Kampagne gegen sexuellen Missbrauch

Kirmes: Stadt will Mädchen schützen

Im dichten Gedränge sollen sich Frauen und Mädchen nicht bedroht fühlen.
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Im dichten Gedränge sollen sich Frauen und Mädchen nicht bedroht fühlen.

Mit der Kampagne „Luisa ist da“ sollen sexuelle Übergriffe verhindert werden.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. „Luisa ist hier“ ist eine vielleicht noch nicht weitreichend bekannte bundesweite Kampagne für den Schutz von Frauen und Mädchen gegen Missbrauch und Belästigung. Ziel der Aktion, die seit 2016 oft in Bars und Clubs angeboten wird, ist es, Menschen, die sexuell belästigt werden, schnell und unkompliziert Hilfe anzubieten. Der Code „Ist Luisa hier?“ wurde für die Kampagne gewählt, um die Hemmschwelle zu senken, in einer solchen unangenehmen Situation nach Hilfe zu fragen. Und die ist dann bei den Unterstützern auch sofort zur Stelle.

Die Stadt Wermelskirchen wird jetzt offiziell Teil dieser Kampagne gegen sexuellen Missbrauch. Denn mit der Frage „Ist Luisa hier?“ können sich Mädchen und Frauen auch zur Herbstkirmes an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wenden, wenn sie belästigt werden. Auf die Frage „Ist Luisa hier?“ werde ihnen dann umgehend und ohne Rückfragen geholfen, heißt es in einer Mitteilung.

Personal kann von Betroffenen angesprochen werden

Zum Einsatz kommt das Konzept erstmals vom 25. bis 30. August in der Stadt. „Die Sicherheit von Frauen und Mädchen liegt uns sehr am Herzen“, sagt Bürgermeisterin Marion Lück, auf deren Initiative die Kampagne nun eingesetzt wird. „Luisa ist hier“ sei ein sinnvolles und niedrigschwelliges Projekt, das in Wermelskirchen schon seit 2019 etabliert sei. Lück: „Neu ist in diesem Jahr, dass wir mit Plakaten und großen Beach Flags an den Ständen des Deutschen Roten Kreuzes auf das Hilfsangebot aufmerksam machen.“

Frauen und Mädchen, die sich durch obszöne Sprüche, aufdringliche Blicke oder unangemessenen Körperkontakt sexuell bedrängt fühlen, können sich mit der Frage „Ist Luisa hier?“ an die beiden Stationen des Roten Kreuzes wenden. Diese befinden sich am Schwanenplatz und der Telegrafenstraße auf Höhe der Stadtsparkasse und sind durch große Flaggen gekennzeichnet. An beiden Ständen sei geschultes Personal im Einsatz, das von den betroffenen Frauen und Mädchen vertrauensvoll angesprochen werden könne, heißt es vonseiten der Stadtverwaltung. Auch in der „Kattwinkelschen Fabrik“ und in der Centrale sei bereits bekannt, warum nach Luisa gefragt werden könnte.

Die Initiatoren der Kampagne betonen, dass das Besondere an der Kampagne sei, dass im Ernstfall nicht viele Erklärungen notwendig seien. Die drei Worte würden leicht über die Lippen gehen, seien auch in lauter Umgebung zu verstehen und würden kein Aufsehen erregen. Unterstützung für die Betroffenen könne dann etwa darin bestehen, sie zum Auto oder Taxi zu geleiten, eine vertraute Person anzurufen oder die Polizei zu verständigen.

Mitarbeiter des Roten Kreuzes sind geschult

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Roten Kreuzes, Ortsgruppe Wermelskirchen, wissen dann umgehend, was zu tun ist. Denn bereits im Jahr 2019 wurden sie durch die Beratungsstelle Frauenzimmer e.V., der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt für den Rheinisch-Bergischen Kreis, zu „Luisa ist hier“ geschult. 2020 wurde Luisa auch schon beim Karneval in Dabringhausen eingesetzt. An den fünf Kirmestagen sind die beiden Stände des DRK Anlaufstellen für junge Mädchen und Frauen. Zusätzlich würden auch die Schaustellerinnen und Schausteller sowie das Security-Personal der Kirmes während der Aufbauphase der Kirmes für die Kampagne sensibilisiert, kündigt die Verwaltung an.

Die Entscheidung, das Konzept einzusetzen, kommt nicht von ungefähr. Bundesweit wurden in den vergangenen Monaten auf Volksfesten und Kirmesveranstaltungen vermehrt sexuelle Übergriffe gemeldet. Zuletzt musste die Polizei auf der Kirmes in Radevormwald vermehrt Anzeigen schreiben, weil es sexuelle Übergriffe auf Mädchen gegeben hatte.

Allen Kooperationspartnern (DRK, Frauenzimmer e.V. und die Stadt Wermelskirchen) sei es „ein dringendes Anliegen, dass bei der Herbstkirmes in Wermelskirchen unbeschwert gemeinsam gefeiert werden kann“, heißt es.

Kampagne

„Luisa“ wurde in Deutschland als Projektname für die Kampagne gewählt, da er die „Kämpferin“ bedeutet und Frauen in Notsituationen Mut geben soll. Mehr Informationen zum Thema gibt es im Internet unter: luisa-ist-hier.de

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Für einige sehr sinnvoll

anja.siebel@rga.de

Es gibt sicher Frauen, die lassen sich nicht so leicht einschüchtern. Sie haben gelernt, sich zu wehren und nur das zuzulassen, was sie auch möchten. Und entsprechend werden sie laut und bestimmt, wenn ihnen jemand zu nahe tritt. Aber es gibt auch Frauen und vor allem Mädchen, die das nicht so gut können, die sich eher eingeschüchtert und verängstigt fühlen, wenn ein körperlich überlegener Mann sie bedrängt. Für diese Frauen ist die Kampagne „Luisa ist da“ sicher hilfreich und sinnvoll. Beispiele wie jüngst die Kirmes in Radevormwald, bei der es laut Polizei gleich mehrere Fälle sexueller Übergriffe gegeben hatte, zeigen, dass es durchaus sinnvoll ist, Unterstützer zur Seite zu stellen, damit feiern für alle unbeschwert möglich ist. Zur Kirmes in Wermelskirchen stellen die dafür Helfer des Roten Kreuzes bereit, die extra dafür ausgebildet wurden. Im Grunde schade, dass es nötig ist, aber gut, dass sie im Notfall für die Betroffenen da sind.

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