt Normalität zurück
In die Altenheime kehrt Normalität zurück
Kunstverein lädt zur 23. Jahresausstellung
Kunstverein lädt zur 23. Jahresausstellung
Kunstverein lädt zur 23. Jahresausstellung
Veranstalter stehen weiter unter Druck
Veranstalter stehen weiter unter Druck
Veranstalter stehen weiter unter Druck
Philosophisches Café findet wieder statt
Philosophisches Café findet wieder statt

Kommentare