Pandemie

Amt konzentriert sich auf positive Fälle

Das Coronavirus beschäftigt die Gesundheitsämter dieser Tage sehr. Die Mitarbeiter sind mit Testungen und Nachverfolgungen von Kontakten beschäftigt. Foto: Christian Beier
+
Das Coronavirus beschäftigt die Gesundheitsämter dieser Tage sehr. Die Mitarbeiter sind mit Testungen und Nachverfolgungen von Kontakten beschäftigt.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
    schließen

Getestete Personen erhalten ihr Ergebnis über einen Link oder eine App – nur wer infiziert ist, wird angerufen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die gute Nachricht wie immer an dieser Stelle zuerst: Laut Birgit Bär, Sprecherin des Corona-Krisenstabes im Rheinisch-Bergischen Kreis, ist die Kontaktverfolgung in der Region trotz eines Inzidenzwertes von 121 derzeit noch „lückenlos möglich“. Und: „Auch wenn die Kliniken im Kreis am Montag noch keine genauen Zahlen geschickt haben, gibt es bei uns derzeit noch keine Engpässe bei Intensivbetten.“ Das gilt nach gesicherten WGA-Informationen auch für das Wermelskirchener Krankenhaus.

Allerdings räumt die Sprecherin ein: „Auch wir kommen inzwischen insofern an unsere Grenzen, dass wir nicht mehr jedem negativ getesteten Fall hinterhertelefonieren können. Das war vor einigen Wochen noch so. Heute müssen wir uns auf die positiv getesteten Menschen konzentrieren, sie beraten und die Kontaktverfolgung aufnehmen.“

Hautnah erlebt hatten das vor kurzem die Familien, die ihre Kinder in der Kindertagesstätte Heisterbusch betreuen lassen. Wie berichtet, war in der Einrichtung vor gut zwei Wochen eine Mitarbeiterin positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Gesundheitsamt hatte sämtliche Mitarbeiter und Kinder daraufhin komplett in Quarantäne geschickt und die Kita bis Ende voriger Woche geschlossen. Tests für die Kinder hatten im Evangelischen Gemeindehaus Heisterbusch stattgefunden.

Eltern hatten sich beschwert, dass sie keine Ergebnisse bekamen

Die Eltern hatten sich im Laufe der Quarantäne darüber beschwert, dass sie keine Ergebnisse vom Amt bekamen und das Gesundheitsamt telefonisch schlecht bis gar nicht zu erreichen war.

Daniela Gläser vom Elternbeirat berichtete am Montag: „Unsere Kinder dürfen ab heute wieder in die Kita. Offiziell wüssten wir aber noch gar nicht, ob unsere Kinder nun positiv oder negativ getestet wurden. Letztlich hat uns unsere Hausmeisterin darauf gebracht, dass es einen Link vom Labor in Köln gibt, in dem die Ergebnisse aufgelistet sind.“ Seit März hätten die Familien eine Kita-App, über die sie sich über aktuelle Geschehnisse austauschen würden. Über diese App hatte sich die Nachricht verbreitet, dass Ergebnisse bereits seit dem 17. Oktober vom Labor vorlägen.

Birgit Bär sagt dazu; „Wir waren in Kontakt mit der Kita-Leitung, nicht mit der Hausmeisterin. Mit der Leitung hatten wir abgesprochen, dass die Eltern den Link selbst abrufen können.“

Die Leiterin des Krisenstabs räumt ein, dass die „Kommunikation in Heisterbusch nicht ideal gelaufen“ sei, „aber wir können zum jetzigen Zeitpunkt, mit massiv steigenden Fallzahlen, eben nicht mehr jeden negativen Fall nachhalten und alle ausführlich beraten. Wir müssen uns bei Gemeinschaftseinrichtungen auf die Kommunikation mit der Leitung konzentrieren.“

Wie das Amt am Montag mitteilt, gibt es jetzt eine weitere Kita, die von einer Corona-Infektion betroffen ist Die städtische Kindertagesstätte Bussardweg in Dabringhausen wurde demnach in Absprache mit dem Träger geschlossen, nachdem in einer Familie, die zwei Kinder in der Kita hat, mehrere Personen, davon eins der Kinder, positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Birgit Bär leitet den Krisenstab des Kreises.

Nach den Ermittlungen des Gesundheitsamtes sei auch in dieser Einrichtung wegen gruppenübergreifender Aktivitäten eine exakte Differenzierung der Kontaktpersonen ersten Grades und zweiten Grades aufgrund nicht mehr möglich.

Das habe zur Folge, dass die Einrichtung komplett für die Dauer der möglichen Inkubationszeit geschlossen und alle Kinder und Betreuer unter Quarantäne gesetzt werden beziehungsweise wurden.

Bis zum Erhalt der Testergebnisse hatte die Stadt Wermelskirchen, als Träger der Einrichtung, die Kindertagesstätte bereits vorsorglich am Freitag geschlossen. Das Gesundheitsamt weist in diesem Zusammenhang erneut darauf hin, dass gruppenübergreifende Angebote in Kindertageseinrichtungen in der augenblicklichen Situation „eher ungünstig“ seien. Denn im Falle einer Infektion bleibe dann im Zweifel keine andere Möglichkeit als für alle eine Quarantäne anzuordnen, um mögliche Infektionsketten zu unterbrechen.

Corona-Zahlen

Im Rheinisch-Bergischen Kreis sind am Montag laut Kreisgesundheitsamt 121 weitere bestätigte Corona-Fälle bekanntgeworden: 46 in Bergisch Gladbach, 13 in Burscheid, zehn in Kürten, neun in Leichlingen, fünf in Odenthal, zehn in Overath, 14 in Rösrath und 14 in Wermelskirchen. Es gelten zudem laut Meldung drei weitere Personen als genesen. 482 Personen sind aktuell insgesamt im Kreis laut Testungen mit dem Coronavirus infiziert. Es befinden sich 1027 Personen in Quarantäne, das sind 22 mehr als am Vortag.

Standpunkt: Fehler bleiben nicht aus

Von Anja Carolina Siebel

Wer dieser Tage ins Fernsehen, die Zeitungen oder die sozialen Netzwerke im Internet schaut, wird quasi überrannt von aktuellen Meldungen zum Coronavirus. Steigende Infektionszahlen, ein Wust an Regeln und Empfehlungen und Politiker, die selbst unsicher wirken, wie es denn nun weitergehen soll.

anja.siebel @rga-online.de

Es ist recht schwer, positive Nachrichten herauszufiltern. Aber es gibt sie. Zum Beispiel die, dass der Rheinisch-Bergische Kreis mit Gesundheitsamt und Krisenstab immer noch in der Lage ist, die Kontaktverfolgung bei positiv Getesteten aufzunehmen. 

Und: In den Krankenhäusern ist noch Platz für jene, die so schwer erkranken, dass sie intensivmedizinische Hilfe benötigen. Das sind in der Tat gute Nachrichten. Weniger erfreulich sind die Berichte der Eltern aus der Kita Heisterbusch, die quasi aus der Presse die Neuigkeiten zum Stand der Gesundheit und der Quarantäne ihrer Kinder erfahren mussten. Mit weiter steigenden Fallzahlen, mit denen zu rechnen ist, wird die Informationspolitik des Kreises sicher nicht besser. Aber es gibt eben auch keine Blaupause für die Pandemie. Allerorten passieren deshalb auch Fehler.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Polizei findet sieben Ecstasy-Tabletten bei Anglerin
Polizei findet sieben Ecstasy-Tabletten bei Anglerin
Krankenhaus veranstaltet einen Gelenktag
Krankenhaus veranstaltet einen Gelenktag
Krankenhaus veranstaltet einen Gelenktag
Fahrprüfungen: Wartezeiten sind zu lang
Fahrprüfungen: Wartezeiten sind zu lang
Fahrprüfungen: Wartezeiten sind zu lang

Kommentare