Länger und öfter sehen

Krankenhaus verändert Besuchsregeln

Im Krankenhaus herrscht wohl künftig wieder etwas mehr Betrieb. Foto: Roland Keusch
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Im Krankenhaus herrscht wohl künftig wieder etwas mehr Betrieb.

Zweifach Geimpfte, Getestete und Genesene dürfen ihre Angehörigen länger und öfter sehen.

Von Anja Carolina Siebel

Im Wermelskirchener Krankenhaus gab es nie ein striktes Besuchsverbot. Von Beginn der Corona-Pandemie an hatten Chefärzte und Geschäftsleitung es als wichtig empfunden, dass die Patienten Besuch empfangen dürfen. Nun können die Angehörigen sogar wieder länger und öfter zu Besuch kommen.

Voraussetzung: Sie sind zweifach geimpft und die zweite Impfung liegt mindestens 14 Tage zurück, sie sind von Covid-19 genesen (sollte die Infektion mehr als sechs Monate zurückliegen, müssen sie ein Mal zusätzlich geimpft sein) oder können einen maximal 48 Stunden alten negativen Antigen-Schnelltest vorweisen. „Wir denken dabei auch an die Älteren, die für einen Abstrich extra in die Stadt müssen“, begründet der Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Dr. Volker Launhardt, die Entscheidung für die 48-Stunden-Regel. Alle anderen Besucher dürfen wie bisher ein Mal pro Tag für eine halbe Stunde in ein Patientenzimmer. Sie müssen sich wie gehabt am Eingang registrieren und einige medizinische Fragen beantworten. Es gilt weiterhin die Pflicht, einen medizinischen Mund-Nasenschutz, beziehungsweise eine FFP2-Maske im gesamten Haus zu tragen. Zudem muss sich jeder, der das Krankenhaus betritt, zuvor registrieren.

Grundsätzlich sei es dem Team an der Königstraße immer wichtig gewesen, dass die Patienten Besuch bekommen dürfen. „Man darf auch aus medizinischer Sicht den Wert eines solchen zwischenmenschlichen Miteinanders nicht unterschätzen“, betont Volker Launhardt. Deshalb habe er auch nichts davon gehalten, während der Hoch-Zeit der Pandemie Besucher auszuschließen oder gar – wie in anderen Häusern – Sicherheitspersonal vor der Pforte abzustellen, das kontrolliert, wer ein- und ausgehe.

„Wenn es hart auf hart kam, durften Angehörige auch unter strengsten Hygienemaßnahmen zu unseren Covid-Patienten“, berichtet die Pflegedienstleitung Monika Hartung. „Hart auf hart“, das heißt, wenn die Patienten schwerst erkrankt waren oder auch im Sterben lagen. „Sensible oder alte Menschen brauchen in solche Situationen Bezugspersonen dringend“, sagt Volker Launhardt. Besuche auf den Isolierstationen seien aber auch weiterhin nur in den genannten zwingenden Ausnahmefällen und nach individueller Rücksprache möglich.

Freilich sei auch auf den übrigen Stationen immer unter höchsten Hygienestandards gearbeitet worden, „Und das wird auch weiterhin so sein. Wir wollen auch Menschentrauben in den Zimmern vermeiden. Deshalb achten wir darauf, dass auch weiterhin jeweils nur ein Besucher beim Patienten ist.“ Launhardt beobachtete während der vergangenen Monate bei Patienten und Angehörigen viel Angst. „Die Patienten hatten zum Teil Sorge, zu uns zu kommen, weil sie Bedenken hatten, sich möglicherweise zu infizieren. Das hat sich jetzt Gott sei Dank entspannt“, berichtet er.

Aber auch die Angehörigen würden noch häufig ihre Angst vor Infektionen zum Ausdruck bringen. „Manche stellen in Frage, ob eine Besuchsregel überhaupt in Ordnung ist. Wir können die Bedenken aber aus der Welt räumen, weil wir unter strengsten Auflagen arbeiten“, betont der Ärztliche Direktor und Chefarzt. Seine Hoffnung: Die Aufenthaltsqualität für die Patienten weiter zu steigern und ihnen durch die Besuchsmöglichkeit mehr Rückhalt zu bieten. Regeln sollten die Patienten ihre Besuche eigenverantwortlich. Launhardt: „Wir hoffen auf das Verständnis aller, dass immer nur ein Besucher zum Patienten kommt.“ Das sei vor allem in Zimmern wichtig, in denen mehrere Patienten stationär aufgenommen seien.

Humanität steht an oberster Stelle

Humanität sei es zuvorderst, die das Team des Krankenhauses zu jeder Zeit der Pandemie davon abgehalten hätte, ein striktes Besuchsverbot einzurichten. Patienten und Angehörigen danken es dem Team: „Viele rufen bei uns an und fragen, wie denn die Besuchsregel ist“, berichtet Monika Hartung. Volker Launhardt ist sicher: „Der Besuch eines vertrauten Menschen leistet einen wesentlichen Beitrag zur Genesung.“

Hygieneregeln

Vor dem Krankenhausbesuch kann man einiges tun, um sich und andere zu schützen: Desinfizieren Sie Ihre Hände vor dem Patientenkontakt und beim Verlassen des Raumes. Halten Sie ausreichend Abstand zu anderen – insbesondere zu den Patienten und zum Personal. Vermeiden Sie Körperkontakt (Handgeben, Umarmungen) mit den Patientinnen und Patienten. Niesen oder husten Sie in die Armbeuge oder in ein Taschentuch und vermeiden Sie Kontakt mit Auge oder Mund.

Standpunkt: Gesellschaft in Angst

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Kontakt zu vertrauten Menschen, Zwischenmenschlichkeit und – ja – Humanität. Wenn wir ehrlich sind, kam all das in den vergangenen Monaten arg zu kurz. Ging es doch an den meisten Stellen zuvorderst darum, Infektionen zu vermeiden. Und zwar nahezu ausschließlich darum. Sicher war das auch ein wichtiger Aspekt, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Krankheit jene treffen könnte, die sie nicht so leicht wegstecken könnten. Und in einigen Fällen ist das ja leider auch so. Aber bedauerlicherweise sind seit März 2020 viele andere Aspekte in den Hintergrund getreten. Einer davon: die Zwischenmenschlichkeit. Und damit ist eben nicht nur gemeint, gemeinsam anzustoßen und Feste zu feiern. Sondern auch, die Eltern und Großeltern im Heim zu besuchen, kranke Angehörige fest in den Arm zu nehmen, sie täglich bei ihrer Genesung zu unterstützen, die Kinder Kinder sein zu lassen, den Verunsicherten und Sensiblen Hoffnung und Zuversicht zu geben. All das ist in einer Gesellschaft der Angst kaum durchführbar. Fragt sich, zu welchem Preis. Und fragt sich, ob das zu reparieren ist.

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