Unverpackt-Laden

Krämerladen: Jochen Schmees muss scharf kalkulieren

Jochen Schmees hat den Krämerladen am 2. Juni 2019 eröffnet. 
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Jochen Schmees hat den Krämerladen am 2. Juni 2019 eröffnet. 

Der Unverpackt-Laden an der Kölner Straße handelt derzeit mit 30 Prozent unter dem Jahresumsatz vor Corona.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Eine Kundin kommt mit zwei Packungen voller Kronkorken rein, die sie in einen großen Papiersack im Schaufenster des Krämerladens reinfüllt. Danach füllt sie ihren Warenkorb im Unverpacktladen. In weiteren Säcken werden Wachsreste, Weinflaschenkorken und Plastikdeckel gesammelt. „Die Kronkorken gebe ich zum Beispiel an eine junge Frau in Leverkusen weiter. Damit werden Impfungen in SOS-Kinderdörfern bezahlt“, sagt der Inhaber des Krämerladens Jochen Schmees. „Die Wachsreste werden von einem Kerzenhersteller wieder eingeschmolzen und neu verarbeitet. Und die Weinflaschenkorken gehen an einen Schuhhersteller, der sie für die Anfertigung von Sohlen neu braucht.“

Grundnahrungsmittel, aber auch Süßigkeiten gibt es im Krämerladen

Der Krämerladen, ein zertifizierter Bio- und Unverpacktladen, wurde am 2. Juni 2019 eröffnet. Kunden können dort Nudeln, Reis, Mehl, Körner, Bio-Marshmallows, frisches Obst und Gemüse aus der Region, Drogerie- und Hygiene-Artikel, frisches Brot und Brötchen, Stoffwindeln, Getränke, Fachliteratur, Milch- und Milchersatzprodukte sowie alle Dinge des täglichen Bedarfs außer Fleisch, Wurst und Käse kaufen.

Mehr zum Thema unverpackt einkaufen.

Ich kann nicht mehr so agieren wie früher.

Jochen Schmees, Inhaber des Krämerladens
Im hinteren Teil des Ladens verkauf Jochen Schmees Hygieneartikel.

Den ersten finanziellen Einbruch erlebte Jochen Schmees mit seinem Team – eine Auszubildende und drei Mini-Jobber – im ersten Lockdown im Jahr 2020. „Obwohl wir die ganze Zeit öffnen durften, brach unser Umsatz zusammen“, sagt der studierte Wirtschaftsinformatiker.

„Täglich bekam ich mehrere Anrufe, ob wir denn überhaupt geöffnet hätten.“ Und den Kundenrückgang erlebt er weiter bis heute. „Wir leben derzeit mit 30 Prozent weniger Umsatz im Jahr als noch vor der Corona-Zeit“, sagt Jochen Schmees. „Und das reicht auf Dauer nicht aus. Die Miete läuft weiter, Energie- und Personalkosten steigen und auch die Produkte werden im Einkauf immer teurer. „Ich kann nicht mehr so agieren wie früher“, sagt Jochen Schmees. „Meine Kunden verstehen aber oft nicht, warum ich gerade ein Produkt nicht da habe. Ich kann aber einige Produkte nur in einer bestimmten Menge bestellen.“

Der Warenbestand sei um ein Drittel verringert. „Die Preise steigen auch bei den Lieferanten, beispielsweise die Nudeln sind jetzt bis zu 20 Prozent teurer geworden.“ Er müsse seine Waren nach einer Lieferung in acht Tagen zahlen. „Wenn es so weitergehen würde und ich nicht wieder mehr Kunden gewinnen kann, dann muss ich leider ans Aufhören denken, das würde mir sehr leid tun.“

Zwei Urlaube in Südamerika haben mir weiter die Augen geöffnet.

Jochen Schmees
Auch saisonales Obst und Gemüse aus der Region und Kühlwaren gibt es unverpackt.

Jochen Schmees wuchs in einem Pfarrhaushalt auf. „Schon als Kind habe ich die Anti-Atomkraftbewegung sowie faires Handeln mitbekommen“, sagt er. „Und zwei Urlaube in Südamerika haben mir weiter die Augen geöffnet.“ Die Menschen dort seien noch viel mehr im Einklang mit der Natur. Nach seinem Wirtschaftsinformatikstudium habe er in der IT-Branche gearbeitet. „Doch da zählte schneller, weiter, höher, das hat mich darüber nachdenken lassen.“ Er habe nach einem Job gesucht, mit dem er auch seinen vier Kindern Werte mitgeben kann.

„Und das kann ich mit dem, was ich jetzt tue.“ Er erlebe, wie seine älteste Tochter jedes Plastikteil, das sie findet, in einen Mülleimer wirft. „Und auch Kuhmilch trinkt sie nicht mehr, als wir ihr erklärt haben, dass die Milch den Kälbchen weggenommen wird.“ Ein guter Ersatz dafür sei Hafermilch.

Weitere Infos

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9 – 12.30 und 14.30 – 18.30 Uhr; Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 14 Uhr

Telefon: (0 21 96) 8 98 91 28

E-Mail hallo@kraemerladen.bio

www.kraemerladen.bio

Jochen Schmees hat sich mit seinem Geschäft an ein Netz von Unverpackt-Läden angeschlossen. Dort bekommt er viele Informationen und weitere Hilfen. www.unverpackt-verband.de

Standpunkt: Der Laden ist goldrichtig

Ein Kommentar von Susanne Koch

susanne.koch@rga.de

Ich kann Jochen Schmees nur weiterhin viel Glück und Erfolg für seinen Unverpackt-Laden wünschen. Denn sein Geschäft ist goldrichtig, wenn man bedenkt, dass wir unsere Umwelt und unser Klima schonen müssen. Da gehört das Vermeiden von Verpackungs- und Plastik-Müll auf jeden Fall dazu. Und wo kann man das besser als in einem Unverpackt-Laden. Es gibt viele Gründe, die dazu geführt haben, dass der Krämerladen in eine wirtschaftliche Schieflage gekommen ist. Beispielsweise ist die Konkurrenz viel größer geworden, in vielen Städten werden Unverpackt-Läden eröffnet, dazu kommt, dass hier in Wermelskirchen 2020 ein Bio-Supermarkt eröffnet hat. Jochen Schmees sieht diesen gar nicht mal als Konkurrenz, sondern als Erweiterung, weil dieser wiederum Produkte verkauft, die der Krämerladen nicht führt. Auch ist die Parkplatzsituation vor dem Krämerladen ist nicht immer befriedigend. Allen Wermelskirchenern, die noch nie im Unverpackt-Laden einkaufen waren, empfehle ich, es doch einfach mal zu tun. Es wäre sehr schade, wenn ein zukunftsfähiges und auf jeden Fall nachhaltiges Geschäftsmodell schließen müsste.

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