Kultur

Krisen-Mixtur belastet Veranstalter

Des Künstlers „Brot“ ist der Applaus. Dafür benötigen sie aber Publikum, das immer schwerer zu erreichen ist.
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Des Künstlers „Brot“ ist der Applaus. Dafür benötigen sie aber Publikum, das immer schwerer zu erreichen ist.

Kulturszene setzt auf Konzepte, Beharrlichkeit und Optimismus.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mahnt vehement und die Corona-Zahlen steigen. Eine erneute Maskenpflicht ist nicht auszuschließen – entsprechende Entscheidungen liegen jedoch in der gesetzgeberischen Hand der Länder. Wermelskirchener Kulturveranstalter setzen hingegen eher auf Freiwilligkeit und stellen sich auf die Seite von Chefarzt Dr. Volker Launhardt vom Krankenhaus Wermelskirchen, der jüngst einen verantwortungsvollen, entspannteren und „angstfreien“ Umgang mit Corona forderte.

„In dieser Sichtweise ist viel Wahres“, sagt Achim Stollberg, Programmchef in der Kattwinkelschen Fabrik: „Ich bin kein Mediziner, ich kann es nicht einschätzen. Aber eine Corona-Welle ist da.“ Beim Umgang mit Corona müsse jeder Kulturbesucher das Risiko für sich selber einschätzen: „Ich war zuletzt Gast einer Ausstellung mit vielen Besuchern. Dabei habe ich Maske getragen – die hat mich bisher gut bekleidet. Und dazu hat jeder die Möglichkeit.“ Die Kulturszene habe derzeit mit einem „ganzen Strauß von Krisen“ zu tun: Energiepreise, Teuerungsraten und eben auch Corona.

Das sei eine Herausforderung, so Stollberg. Zudem habe die lange Auszeit der Kultur aufgrund der Lockdowns für eine Art Entfremdung des Publikums von der Live-Situation gesorgt. „Begründet durch diese Phase fehlt im kulturellen Bereich stellenweise ja sogar immer noch Personal“, bemerkt Stollberg: „Deshalb sind wir in der Kultur längst nicht auf dem Niveau, wo wir vor Corona waren.“ Sein Rezept: Möglichst wenige Veranstaltungen absagen, wenngleich es „finanzielle Grenzen“ gebe. „Mach‘ die Türen auf, mach‘ die Bühne und spiel‘ für die Leute, die da sind“, ist Stollbergs Motto.

Auch Michael Dierks, Vorsitzender der Kulturinitiative Wermelskirchen, hält die Situation für schwer einschätzbar. Er beobachtet: „Nicht Corona und Masken stehen sehr im Vordergrund. Die Leute wollen Live-Musik sehen und hören. Wer sich eine Maske aufsetzen will, tut das.“ Viel mehr belaste die allgemeine Unsicherheit und bedrückende Situation die Menschen und damit die potenziellen Besucher. „Als Veranstalter können wir nicht mehr mit einer Besucherzahl planen, weil die Vorverkäufe nicht aussagekräftig sind“, stellt Dierks fest. Aber „Bauchschmerzen“ habe er nicht: „Die fetten Zeiten sind vorbei – für Veranstalter, für Künstler, für uns alle.“ Aber: Künstler und Veranstalter säßen in einem Boot und arbeiteten so bewusst wie noch nie zusammen. Um sich auf die Zukunft einzustellen, mache sich die Kulturinitiative konzeptionelle Gedanken. „Dazu gehört Profilschärfung mit gezielteren Buchungen und dem Fokus auf bestimmte Wochentage.“ Derzeit habe der Verein für 2023 „fast noch gar nichts gebucht“, sagt Dierks. Das komme aber noch.

Einen anderen Aspekt bringt André Frowein an, der sowohl als Leiter des Jugendcafés (Juca) als auch als Vorsitzender der Marketingvereins „Wir in Wermelskirchen“ (WiW) als Veranstalter in Erscheinung tritt: „Auf verschobene Termine oder Rückgabe von Tickets haben viele Leute keine Lust mehr. Es ist für Veranstalter schwieriger, Menschen zu erreichen und wenn dann nur kurzfristig.“ WiW und Juca werden in den kommenden Wochen Veranstaltungen machen, kündigt Frowein an. Genauso habe sich das Juca-Team für Events ausgesprochen. „WiW hat sicherlich den Vorteil, dass vieles Open Air stattfindet. Diese funktionieren einfacher – aber nur zwischen März und Oktober. Indoor ist schwieriger : Je kleiner die Location desto schwieriger wird es.“

Film-Eck

Zuletzt war das Film-Eck-Kino ausverkauft, sehr zur Freude von Peter Scheben, Vorsitzender des Kulturvereins. Zwei Termine hat das Film-Eck noch zu bieten – ‚Der große Heinz Erhardt Abend‘ am 24. November und das Konzert
‚Gregorian Voices‘ am 22. Dezember.

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