Koordinatorin will Tod aus der Tabuzone holen

Ute Lüttinger (l.) löst Annette Gennat (Mitte) als Koordinatorin ab. Anke Stolz bleibt im Boot.Foto: Doro Siewert
+
Ute Lüttinger (l.) löst Annette Gennat (Mitte) als Koordinatorin ab. Anke Stolz bleibt im Boot.Foto: Doro Siewert

Hospizverein: Ute Lüttinger löst Annette Gennat ab, die in den Ruhestand wechselt

Von Anja Carolina Siebel

Ute Lüttinger möchte während ihrer letzten Berufsjahre etwas Sinnvolles tun. „Etwas, das mit dem Leben direkt zu tun hat“, sagt sie. Die 61-Jährige verstärkt seit März das Team des Hospizvereins neben Annette Gennat und Anke Stolz als Koordinatorin. Und sie wird Annette Gennat ablösen, die Ende Juni in den Ruhestand wechseln will.

Für Ute Lüttinger ist das eine interessante, aber auch herausfordernde Aufgabe. Denn sie hat vor allem eine klare Botschaft, die sie der Öffentlichkeit vermitteln möchte: „Der Tod ist immer noch ein Thema in der Tabuzone. Ich wünsche mir, dass wir das noch nachhaltiger ändern können als bisher. Denn unsere Arbeit hat tatsächlich in erster Linie etwas mit dem Leben zu tun.“

Auch als Koordination: Arbeit mit den Menschen hört nicht auf

Seit 1997 arbeitete Ute Lüttinger ehrenamtlich für den Verein, begleitete Schwerstkranke und Sterbende gemeinsam mit den Angehörigen auf ihren letzten Wegen. „Manchmal sind das Tage, manchmal Wochen, in seltenen Fällen können es aber auch Jahre sein“, berichtet sie. Auch jetzt habe sie noch eine Begleitung, jemanden, den sie etwa jede Woche eine Zeit lang besucht. „Als Koordinatorin werde ich das nicht mehr machen. Aber diese Begleitung möchte ich noch zu Ende bringen“, sagt sie.

Während ihrer neuen Tätigkeit wird sie zwar auch Verwaltungsarbeiten übernehmen müssen; die Arbeit mit den Menschen hört aber nicht auf. „Als Koordinatorinnen führen wir Erstgespräche mit Angehörigen oder den Menschen, die unsere Begleitung wünschen“, erklärt Annette Gennat. „Nur Betroffene, die es ausdrücklich wünschen, begleiten wir.“ Das können Menschen in Pflegeheimen, im Krankenhaus, aber auch zuhause sein. „Oft“, sagt Gennat, „sind wir auch eine Stütze für die Angehörigen. Die Zeit, die wir mit den Menschen verbringen, bedeutet für sie oft eine große Entlastung, weil sie mal Zeit für sich haben, wenn auch nur kurz.“

Die Koordinatorinnen organisieren auch Trauergespräche und Treffen mit Hinterbliebenen. „Mir gibt diese Aufgabe sehr viel“, beschreibt Ute Lüttinger, die vorher 20 Jahre als Physiotherapeutin gearbeitet hat, ihre Empfindungen.

Als gelernte Krankenschwester habe sie vor allem in den 1970er und -80er Jahren prägende Erlebnisse mit Tod und Sterben gehabt. „Damals war der Tod noch so gar nicht als Thema in der Gesellschaft angekommen“, erinnert sie sich. „Verstorbene wurden im Krankenhaus in Waschräume geschoben, man wollte sich so wenig wie möglich mit dem Thema auseinandersetzen“, erzählt sie weiter.

Blick auf das Lebensende hat sich verändert

Auch Annette Gennat arbeitete viele Jahre als Krankenschwester, bevor sie 2009 begann, ehrenamtlich für den Hospizverein zu arbeiten und 2012 dort Koordinatorin wurde. „Mir hat diese Zeit viel gegeben“, sagt die heute 63-Jährige, die nach dem Wechsel in den Ruhestand mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen möchte. „Vor allem Dankbarkeit dem Leben gegenüber. Aber auch der Gedanke an das eigene Lebensende hat sich verändert. Der Tod ist immer noch ein Mysterium, aber der Umgang damit ist jetzt, nach all der Zeit, ein etwas anderer.“

Annette Gennat kann sich vorstellen, weiterhin ehrenamtlich zu arbeiten, „ich will das aber erstmal auf mich zukommen lassen“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Motorradfahrer nach Zusammenstoß mit Pkw schwer verletzt
Motorradfahrer nach Zusammenstoß mit Pkw schwer verletzt
Motorradfahrer nach Zusammenstoß mit Pkw schwer verletzt
Für Hausmeister ändert sich die Arbeit
Für Hausmeister ändert sich die Arbeit
Für Hausmeister ändert sich die Arbeit
So entsorgen Sie Elektroschrott richtig
So entsorgen Sie Elektroschrott richtig
So entsorgen Sie Elektroschrott richtig
„Alex Mania“ wird zum Facebook-Star
„Alex Mania“ wird zum Facebook-Star
„Alex Mania“ wird zum Facebook-Star

Kommentare