Radfahren

Klimatest: ADFC übt Kritik an Städten

Nicht überall fährt es sich für Radfahrer so komfortabel wie auf der Balkantrasse. Archivfoto: Roland Keusch
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Nicht überall fährt es sich für Radfahrer so komfortabel wie auf der Balkantrasse.
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Vorsitzende Sabine Krämer-Kox findet, dass noch viel zu wenig für die Radfahrer getan wird.

Von Anja Carolina Siebel

Die Stadtverwaltung Wermelskirchen, das möchte Sabine Krämer-Kox betonen, würde wenigstens auf Kritik von Radfahrern reagieren. Die Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Ortsgruppe Wermelskirchen und Burscheid, bezieht sich damit auf den Fahrradklimatest, der gerade bundesweit läuft. Bei Fahrradklimatest geht es darum, dass Bürger die Situation für Radfahrer in ihrer Stadt bewerten und auch konkrete Kritik an Missständen üben können.

„Wermelskirchen hat sich in der Vergangenheit wenigstens bemüht, zu handeln“, sagt Sabine Krämer-Kox. „Immerhin wurde 2017 eine Vorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr erstellt. Bei der Umsetzung hapert es dann aber irgendwie.“

Andere Verwaltungen würden indes überhaupt nicht reagieren – „zumindest bekommen wir da keine direkte Rückmeldung.“ 2021, das kündigt di Vorsitzende an, würde der ADFC in jedem Fall verstärkt das Gespräch mit den Verwaltungen suchen.

Für Sabine Krämer-Kox ist eigentlich das ganze Jahr über Fahrradsaison. Wenn die Balkantrasse nicht gerade völlig vereist ist, fährt sie mit dem Rad zur Arbeit und unternimmt auch in ihrer Freizeit Touren. Dabei fällt ihr so einiges auf, was auch in Wermelskirchen nicht gerade radfahrerfreundlich ist: Die Verbindungen nach Schloss Burg und über Finkenholl nach Dabringhausen zum Beispiel stellen für Radfahrer eine echte Gefahr dar.

Aktuell gebe es ein Problem an der Grüne Straße. Krämer-Kox: „Dort wird an der Straße gearbeitet, das entsprechende Schild steht aber auf dem Fahrrad- und Gehweg. Und das auch noch an einer Wegbiegung. Auch das kann vor allem im Dunklen für uns Radfahrer gefährlich werden.“

Vom Fahrradklimatest erhofft sich die ADFC-Vorsitzende vor allem einen Dialog.

Sie räumt indes ein: „Es gibt auch Dinge, die auf kommunaler Ebene nicht machbar sind. Manchmal sind zum Beispiel der Landesbetrieb Straßen NRW oder den Kreis verantwortlich. Und einige Dinge sind auch schlicht nicht zu verändern. Zum Beispiel die Unterbrechung der Trasse in Wermelskirchen. Die die Umgehungsstraße ist nun mal wichtiger und ein Radweg entlang der Umgehungsstraße wäre auch nicht mein persönlicher Favorit. Da fahre ich lieber durchs Städtchen.“

Noch rund sechs Wochen können Radfahrer teilnehmen

Noch rund sechs Wochen, genauer bis zum 30. November, haben Radfahrerinnen und Radfahrer bundesweit die Möglichkeit, am ADFC-Fahrradklima-Test teilzunehmen. Bei der Online-Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs werden alle zwei Jahre rund 30 Fragen zur Fahrradfreundlichkeit gestellt –beispielsweise, ob das Radfahren Spaß oder Stress bedeutet, ob Einbahnstraßen für Radverkehr geöffnet sind und ob sich das Radfahren auch für Kinder und Neuaufsteiger sicher anfühlt.

Der Test soll helfen, Stärken und Schwächen der Radverkehrsförderung zu erkennen, und wird vom Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur gefördert.

Die Stadt Wermelskirchen unterstützt die Aktion mit Ausschreibungen im Rathaus und auf der städtischen Internetseite. „Wir können leider dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht so viel werben und aktiv sein wie in den vergangenen Jahren“, sagt Mobilitätsmanagerin Daniela Zache. Sie unterstreicht aber, dass die Verwaltung die Ergebnisse des Fahrradklimatests durchaus ernst nehme.

„Beim letzten Mal haben wir die Ergebnisse ausführlich in den Gremien diskutiert“, berichtet die städtische Mitarbeiterin. „Natürlich müssen wir immer schauen, welche Anregungen wirklich öffentlichkeitsrelevant sind und welche eher individuell. Aber wir nehmen Kritik und Anregungen schon ernst.“ Als Beispiel für die Umsetzung von Anregungen nennt Zache die Aufbringung von Hinweis-Pfeilen, die den Radlern den Weg durch die Innenstadt weisen sollen.

Aktion

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und findet in diesem Jahr zum neunten Mal statt. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert den ADFC-Fahrradklima-Test im Jahr 2020 aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP).

Weitere Infos: fahrradklima-test.adfc.de

Standpunkt: Es gibt noch viel zu tun

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga-online.de

Es hat sich viel getan in den vergangenen Jahren. Während Radfahren noch vor kurzer Zeit im Bergischen ein eher unbeliebtes Hobby war, ist es seit Ausbau der Bahn- zu Fahrrad- und Freizeittrassen ein echter Dauerbrenner für die Bergischen geworden. Mit Entwicklung des E-Bikes in den vergangenen Jahren haben sich sogar die Senioren verstärkt ein Rad geschnappt und sind in der Region unterwegs. Das ist gut so. Befragungen wie der Fahrradklimatest zeigen indes, dass trotz viel positiver Entwicklung längst noch nicht alles eitel Sonnenschein ist für die Radler. Denn vor allem in den Innenstädten ist der Ausbau der Radwege noch nicht so vorangekommen, dass es für die Radfahrer nicht noch Strecken geben würde, die schlicht Gefahren bergen. Wenn sie eine der attraktiven Freizeitrouten nehmen möchten, müssen sie aber in den sauren Apfel beißen und auch an solchen Wegabschnitten langfahren. Das zeigt, dass es noch einiges zu tun gibt in der Entwicklung des Radverkehrs. Der Fahrradklimatest trägt dazu bei, dass das Radfahren im Gespräch bleibt und die Probleme der Radler nicht in Vergessenheit geraten.

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