Bühne

Kleine, frivole Auftritte im Café Hilde

Heiße Szenen im Café Hilde. Chloe will es modernisieren, der alte Staub soll weg.
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Heiße Szenen im Café Hilde. Chloe will es modernisieren, der alte Staub soll weg.
  • Susanne Koch
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Theater im Lager: Schauspielerinnen und Schauspieler studieren neues Varieté-Theater ein.

Von Susanne Koch

Die Bühne ist im Hintergrund mit goldenen, von der Decke herunterfallenden Lametta-Fäden geschmückt. Dunkles Rot dahinter setzt den Kontrapunkt. Es flittert und flirrt an allen Ecken und Kanten. Und Polstersessel geben dem Ganzen einen altmodischen Charme. Die kleinen runden und eckigen Tische sind eingedeckt. Serviererin Lizzie mit schwarzem Kleid, weißer Servierhaube und weißer Schürze geht durch die Reihen, bietet Kaffee oder Tee und frische, selbst gebackene Muffins an. Das Theater im Lager an der Wustbacher Straße 6 liegt mit seinen Proben in den letzten Zügen. Die erste Aufführung ist heute. Leider schon restlos ausgebucht.

Café Hilde 2.0 ist die Fortführung des Varieté-Theaters Café Hilde, das im vergangenen Jahr aufgeführt wurde. „Wir zeigen ihnen eine berauschende Nummer nach der nächsten, einen Höhepunkt nach dem anderen“, sagt Monika Barata, der kreative Kopf der altersgemischten Gruppe. „Wir sind froh, dass wir jetzt eine so bunte und altersdurchmischte Schauspieltruppe sind – mit 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.“ Die älteste – Röschen Herforth – feiert im November bereits ihren 95. Geburtstag, der Jüngste ist noch ein Teenager, vier Männer spielen mit. „Mir macht es hier unglaublichen Spaß“, sagt Röschen Herforth. Durch Zufall ist sie 2021 dazu gestoßen. „Das ist das erste Mal, dass ich schauspielernd auf der Bühne stehe“, sagt sie. „Früher habe ich lediglich auf Geburtstagen und anderen Festlichkeiten in meiner Familie etwas vorgetragen.“

Das Theater im Lager wird ehrenamtlich geleitet, alle spielen aus Spaß an der Freude mit. Und es ist für den Deutschen Nachbarschaftspreis 2022 nominiert. „Jetzt sind wir ganz gespannt, auf welchen Platz wir landen“, sagt Monika Barata. „Wir haben die Chance auf einen der Landes- und Themenpreise. Vergangenes Jahr haben wir uns über den dritten Heimatpreis des Landes Nordrhein-Westfalen gefreut. Alles, was bei uns an zusätzlichem Geld hereinkommt, geben wir wieder für unsere Proben und Vorstellungen aus.“

Heute werden alle Szenen durchgespielt. Die Schauspielerinnen und Schauspieler kleiden sich immer wieder um, warten dann auf ihren Auftritt. Das etwas angestaubte Café Hilde ist in der Nachkriegszeit hängengeblieben. Chloe will das ändern und verordnet allen mehr Glitzer an den Kostümen, kürzere Röcke, halt mehr Frivolität. „Wir müssen etwas tun“, sagt sie. Und Stück für Stück erlebt das Publikum wie die Hüllen immer weiter fallen.

Udo Lindenberg, mit kesser, schwarzer, langhaariger Perücke, ist ebenso unter den auf der Bühne Auftretenden wie Josefine Opitz als Milva, Udo und Sabine Enzmann als Cindy und Bert, Bill Ramsey, wunderbar parodiert von Leon Küster, Gitte, perfekt gespielt von Ingrid Richter, Nadine Röhrig als Trude Herr, Petra Möller als Wim Tölke mit „Ich wünsch mir ne kleine Miezekatze“, Jenny Hihn als Amy Winehouse und noch viele weitere entzückende kleine Musikstücke. Röschen Herforth ist in einer Zaubernummer zu sehen. Sehen Sie selbst.

Das Theater „Grenzfrei kreativ“ ist gemeinnützig. „Alle Rollen werden bei uns ehrenamtlich besetzt“, sagt Monika Barata. „Das Aufregende und Schöne ist, dass wir tatsächlich einen Generationenbogen schlagen.“ Das mache viele Nummern erst möglich. Die Schauspielerinnen und Schauspieler haben mit dem Stück im Frühling angefangen.

„Kleinigkeiten müssen wir noch verbessern“, sagt Monika Barata. „Aber Sie sehen selbst, dass es schon ein runder Bogen ist, den wir schlagen.“ Das Stück Café Hilde 2.0. zeigt, was ein Varieté kann: Beste Unterhaltung bieten. Und dabei ist es nicht nur ein Varieté, das gezeigt wird, sondern auch noch die Geschichte, die das Café Hilde selber schreibt. Aus dem 50er-Jahre-Etablissement soll nun ein moderneres, auch jüngere Menschen ansprechendes Café werden.

„Wir müssen etwas tun.“

Chloe, die mit ihrer Schwester das Café Hilde führt, und es entstauben will

Aufführungen

Die Aufführungen im September sind komplett ausverkauft. Es gibt aber noch eine Aufführung am dritten Samstag im November und weitere drei Aufführungen an jedem zweiten Samstag im Januar, im Februar und im März. Anmeldung unter Tel. (0 21 96) 8 35 37 oder (01 52) 37 12 59 89.

Standpunkt von Susanne Koch: Ein Gewinn für Menschen

susanne.koch@rga.de

Das Theater im Lager spielt nur mit ehrenamtlichen Schauspielerinnen und Schauspielern. Die engagierten Menschen haben dort ein kleines, aber feines Theater eingerichtet. Und sie erfreuen ab heute das Publikum mit „Café Hilde 2.0“. Es ist schön zu sehen, wie liebevoll jeder Gast begrüßt wird, wie die Varieté-Stücke fast professionell auf die Bühne gebracht werden. Und das von 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, darunter vier Männern. Die älteste Schauspielerin wird im November 95 Jahre, der jüngste Mime ist noch ein Teenager.

Das Team im „Theater Grenzfrei“ wechselt immer wieder die Darsteller. Jeder, der Lust hat und sich auf länger Proben einstellen möchte, ist willkommen. Auf jeden Fall ist das Theater im Lager ein Gewinn für die Menschen in Wermelskirchen. Sie bekommen etwas geboten, dass sie sonst so nicht zu sehen bekommen. Also sichern Sie sich die Karten für November oder Anfang nächsten Jahres.

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