Gastronomie

So geht es den Restaurantbesitzern in Wermelskirchen

Das Balkan-Restaurant sucht verzweifelt Mitarbeiter.
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Das Balkan-Restaurant sucht verzweifelt Mitarbeiter.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Die Inhaberinnen und Inhaber von Gaststätten habe sich gerade erst von der Corona-Pandemie erholt.

Wermelskirchen. Wie geht es eigentlich den Restaurantbesitzern in Wermelskirchen? Seit der Corona-Pandemie arbeiten sie zum Teil unter den schwierigsten Bedingungen. Und jetzt müssen sie mit den Preissteigerungen im Lebensmittelsektor, mit den Personalkosten und vor allem auch mit den Energiekosten kämpfen.

Seit 31 Jahren betreibt Luka Marsic das Balkan Restaurant an der Telegrafenstraße. Gas sei bei ihm um 110 Prozent teurer geworden, bei Strom rechnet er mit 100 Prozent. „Die Abrechnung kommt noch.“ Er finde die jetzige Zeit als schlimm. „Besonders schwierig ist es, derzeit geeignetes Personal zu bekommen“, sagt er. „Das hat dazu geführt, dass ich selber ganz viel arbeite, auch mein Sohn hilft, wo und wann er kann.“ Vor der vergangenen Herbstkirmes habe er ein paar Preise angehoben. Das Bier sei 10 bis 20 Cent teurer geworden und das Rinderfilet beispielsweise zwei bis drei Euro teurer. Sie seien aber optimistisch und würden das Balkan-Restaurant schon alleine ihren Gästen zuliebe weiterbetreiben.
Eröffnet hat Manuel Lopez-Rodriguez seine Granadas Tapas Bar an der Remscheider Straße 2 im Dezember 2018. „Bis 2020 habe ich noch nebenbei gearbeitet“, sagt der Inhaber des Restaurants. „Seit Februar 2020 konzentriere ich mich nur noch auf die Tapas-Bar.“ Kritisch sei die derzeitige Situation. „Es ist noch lange nicht so, wie es vor der Corona-Zeit war“, sagt er. „Und wir müssen mit den Preissteigerungen auf allen Gebieten klarkommen.“ Die Granada Tapas Bar biete Platz für 36 Gäste sowie vier weitere an der Restaurant-Theke.

Anna-Rita Fanelli führt ToscAnna an der Oberen Remscheider Straße 7. Die Osteria-Inhaberin beschreibt ihre Situation so: „Wir müssen jetzt in der Gastronomie mit den verschiedensten Faktoren umgehen – angefangen von den Auswirkungen der Corona-Pandemie, über die Energiepreis- und die Lohnsteigerungen sowie die Verteuerung der Lebensmittel. Dafür muss ich erst einmal ein neues geschäftliches Gleichgewicht suchen und finden.“ Dem Schüler, der spült, zahle sie inzwischen 12,50 Euro. „Das alles muss ich erst einmal neu durchdenken und kalkulieren.“ Sie denke nicht daran, aufzuhören. „Aber die Gastronomie ist ein Knochenjob, und da muss man auch in die Zukunft schauen und an sich selbst denken.“ Sorge bereite ihr, dass Personengruppen einen Tisch reservieren und dann kurzfristig absagen. „Das ist jetzt leider öfter vorgekommen, aus Krankheitsgründen sogar zwei Gruppen an einem Tag.“ Das sei für sie und ihr kleines Lokal mit Platz für 60 Personen sehr schwierig. „Ich stelle mich darauf ein, kaufe entsprechend frische Lebensmittel.“ Und dann sei das ein Verlust. Der Januar sei eine Zeit, in der es in der Gastronomie immer etwas ruhiger laufe. „Ich freue mich auf den Sommer. Der letzte Sommer lief sehr gut.“

Die Mitarbeiter der Gaststätte Centrale, Eich 1, sind zufrieden. „Wir brauchten eine Eingewöhnungs- und auch eine Einarbeitungszeit nach Corona, aber jetzt sind die Gäste alle wieder da“, sagt Sylvia Müller, die das Restaurant im vergangenen April von ihren Vorgängern, dem Ehepaar Mona und Dirk Götz übernommen hat. Die beiden hätten altersbedingt aufgehört, arbeiteten aber immer noch mit. „Ich muss derzeit alles ganz genau kalkulieren“, sagt Sylvia Müller. „Auch den Einsatz meiner Mitarbeiter, da die Lohnkosten pro Person und pro Stunde seit Oktober um 1,50 Euro gestiegen sind.“ Sie warte jetzt darauf, was die Energiekosten bringen werden. Auf jeden Fall werde sie die Preise demnächst anpassen müssen.

„Wer jetzt noch ein Schnitzel für 11,50 Euro anbietet, der wird sich langfristig nicht halten können“, sagt der Dehoga-Vorsitzende des Rheinisch-Bergischen Kreises Udo Güldenberg. Er führt in Bergisch-Gladbach das Gronauer Wirtshaus. „Das Weihnachtsgeschäft ist in allen allen Restaurants gut gelaufen“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Rhein-Berg. „Das zweite Quartal 2023 wird alles deutlich machen. Dann liegen die Energiekosten-Abrechnungen vor.“

Hintergrund

„Wenn es dem Gastgewerbe gut geht, dann profitiert auch die Zulieferindustrie“ - unter diesem Motto schlossen sich 1996 führende Unternehmen der gastgewerblichen Zulieferindustrie im Initiativkreis Gastgewerbe zusammen. Heute ist der Initiativkreis ein exklusiver Kreis von über 40 ausgewählten Marken.

Standpunkt von Susanne Koch: Lokale brauchen uns

susanne.koch@rga.de

Die Gastronomie hat seit der Corona-Pandemie zu kämpfen. Nun ist diese fast vorbei, jetzt werden die Restaurant-Besitzerinnen und -Besitzer durch die gestiegenen Lohnkosten (Mindestlohn), durch die höheren Lebensmittelpreise und die drohenden Energiekosten weiter geplagt. Wie wird es nun mit den den Menschen lieb gewordenen Lokalen weitergehen? Viel tun kann die Gesellschaft derzeit nicht: Mit den Preissteigerungen haben alle zu kämpfen.

Jeder einzelne kann aber Solidarität zeigen und sich vornehmen, die Gaststätten weiter zu besuchen, die er unterstützen möchte. Vielleicht nicht mehr so oft, aber so, dass die Gaststätten-Betreiberinnen und -Betreiber es merken. Und wo alle daran mitwirken können, ist, reservierte Tische für Gruppen nicht kurzfristig abzusagen, wenn es irgendwie abzusehen ist. Denn je kürzer eine Absage den Restaurantmitarbeitern mitgeteilt wird, desto größer ist der Schaden, der sich daraus ergibt.

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