Prozess

Kein Nachweis für eine Unfallflucht

Einziger Zeuge konnte Angeklagten nicht als Verursacher identifizieren.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. Unfallflucht ist eine schwer nachzuweisende Tat. Denn entweder hat man einen Unfall, wird dabei beobachtet oder es gibt einen Geschädigten, der vor Ort war. Dann fällt den wenigsten Menschen ein, einfach so davonzufahren. Oder man fühlt sich unbeobachtet – und verschwindet. Dann kommt es auf Zeugen an. Doch gibt es die nicht – und das Verantwortungsgefühl des Verursachers ist so minimal ausgeprägt, dass nicht die Polizei gerufen wird -, dann wird es fast unmöglich, einen Unfall nachzuweisen – zum Ärger des Geschädigten.

Ein 60-jähriger, gebürtiger Hückeswagener, der schon lange in Niederkassel lebt, musste sich wegen eines solchen Falls vor dem Amtsgericht verantworten. Er soll  am 22. Dezember 2021 gegen 17 Uhr mit seinem BMW an der Wilhelm-Idel-Straße beim Ausparken gegen einen geparkten Wagen gestoßen sein, das aber nicht gemeldet – und einen Schaden von 1700 Euro verursacht haben. Gegen den entsprechenden Strafbefehl hatte der 60-Jährige Einspruch erhoben, der Fall wurde nun vor dem Amtsgericht verhandelt – zum Tatvorwurf wollte er sich aber nicht äußern.

Angeklagter will sich nicht äußern

Damit war es am einzigen Zeugen, Licht ins Dunkel zu bringen. Ein 62-jähriger Angestellter aus Wermelskirchen hatte an diesem Tag in der Nachbarschaft an seinem Auto gearbeitet. „Ich war am Kofferraum zugange, als ich ein sehr lautes Geräusch hörte, das wie das Aufeinanderprallen von Kunststoff klang. Ich habe aufgeblickt, aber nur gesehen, dass ein weißes Auto neben dem geparkten Wagen der Nachbarn stand. Es sah nach einem Unfall aus. Der Fahrer des weißen Autos ist ausgestiegen, zu dem geparkten Wagen gegangen, dann wieder zu seinem zurück“, sagte der Zeuge. Er habe noch gerufen: „Das hat aber ganz schön geknirscht“, so der Zeuge, worauf der andere geantwortet habe, dass aber nichts passiert sei. „Dann ist er weggefahren. Ich habe mir sicherheitshalber das Nummernschild gemerkt“, sagte der 62-Jährige. Wenig später sei die Halterin des geparkten Wagens gekommen, dann wurde die Polizei gerufen.

Ob er denn den Angeklagten als den Fahrer jenes Nachmittags erkennen würde, fragte der Richter. „Nein, er war zu weit weg. Ich kann nur sagen, dass ein Mann aus dem weißen Wagen gestiegen ist. Ich könnte nicht sagen, dass es der Angeklagte war“, erklärte der Zeuge.

Da auch der Angeklagte sich nicht äußern wollte, blieb der Staatsanwältin letztlich nichts anderes übrig, als den Freispruch zu fordern. „Wir können dem Angeklagten nichts nachweisen“, sagte sie. Dem schlossen sich auch der Verteidiger des 60-Jährigen und der Vorsitzende Richter an, so dass der Angeklagte den Saal als freier Mann verlassen konnte.

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