Stromausfall

So wappnet sich der Kreis für einen Blackout

Bei einem längeren Stromausfall würde es viele Einschränkungen geben.
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Bei einem längeren Stromausfall würde es viele Einschränkungen geben.

Mehrere Stunden oder gar Tage keinen Strom. Dieses Szenario wünscht sich keiner, möglich ist es aber. Die Kommunen sorgen deshalb vor. Das Konzept soll am 8. Dezember vorgestellt werden.

Von Anja Carolina Siebel

Rheinisch-Bergischer Kreis. Panik wollen sie nicht schüren. Das betont Kreissprecherin Birgit Bär für den gesamten Krisenstab des Kreises. Wappnen wollen sie sich aber dennoch. Für das Szenario, von dem alle hoffen, dass es nie niemals eintritt. Blackout: Das Thema wird aktuell nicht nur in den Medien diskutiert, sondern auch auf offener Straße. Es geht um einen mehrtägigen Stromausfall, der zum einen durch eine Überlastung der Stromnetze, zum anderen durch einen Sabotage-Akt eintreten könnte.

„Wenn es heute passieren würde, wäre unsere kritische Infrastruktur auf jeden Fall nicht gefährdet“, sagt Birgit Bär. Heißt: Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Krankenhäuser könnten weiterarbeiten. Unter anderem, weil sie mit Notstromaggregaten ausgestattet sind.

Seit mehreren Wochen würden Vertreter des Kreises und der Kommunen als Krisenstab Energie zusammensitzen und an einem Konzept für den für alle derzeit noch unwahrscheinlichen Fall eines mehrtägigen Stromausfalles feilen. „Wir haben die Eckpfeiler gesetzt, jetzt geht es um die Feinheiten“, sagt Bär.

Im Prinzip könne man aber auf bereits bestehende Katastrophenschutz-Konzepte zurückgreifen. „Zur Jahrtausendwende haben wir uns zum Beispiel auf einen größeren Stromausfall vorbereitet, weil ja alle dachten, die Computersysteme würden verrückt spielen“, erinnert die Kreissprecherin. „Und das, was wir da erarbeitet haben, das greift ja auch heute noch. Das ist ja nicht veraltet. Es gibt Pläne, auf die wir auf Anhieb zurückgreifen können.“ Aber es gibt auch neue Ansätze.

Wie auch die Stadt Remscheid es plant, soll es auch im Rheinisch-Bergischen Kreis Katastrophen-Stützpunkte geben. Etwa mit mobilen Heizungen, Notstromaggregaten und Lichtmasten. An den „Leuchttürmen“ sollen die Menschen Notrufe absetzen können.

Einzelheiten des gemeinsam mit den Kommunen erarbeiteten Konzepts wolle der Kreis anlässlich des bundesweiten Warntages am 8. Dezember vorstellen. „Es liegt uns fern, Panik zu schüren, deshalb wollen wir auch nicht permanent über unsere Arbeitsschritte informieren“, unterstreicht Birgit Bär.

Allerdings sei es seitens der Behörden wichtig, auf den Notfall vorbereitet zu sein. „Gerade im Bereich der kritischen Infrastruktur“, sagt Birgit Bär.

Fakt ist: Ein tagelanger Stromausfall würde einige Einschränkungen mit sich bringen. Denn es geht nicht nur um das Laden des Smartphones oder das Licht im Wohnzimmer. Die Wasserversorgung in den Haushalten wird in privaten Haushalten nach einiger Zeit nicht mehr funktionieren, Kraftstoff wird es nicht mehr geben und Ampelanlagen fallen aus. Mehr als 72 Stunden nach dem Stromausfall kommt es nach den Prognosen zu „massiven Versorgungsengpässen bei allen Gütern des täglichen Bedarfs“. Und zwar nach Voraussagen der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren auch in Haushalten, die vorgesorgt haben. Einkaufen lässt sich vorläufig nichts mehr. Die Türen der Geschäfte sind geschlossen. Und selbst wenn, könnte keiner bezahlen. Nicht mit Karte und nicht in bar, denn die Automaten spucken kein Bargeld aus.

In Panik verfallen müsse man auch anlässlich eines solchen Szenarios aber nicht, sagt Birgit Bär: „Die kritische Infrastruktur können wir immer noch aufrecht erhalten, so dass kein Leben gefährdet sein wird. Aber Zusammenbrüche in verschiedenen Bereichen wird es sicher geben.“

Zur so genannten kritischen Infrastruktur zählt auch das Krankenhaus. Dort gibt es, das bestätigt Geschäftsführer Christian Madsen, ein Notstromaggregat, das im Falle eines Stromausfalls drei Tage durchhält. „Aber auch danach haben wir die Zusage der Behörden, dass wir auch danach mit allem Nötigen versorgt werden“, unterstreicht Christian Madsen.

Die NRW-Kreise bereiten sich seit Monaten in Zusammenwirken mit ihren kreisangehörigen Städten und Gemeinden auf eventuelle Stromausfälle vor. Die Katastrophenschutzbehörden haben sich auf verschiedene Szenarien eingestellt und informieren zudem über Möglichkeiten zur Selbsthilfe.

Lebensmittel

Für zehn Tage sollten laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz Lebensmittel im Haus sein. Und zwar für jede Person rund 2200 Kilokalorien und mindestens zwei Liter Getränke pro Tag. Die Lebensmittel sollten regelmäßig erneuert werden. Mehr Infos im Internet unter: www.bbk.bund.de

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Bloß keine Panik

anja.siebel@rga.de

Es ist eine Gratwanderung mit dem Hinweis auf einen möglichen Blackout, also einen länger währenden Stromausfall. Auf der eine Seite möchte man damit keine Angst schüren. Nicht schlafende Hunde wecken, nicht unnötig beunruhigen. Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig, auf das bestehende Risiko hinzuweisen, wenn es auch gering ist. Nicht nur, dass der Fall eintreten könnte und dass das wahrscheinlicher geworden ist als noch vor einem Jahr. Sondern auch, was dann passiert und welche Mechanismen greifen, um die Bevölkerung so gut wie möglich zu schützen.

Nach wie vor stufen Experten das Risiko, dass es zu dem Fall der Fälle kommen könnte, als gering ein. Besser ist es aber für alle immer, auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Und vor allem nicht in Panik zu verfallen. Denn damit ist schon im Alltag niemandem geholfen. Und in Krisenzeiten wie zurzeit ist es das erst recht nicht.

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