Konzert

Klassik und Slapstick an einem Abend

Microband aus Bologna nahm ihr Publikum mit auf eine geniale Musikreise

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. Klassische Musik als Slapstick-Komödie? Wo gibt es sowas? Nun, am Freitagabend in der Katt, dargeboten von der Microband, dem Duo Danilo Maggio und Luca Domenicali, aus Bologna. In ihrem etwa 80-minütigen Parforceritt führten sie das Publikum einmal quer durch die Musikgeschichte, kommunizierten miteinander wie weiland Mr. Bean – also praktisch nicht verständlich – und agierten ansonsten wie zwei wildgewordene Comicfiguren mit ihrem bunten Sammelsurium aus Instrumenten. Halbierte Geigen und mit Geigenbogen malträtierte Trompeten inklusive.

Handlung gab es im Grunde genommen keine. Das war aber auch nicht nötig. Die bekannten Melodien, die mit jeder Menge Fantasie durch den Microband-Reißwolf gedreht wurden, genügten da vollkommen. Den Rest erledigte das komödiantische Talent. Wenn etwa der vor allem durch Jerry Lewis bekanntgewordene „The Typewriter“ gespielt wurde und Domenicali die eine Geige mit einer zweiten „strich“, weil Maggio ihm seine Geigenbögen geklaut hatte, dann war das pures Comedy-Gold. Genau wie der Moment, als sie Beethovens Fünfte auf einer Gitarre mit drei Händen in perfekter Synchronisation darboten.

Als Running Gag zog sich die wohl bekannteste Melodie des Schmusepianisten Richard Clayderman, „Ballade pour Adeline“, durchs Programm, die von Maggio immer wieder auf der Gitarre gespielt werden wollte, worauf sich sein Kollege indes partout nicht einlassen wollte. Dazwischen gab es Händel ebenso auf zwei Blockflöten wie Beethovens „Ode an die Freude“, dazu eine bislang unbekannte Komposition von „Johann Sebastian Lennon-McCartney“, eine großartig-kaputte Version des Ave Maria von Bach-Gounod und ein Exzerpt aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach auf gleich vier Blockflöten – jeder spielte eine mit der linken und eine mit der rechten Hand – eigentlich unvorstellbar.

Es war nicht nur hochvirtuos, sondern einfassreich dazu

Es blieb indes nicht nur klassisch: Rockkonzert-Flair kam auf, als sich aus einer Trommelorgie - wobei niemanden überraschen dürfte, dass die „Trommeln“ zwei Luftballons waren - Queens Gassenhauer „We Will Rock You“ mit einem großartigen Mundharmonikasolo entwickelte.

Doch was genau hatte das nun mit einer Slapstick-Komödie zu tun? Nun, es war nicht nur hochvirtuos - und extrem einfallsreich dazu -, was sich Maggio und Domenicali da hatten einfallen lassen. Es war auch körperbetonte Comedy, jede Bewegung war bewusst eingesetzt, jede zur Grimasse hochgezogene Lippe hatte ihren Sinn und zudem ergänzten sich die beiden Musiker in jeder Sekunde ihres hochkonzentrierten, und dabei doch ganz spielerisch und wie nebenbei dargebotenen Auftritts. Und wer immer schon mal wissen wollte, ob man auch auf einer über eine Schuhsohle gespannte Seite einen ungarischen Csárdás spielen kann, der wusste das am Ende dieses so unglaublichen wie faszinierenden Abends.

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