Kreispolitiker üben Kritik an Landrat Santelmann

Steht immer häufiger in der Kritik: Landrat Stephan Santelmann. Archivfoto: Michael Schütz
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Steht immer häufiger in der Kritik: Landrat Stephan Santelmann. Archivfoto: Michael Schütz

Corona-Fallzahlen müssen ständig korrigiert werden, Meldungen am Wochenende bleiben aus

Von Anja Carolina Siebel

Nachdem es bereits mehrere Reaktionen aus der Kreis-Politik mit Kritik an Landrat Stephan Santelmann und der derzeitigen Kreisverwaltung gegeben hatte, äußern sich jetzt auch die Freien Wähler kritisch. Wie berichtet, hatte sich der Krisenstab des Kreises im April von seinen Aufgaben entbinden lassen, weil es Unstimmigkeiten mit dem Landrat gegeben haben soll.

„Unsere Fraktion hat bislang auf eine öffentliche Reaktion verzichtet, da wir bis zuletzt auf eine persönliche Information des Landrates entweder in mündlicher oder schriftlicher Form gehofft hatten“, sagt Werner Conrad von den Freien Wählern jetzt. „Leider ist Herr Santelmann an Corona erkrankt und konnte keine Ältestenratssitzung durchführen. Aber vor der Erkrankung hätte durchaus die Möglichkeit der zeitnahen Information der Politik bestanden.“

Die Fraktion habe das Gefühl, „dass es etwas zu verbergen gilt“. Die Freien Wähler würden die Neuorganisation des Krisenmanagements nicht für sinnvoll und zielführend erachten. Der Krisenstab habe sich vielmehr in seiner bisherigen Organisationsform bestens bewährt.

„Man hätte eine andere Lösung finden müssen, um die bisherigen gut funktionierenden Strukturen beizubehalten“, finden die Freien Wähler. Und: „Damit wollen wir nicht die Kompetenz des Landrates oder sein Engagement in Frage stellen. Unsere Bedenken bestehen dahingehend, ob Herr Santelmann bei seinem Aufgabenspektrum die notwendige Zeit findet, um sich wie der bisherige Krisenstabsmanager Dr. Erik Werdel ausreichend der wichtigen Pandemie-Bekämpfung zu widmen.“

Bislang habe der Kreis immer rasch und angemessen reagieren können. Diese Qualität sei zurzeit nicht mehr gegeben. „Sehr häufig müssen die gemeldeten Fallzahlen korrigiert werden und zum Teil sind am Wochenende gar keine Meldungen erfolgt. Somit erfolgt keine taggenaue Berechnung des Inzidenzwertes. In vielen Fällen wird veraltete Technik oder werden Dritte verantwortlich gemacht. Dies klingt wenig überzeugend“, heißt es. Vor dem Hintergrund der existenziellen Bedeutung des Inzidenzwertes für das öffentliche Leben, den Handel sowie die Wirtschaft im Rheinisch-Bergischen Kreis sei dieser Zustand unvertretbar.

Freie Wähler: „Neuorganisation ist missglückt“

Die Freien Wähler sind der Auffassung, dass die Neuorganisation des Krisenmanagements missglückt ist und dringender Handlungsbedarf besteht, wieder zur bisherigen Qualität zurückzukehren. Conrad: „Wir fordern deshalb kurzfristig eine umfangreiche Information und schonungslose Aufklärung über die Hintergründe der Neuorganisation sowie einen Vorschlag, wie die derzeitige Qualität des Krisenstabmanagements verbessert werden kann. Oberstes Ziel muss dabei sein, das Vertrauen der Bürger sowie der Politik in die Arbeit der Kreisverwaltung zurückzugewinnen. Wir haben ganz bewusst auf einen Fragenkatalog verzichtet, da wir der Auffassung sind, dass der Landrat in der Pflicht ist, die Politik so umfassend zu informieren, dass keine Fragen erforderlich sind.“ | Standpunkt

Standpunkt

Von Anja Carolina Siebel

Presseanfragen laufen ins Leere, Corona-Infektionszahlen müssen nachberechnet werden, Sieben-Tage-Inzidenzen werden falsch übermittelt: Aus dem Kreishaus in Bergisch Gladbach gibt es derzeit keine erfreulichen Nachrichten. Und vor allem keine verlässlichen. Nachdem der ursprüngliche Krisenstab sich – offenbar wegen Unstimmigkeiten mit Landrat Stephan Santelmann – aufgelöst und seinen Dienst quittiert hat, geht es Am Rübezahlwald in der Kreishauptstadt ordentlich drunter und drüber. Unter der ganz offensichtlich schlechten Qualität der zurzeit geleisteten Arbeit leiden indes nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Bürger des Kreises, von denen zumindest jene, die durch die Berichterstattung auch nur einen geringen Einblick in die Situation bekommen haben, das Theater dort schon lange als peinliche Vorstellung bezeichnen. Und das in einer Krisensituation wie der gegebenen. Verlässlichkeit, Engagement und konstruktive Kommunikation scheinen bei der Kreisverwaltung inzwischen Fremdwörter. Das ist nicht nur schade, sondern äußerst bedenklich mit Blick auf die kommende Zeit.

| Kreis- politiker üben. . .

anja.siebel @rga.de

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