Betreuung

Kitas tauschen sich intensiv mit Eltern aus

Nur wenige Kinder gehen derzeit in die Kitas. Die Erzieher achten in der Notbetreuung noch eher auf das Kindeswohl. Fotos: Roland Keusch/Peter Klohs
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Nur wenige Kinder gehen derzeit in die Kitas. Die Erzieher achten in der Notbetreuung noch eher auf das Kindeswohl.

Notbetreuung belastet Mütter, Väter und Erzieher gleichermaßen – Kindeswohl steht aber weiterhin an erster Stelle.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Seit dem zweiten Lockdown befinden sich die acht Wermelskirchener Kindertagesstätten in der Notbetreuung. Damit einhergehen kann ein hoher Stressfaktor für Eltern, Kinder und Erzieher, weiß Barbara Frank, Leiterin des Amts für Bildung, Jugend und Sport. Außer manch einem gestressten Vater oder einer Mutter liefe der Ablauf in Wermelskirchen recht reibungslos.

Dafür sorgen vor allem die mehr als 100 Erzieher, die bei der Stadt angestellt sind. Sie alle gehen hoch verantwortungsbewusst mit dieser Situation um und haben eine Sensorik für die Kinder entwickelt. „So können auch Besonderheiten bei den jungen Schützlingen schnell festgestellt werden“, berichtet Barbara Frank und macht keinen Hehl daraus, dass dies im Extremfall auch Hinweise auf häusliche Gewalt sein können. „Das zeigen wir selbstverständlich sofort an.“

„Die Kinder sind total happy in der Kita. Das ist wirklich das kleinste Problem.“
Barbara Frank, Leiterin des Jugendamts

Den Erziehern sowie der gesamten Stadtverwaltung sei das Kindeswohl am wichtigsten. Der Austausch mit den Familien ist sehr intensiv. Es freut Barbara Frank besonders, dass die Erzieher deutlich spüren, wie wichtig sie sind. „Und zwar nicht nur jetzt, da uns Corona nervt.“ Und das Wichtigste: „Die Kinder“, führt sie weiter aus, „sind total happy in der Kita. Das ist wirklich das kleinste Problem. Das ist wirklich so, als würden wir im Normalbetrieb arbeiten.“

Barbara Frank, Leiterin des Jugendamtes, erklärt die Notbetreuung.

Dabei kann die Notbetreuung nur einen kleinen Teil dessen leisten, was sonst in den Wermelskirchener Kitas getan wird. Frank weist auf die Stundenreduzierung hin, die eine reibungslose und möglichst stressfreie Notbetreuung garantieren soll. „Die Eltern buchen bei uns zwischen 25 und 45 Wochenstunden, in denen wir die Kinder betreuen. Zur Zeit werden diese gebuchten Stunden um zehn pro Woche reduziert. Eine Notbetreuung kann nur so funktionieren.“ Übrigens: Die Stadt muss in der Corona-Krise immer eine Notbetreuung einrichten. „Dazu sind wir als Kommune verpflichtet“, weiß Barbara Frank. Es wird vonseiten der Stadt aber nicht überprüft, ob die Familien, deren Kinder notbetreut werden, darauf angewiesen sind, ob zum Beispiel beide Elternteile arbeiten müssen und keine andere Möglichkeit der Betreuung besteht.

Stefan Görnert, 1. Beigeordneter, lobt die Wermelskirchener.

„Und wenn das so ist“, sagt Stefan Görnert, 1. Beigeordneter, Dezernent und Mitglied im Verwaltungsvorstand der Stadt, „dass es manche Eltern gibt, die ihr Kind in die Notbetreuung geben, weil sie ihre Ruhe haben wollen, muss das doch nicht schlecht sein. Diese Kinder erfahren dann für Stunden eine ordentliche Betreuung in unseren Kitas. Dadurch schöpfen die Eltern vielleicht auch zusätzliche Kraft.“

Kraft, die manche Eltern unbedingt im zweiten Lockdown brauchen. Barbara Frank: „Das ist schon eine extreme Situation für manche Eltern. Einige sind hoch belastet durch Vollzeitjobs, die auch nicht ohne Stress ablaufen. Und es wird, je länger der Lockdown andauert, leider nicht besser. Was so belastend ist, ist die Perspektivlosigkeit. Wie man es auch dreht und wendet: Die Ziellinie ist – noch – nicht zu sehen. Das zermürbt manche.“

Daher stellen hin und wieder die Erzieher eine gewisse Gereiztheit bei den Eltern fest, die – vermutet Barbara Frank – durch Kurzarbeit oder durch viel Stress verursacht worden ist. Oder eben durch die mangelnde Perspektive. „Aber das ist nicht die Regel. Die allermeisten Eltern zeigen sich dankbar. Verständnisvoll und dankbar.“

So hat es auch Stefan Görnert erlebt. „Wir bekommen sehr viel verständnisvolle Reaktionen der Menschen, obwohl der Lockdown die Wermelskirchener schon hart trifft. Im ersten Lockdown hatten wir unsere Kitas alle geschlossen. Das ist jetzt anders. Aber die Reaktionen der Kinder werden wir erst später bemerken. Wir sind der Pandemie müde, aber das geht ja vielen, wenn nicht gar allen so.“

Sollte es möglich sein, die Kitas von heute auf morgen wieder im Normalbetrieb arbeiten zu lassen, stehen die kommunalen Kitas bereit. „Das ist möglich“, sagt Stefan Görnert. „Schlimm war das Schließen der Kitas. Die Herstellung des normalen Status wäre dagegen eine Freude.“ 

Standpunkt

leon.hohmann@rga-online.de

Ein Kommentar von Leon Hohmann

Der Job, den die Erzieher täglich ausüben, war schon immer ein wichtiger. Schließlich lernen die Kinder in den Kindertagesstätten so viel Wertvolles, was sie das ganze Leben prägen wird. Insofern ist es angesichts der manchmal geringen Wertschätzung für ihre Arbeit und der geringen Bezahlung zumindest ein kleiner Trost, dass sich in der Corona-Krise gezeigt hat, wie wichtig die Erzieher für uns als Gesellschaft und insbesondere für die Kinder sind. Deutlich wird das unter anderem daran, dass die Kinder in der Notbetreuung weiterhin glücklich sind. Und Jugendamtsleiterin Barbara Frank sagt: „Das ist wirklich so, als würden wir im Normalbetrieb arbeiten.“ Noch mehr müsste aber in den Vordergrund rücken, welche Verantwortung die Erzieher tragen und was sie alles leisten. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass sie versuchen, im Lockdown das Angebot so gut es geht aufrecht zu erhalten, und dabei auch eine besondere Sensorik für die Kinder entwickeln: Sie schützen die Kinder vor negativen Einflüssen der Krise, zu viel Stress im Lockdown – und im schlimmsten Fall auch vor häuslicher Gewalt.

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