Kinderstadt

Kinder feiern tolles Abschlussfest

Und noch einmal reißen sie miteinander die Arme hoch: Rund 150 Kinder verabschieden sich.
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Und noch einmal reißen sie miteinander die Arme hoch: Rund 150 Kinder verabschieden sich.

Auf dem Gelände der Kattwinkelschen Fabrik ging die Kinderstadt 2022 zu Ende.

Von Tanja Alandt

Wermelskirchen. Kinderstadt ade: Am Samstag bedankte sich die Kinderstadt-Bürgermeisterin am Tag der Abschluss-Präsentation in ihrer Rede bei den Betreuern, die das zweiwöchige Projekt so gut angeleitet hatten. Sie dankte ebenfalls den Kindern, die an der Kattwinkelschen Fabrik draußen im Halbkreis vor ihr saßen: „Es war einfach toll für mich!“, sagte Naja Strelow.

Sie schwärmte von dem „tollen Ort“, an dem „so viele Kinder“ waren und „es viel Spaß gab“ und sie „viel gemacht und gelernt“ hatten. Sie hob zudem die Wasserschlachten, aber auch das leckere Essen hervor. Die Kinder applaudierten ihr lautstark zu – ebenfalls die Eltern, Großeltern und Geschwister, die drumherum standen oder auf den Bänken saßen. Die Wermelskirchener Bürgermeisterin Marion Lück betonte ebenfalls, welch grandiosen Job die Betreuer geleistet hätten. Außerdem lobte sie die „alten, erfahrenen Hasen“ sowie die „neuen“.

Nachdem die jungen Tänzer und Tänzerinnen sowie musikalischen Stars aufgetreten waren, gab es einen gemeinsamen Tanz von allen, und die zahlreichen Besucher verteilten sich anschließend über das gesamte Gelände. Am Tag der Abschluss-Präsentation gab es überall etwas zu entdecken, und die Kinder führten die Erwachsenen durch ihr Reich.

Bank-Azubi hatte am letzten Tag richtig Stress

Bank-Azubi Denis Reschke hatte richtig Stress in seiner Bank-Filiale, den Kinderstadt-2022-Bürgern am letzten Tag ihr Restgeld herauszugeben oder gleich ihr gesamtes Konto aufzulösen. Denn zur zukünftigen Kinderstadt 2023 müssen die Konten wieder neu eröffnet werden. Somit verprassten die Kinder am letzten Tag ihr übriggebliebenes und mit viel Freude verdientes Geld. Doch viele Katt-Taler blieben ihnen von ihrem Gehalt abzüglich der Steuern und wegen der Kosten für gebuchte Ausflüge wie beispielsweise zur Feuerwehr und zur DLRG ohnehin nicht mehr. Es reichte in der Regel noch für einen Metall-Kegel oder ein Vogelhäuschen. Diese wurden natürlich in der Kinderstadt handgemacht.

Beim Kinderstadt-Kanal gab es außerdem QR-Codes zu kaufen, mit denen die Kinder Videomaterial mit Interviews und anderen schönen Erinnerungen erhielten. Unter anderem hatten sie zwei Gruselfilme produziert. Gruß- und Abschiedskarten sowie Gedichte standen zum Verkauf, die die Kinder zuvor während des Projekts mit der dazugehörigen Künstlerin durch Kartoffel- oder Blätterdruck verziert hatten. Melissa Möllering erzählte, dass sie bereits zum vierten Mal als Betreuerin bei dem „supertollen sozialen Projekt“ dabei ist. Sie findet es interessant, wie sich die Kinder ihre Stadt gestaltet haben. Man habe gemerkt, wie gut es ihnen tut, wieder mit so vielen anderen Kindern zusammen zu sein, betonte Möllering. Auch von ihr verabschiedeten sich viele Kinder und erkundigten sich, ob sie nächstes Jahr wieder dabei ist.

Der zwölfjährige Nik war traurig, dass er 2023 nicht mehr dabei sein kann: Er ist dann zu alt. Es war seine vierte Kinderstadt. Bei der Bank hatte er sich seine Katt-Taler verdient; zudem hatte er für das Kino-Programm gesorgt.

Die siebenjährige Ekatherina malte gerne Blumen und arbeitete viel mit Ton. Auch Emma möchte nächstes Jahr wiederkommen. Sie hat im Tonstudio gesungen.

Mayte Jakstait, die Mutter von Micki sowie Patentante von Thea, war von dem Angebot wie beispielsweise Podcast und Schlagzeug begeistert: „Die Betreuer holen wirklich alles aus den Kindern raus. Wann hat man denn sonst die Möglichkeit, so viel zu machen und zu lernen?“

Seit sieben Jahren leitet Kolja Pfeiffer das Kinderstadt-Projekt für sechs bis zwölfjährige Kinder. Er war froh, dass es endlich wieder stattfinden konnte. „Zwei oder drei Jahre sind für Kinder eine lange Zeit“, sagte er über die coronabedingte Pause.

Kinderstadt

Bei dem Spielprojekt gibt es eine eigene Währung und ein eigenes System. Auch eine Bürgermeisterin oder ein Bürgermeister wird von den Kindern gewählt. Es gibt, wie in einer richtigen Stadt, beispielsweise eine Bank, eine Bäckerei, ein Reisebüro, ein Musikstudio, ein Kosmetiksalon sowie einen Holz– und Metallbetrieb. Diese Werkstätten und Bereiche werden von Betreuern angeboten, die in diesen Bereichen auch außerhalb der Kinderstadt Experten sind.

Standpunkt von Nadja Lehmann: Spielerisch testen

nadja.lehmann@rga.de

Sich einmal zu fühlen wie die Großen, das ist keine schlechte Sache. Die Kinderstadt macht´s möglich. Sie ermutigt Kinder, etwas zu machen, etwas zu wagen. Sie eröffnet Freiräume, in denen sich die Kids gefahrlos ausprobieren dürfen. Ohne Angst vor schlechten Noten. Ein geschützter Raum, der für die Entwicklung wichtig ist. Denn dort kann jeder und jede auch erleben, dass Gemeinschaft Sinn macht. Dass man zusammen stärker ist. Die Kinderstadt hat vielen schmerzlich gefehlt. Wie sehr, hat man vielleicht erst jetzt gemerkt, nachdem sie wieder zurück ist. Hier können Kinder ihre ganz eigenen Erfahrungen machen, fernab der Eltern. Können auf eigenen Beie stehen und die Welt der Großen – vom Geldinstitut bis zur Rathausverwaltung – spielerisch testen. Um es dann später vielleicht ganz anders zu machen als wir. Und das ist schließlich nie verkehrt.

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