Kirchenkreis Lennep verzeichnet starke Verluste

„Jeder Kirchenaustritt tut weh“: Superintendentin Antje Menn will dazu beitragen, den Mitgliederschwund zu bremsen. Foto: Roland Keusch
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„Jeder Kirchenaustritt tut weh“: Superintendentin Antje Menn will dazu beitragen, den Mitgliederschwund zu bremsen.

Zum Verbund gehören die Evangelischen Kirchengemeinden Wermelskirchen, Dhünn, Dabringhausen und Hilgen-Neuenhaus

Von Andreas Weber

Seit zehn Jahren verlieren die evangelischen Kirchengemeinden in erheblichem Maße Mitglieder. 2021 haben sich im Kirchenkreis (KK) Lennep 667 Gläubige abgemeldet, 487 waren es im Jahr davor. Rechnerisch liegt der Schwund bei 1,4 Prozent der insgesamt 58 208 Gemeindeglieder. Ein Wert, der zwar im Schnitt der Evangelischen Kirche Rheinland (EKiR) liegt, trotzdem alarmiert. „Jeder Kirchenaustritt tut weh und lässt mich überlegen, was wir möglicherweise falsch gemacht haben und wie wir mehr Bindungskraft gewinnen“, so Superintendentin Antje Menn.

„Wir müssen noch näher dran sein an den Menschen.“

Antje Menn, Superintendentin

EKiR-Erhebungen belegen, dass der finanzielle Aspekt beim Austritt die größte Rolle spielt. Neun Prozent der Lohn- und Einkommenssteuer in NRW fließt monatlich an die Kirche. Im Schnitt zahlen Protestanten 278 Euro im Jahr, hat das Institut der deutschen Wirtschaft ermittelt. Auch im KK Lennep gilt: „Wir müssen intensiver darüber aufklären, was mit der Kirchensteuer geschieht“, fordert Antje Menn.

Dabei nennt die Pfarrerin das soziale Engagement, die Investition in Bildung, Jugendarbeit, Kirchenmusik, Personal und in Gebäude und Gemeindezentren. Bei Letzterem fügt sie hinzu: „Dieses sind ja nicht nur Steine, sondern Orte der Begegnung.“ Nachdem sich Protestanten beim Amtsgericht gegen Zahlung von 30 Euro abgemeldet haben, erkennen viele im Nachhinein dennoch an, dass die Kirche auch Gutes tue, für andere da ist. „Nur bringt man diesen Solidaraspekt nicht in Verbindung mit sich selber“, so Menn.

Das Positionspapier „EKiR 2030“ setzte vergangenes Jahr dort an, wo die Abgänger ihre Unzufriedenheit mit der Institution äußerten. Tiefgreifende Veränderungen sollen die Kirche zukunftsfähig machen. Kirche müsse näher dran sein an den Menschen, mehr Besuche machen und digitale Formate stärken. Gerade die Klientel zwischen 25 und 40 Jahren wendet sich ab.

Besonders schmerzlich für die Verantwortlichen ist, dass 15 Prozent der Aussteiger den Glauben an Gott verloren haben wollen. In einer Studie der evangelischen Kirche Deutschland (EKD) heißt es: Rund 55 Prozent seien nie richtig mit dem Glauben vertraut gemacht worden und deshalb ausgetreten. Menn dazu: „Wir müssen uns die Frage stellen: Was kann Glaube an Halt, Orientierung und Trost geben? Wenn Menschen austreten, bekommen wir den Spiegel vorgehalten und müssen uns überlegen, wo wir die Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes in die Herzen bekommen.“

Als Beispiel nennt sie den „Kirchenmorgen“, der über Pfingsten (3. bis 5. Juni) an elf Orten in Solingen als „Werkstatt“ stattfinden wird und bewusst die Zweifler in den Gemeinden einbeziehen will mit Ideen und Visionen für eine „Kirche von morgen“. Der Kirchenkreis Lennep tritt als Kooperationspartner auf.

Eine EKD-Studie hatte 2019 prognostiziert, dass sich die Mitgliederzahlen bis 2060 halbieren. „Mit den momentanen Verlusten würde das bei uns im Kirchenkreis tatsächlich prognostisch so eintreffen.“ Dabei spielen nicht nur monetäre Gründe und eine verfehlte Kirchenpolitik eine Rolle. „Denn der demografische Wandel trifft auch uns. Aber auch als kleiner werdende Kirche leben wir aus dem Glauben und der Hoffnung für diese Welt.“

Kircheneintritt

2021 verzeichnete der evangelische Kirchenkreis Lennep 56 Neu- und Wiedereintritte. Im Gegensatz zum Austritt, der beim Amtsgericht für 30 Euro dokumentiert werden muss, ist die Aufnahme kostenlos. Die Rote Bank ist hier die Kircheneintrittsstelle. Sie steht in der Stadtkirche Remscheid am Ambrosius-Vaßbender-Platz. Dienstags und donnerstags wird sie von Friedhelm Krämer betreut. Er informiert über den Kircheneintritt und führt ihn auf Wunsch auch direkt aus.

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