Krise

Kirchengemeinden müssen Energie sparen

Gut möglich, dass sich die Türen der Stadtkirche künftig nur noch zu ausgewählten Terminen öffnen.
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Gut möglich, dass sich die Türen der Stadtkirche künftig nur noch zu ausgewählten Terminen öffnen.

Im Gottesdienst wird es kälter – Verlegungen sind möglich.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Es dürfte teuer werden: Das gilt auch für die Kirchengemeinden mit Blick auf die Energiepreise. „Wir hängen noch ein bisschen in der Luft“, sagt Pfarrer Volker Lubinetzki, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde in Wermelskirchen. „Aber wir gehen von einer Kostensteigerung von 200 bis 300 Prozent aus.“. Auch deswegen berät das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde über Möglichkeiten, im Herbst und Winter Energie zu sparen.

„Wir sehen zwei Möglichkeiten“, sagt Pfarrer Lubinetzki. Erstens werde die Grundtemperatur heruntergedreht. Die Evangelische Kirche im Rheinland empfehle 19 Grad. Gleichzeitig sei es an der Gemeinde, die Raumnutzung zu überdenken. Dann würden ganz pragmatische Entscheidungen fällig: Welche Gruppen können womöglich zusammengelegt werden? Wo sind Terminverschiebungen möglich, um nur einmal heizen zu müssen?

Die zweite Möglichkeit, um erhebliche Energieeinheiten einzusparen, ergibt sich beim Blick auf die Stadtkirche. Eine Idee ist, in den kalten Wochen auf das Konzept der Sommerferien zurückzugreifen: Statt in jeder der vier Predigtstätten am Sonntag Gottesdienst zu feiern, bot die Gemeinde einen Gottesdienst pro Sonntag an – mit Fahrservice und besonderem inhaltlichen Konzept. „Dann würden wir zum Beispiel vier Wochen lang sonntags jeweils nur an einer Predigtstätte Gottesdienst feiern“, sagt Lubinetzki, „Stadtkirche, Hünger, Tente oder Eipringhausen.“

Rücklagen würden für einen Winter reichen

Eine zweite Idee ist in der Evangelischen Kirchengemeinde in Wermelskirchen ebenfalls bereits erprobt: Der Sonntagsgottesdienst könnte aus der Stadtkirche in das Gemeindezentrum verlegt werden. „Das hat schon in der Vergangenheit funktioniert“, sagt Lubinetzki, „und hat auch originelle Ideen befördert.“ Auch in Hünger sei die Verlegung des Gottesdienstes aus der Kirche ins Gemeindehaus denkbar. Eipringhausen und Tente seien ja ohnehin eher wie „Wohnzimmer“ – dort wird Gottesdienst in den Gemeindehäusern gefeiert. Und wenn es trotzdem richtig teuer wird? „In so einer Situation bleibt uns dann nicht anderes übrig, als ein Griff in die Rücklagen“, sagt Lubinetzki, „für einen Winter würden wir das auch überleben.“ Allerdings befinde sich die Gemeinde auch schon mitten in einem Prozess, der ein langfristiges Energiekonzept hervorbringen soll: Die Evangelische Landeskirche hat diesen Prozess mit neuen Vorgaben zum Klimaschutz angestoßen – lange bevor die Energiepreise stiegen. Gemeinden müssen zum Beispiel ihre Gebäude unter die Lupe nehmen und neue Ideen entwerfen.

Ähnlich geht es der Katholischen Kirchengemeinde in Wermelskirchen. „In der Kirchenvorstandssitzung haben wir entschieden, der Empfehlung des Erzbistums zu folgen“, informierte Pfarrer Michael Knab. Das Erzbistum Köln hat jüngst eine Energieeinsparkampagne auf den Weg gebracht: „Eine unserer dingenden Empfehlungen ist das Ausschalten der Kirchenheizung in den kommenden Monaten“, heißt in der Handlungsempfehlung, der auch die Gemeinden St. Michael und St. Apollinaris nachkommen werden. Knab geht von Temperaturen um die fünf bis sieben Grad aus, die dann in den Kirchen herrschen. Frostschutz sei gewährleistet. Man müsse aber die Luftfeuchtigkeit im Auge behalten, damit Kirche und Orgel unbeschadet aus dem Winter hervorgehen können.

Und für die Gottesdienstbesucher wird es bedeuten: Warm anziehen. „Natürlich fällt uns das alles nicht leicht und ich bin auch nicht glücklich darüber“, sagt Knab. Aber es gebe nun eben Handlungsbedarf – sowohl mit Blick auf die Kostenentwicklung als auch auf den bundesweiten Aufruf zum Gassparen. „Und wenn wir eine Kirche nicht heizen, dann ist das schon eine bedeutende Sparleistung“, erinnert Knab. Ob Gottesdienste in den kalten Wintermonaten womöglich ins Pfarrgemeindezentrum verlegt werden? „Das kann ich nicht ausschließen“, sagt Knab. Dort würde künftig auf 19 Grad geheizt.

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