Sportausschuss

Kein Fördergeld fließt ins Hallenbad

So könnte das neue Bad einmal aussehen. Doch ob die Stadt dafür finanzielle Hilfen bekommt, ist weiter unklar. Foto: Architekturbüro Blass
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So könnte das neue Bad einmal aussehen. Doch ob die Stadt dafür finanzielle Hilfen bekommt, ist weiter unklar.
  • Markus Schumacher
    VonMarkus Schumacher
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Sportausschuss: Wermelskirchen kommt bei Investitionsprogrammen nicht zum Zuge

Wermelskirchen. Ein bisschen wie ein begossener Pudel wirkte Hartwig Schüngel im Sportausschuss. Der Leiter des Gebäudemanagements musste den Kommunalpolitikern nämlich erklären, welche Fördermittel für den geplanten Neubau des Hallenbades zur Verfügung stehen. Und die Antwort ist: wahrscheinlich kein Tropfen.

„Wir haben die Fördermittel im Oktober beantragt“, erklärte Schüngel, „und es gibt noch keine endgültige Absage. Wir wissen aber, dass es wohl nichts gibt.“ Doch man sitze nicht auf dem Trockenen, sondern habe noch einen Plan B: „Wir bemühen uns bereits um Geld aus anderen Programmen.“ Auch stehe man in Kontakt zu einem Fachbüro. Das Ziel sei klar: Noch in diesem Jahr soll ein neuer Förderantrag gestellt werden.

Knochentrocken waren auch die Erläuterungen von Bürgermeisterin Marion Lück: „Wir haben gut und richtig gearbeitet. Aber diese Programme sind einfach zigfach überzeichnet.“ Jenes zum Thema Bäder sei 17-fach überzeichnet. In gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis habe niemand etwas bekommen. Remscheid sei für sein Freibad bedacht worden, erklärte Lück. „Aber wir geben nicht auf“, versicherte die Bürgermeisterin. Träume hatte auch Ausschussvorsitzender Karl-Heinz Wilke (CDU) bei dem Thema nicht. Aber er erklärte: „Zur Not bauen wir das Hallenbad eben ohne Fördermittel.“ Ursprünglich sollte der Baubeginn des neuen Hallenbades Anfang vergangenen Jahres sein . . . Für die finanzielle Realisierung des Hallenbads strebte die Stadt Wermelskirchen eine Förderung durch das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ an.

Eine kräftige Gegenströmung erlebte Harald Drescher, als er über die Pflege und Instandhaltung der Bolzplätze berichtete. Der Leiter des Tiefbauamtes erklärte nämlich nur, dass es in Wermelskirchen 80 Spielplätze gebe, davon seien 18 Bolzplätze, die vom riesigen Rasen- bis hin zum kleinen Splittplatz reichten. Diese würden auch wie alle Spielplätze regelmäßig geprüft und dann auch regelmäßig gepflegt.

Das reichte den mit allen Wassern gewaschenen Ausschussmitgliedern nicht: „Wir brauchen eine Auflistung, in der steht, welcher Platz in welchem Zustand ist und wann er gegebenenfalls ausgebessert wird“, erklärte Norbert Galonska (SPD). Eiskalt wurde Frank Kaluscha (Bündnis 90/Die Grünen): „Den Platz im Eifgen habe ich selbst genutzt und ich muss sagen: Viel Pflege habe ich da nicht gesehen.“ Am Hagener Berg kämen sogar Steine durch, spritzte ein anderes Mitglied dazwischen. Drescher versprach, man werde sich kümmern, sobald die Personallage dies wieder zulasse. Und in der nächsten Ausschusssitzung soll es auch eine detaillierte und wasserdichte Vorlage dazu geben, darauf bestand Karl-Heinz Wilke.

„Wir sind nicht berücksichtigt worden.“

Hartwig Schüngel, Leiter des Gebäudemanagements

Nochmals im Regen stand Hartwig Schüngel, als er über das Förderprogramm „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten“ des Landes NRW berichtete. Denn: „Wir sind nicht berücksichtigt worden“, musste er mitteilen. Wieder sprang Marion Lück zu ihm ins kalte Wasser: „Es standen darin 7,5 Millionen Euro zur Verfügung - und 160 Millionen wurden beantragt.“ Nur Burscheid habe diesmal im Kreis Glück gehabt, die hätten einen Antrag aus dem Vorjahr nochmals gestellt und seien so zum Zuge gekommen. Die Bürgermeisterin schwamm sich frei: „Wir hatten tolle Unterstützung durch die Vereine - aber es hat alles nichts genutzt.“ Man habe aber eine lange Prioritätenliste und werde nicht aufhören, Anträge zu stellen, betonte Schüngel.

Das Wasser bis zum Hals steht den Vereinen im Lockdown. Zwar erklärte Stadtsportverbandsvorsitzender Klaus Junge, dass die meisten Mitglieder ihrem Verein zwar treu blieben. Einen Schwund gebe es aber vor allem bei der Jugend: Von 2010 bis 2020 verloren die Wermelskirchener Vereine fast ein Drittel ihrer Mitglieder zwischen sieben und 18 Jahren.

Hintergrund

An einen Ratsbeschluss von 1996 erinnerte Norbert Galonksa im Sportausschuss: Damals sei der Bau einer Dreifach-Turnhalle in Tente beschlossen worden. Galonska sagte: „Und dieser Beschluss ist immer noch gültig.“ Er könne, wenn gewünscht, auch ein passendes Grundstück vermitteln.Standpunkt

markus.schumacher@rga.de

Kommentar von Markus Schumacher

Bei einem hohen Verlust an der Börse ist es nicht gerade tröstlich sondern nur zynisch wenn man dem Geschädigten schlauerweise noch sagt: „Dein Geld ist nicht weg - es hat jetzt nur jemand anderes.“ So ist auch nicht verwunderlich, dass die Spitze der Wermelskirchener Stadtverwaltung etwas säuerlich wirkte, als sie im Sportausschuss erklären musste, dass Wermelskirchen bei den diversen Förderprogrammen des Landes und des Bundes nicht berücksichtigt wird. Es gibt daher erstmal kein Geld vom Land für den Bau des neuen Hallenbades und es wird wohl auch keines geben für die zum Teil dringende Erneuerung der Sportstätten. Auch hier gilt: Es war zwar Geld da - aber das haben jetzt eben andere Kommunen. So konnte sich Remscheid zum Beispiel über eine Förderung für das Freibad Eschbachtal freuen. Und auch Burscheid kam bei einem Projekt zum Zuge. Tröstlich ist es, dass beim nächsten Mal jene Kommunen bevorzugt werden sollen, die dieses Mal nichts bekommen haben. Die Stadt ist also gut beraten, wenn sie ihre Anträge auf Fördermittel erneuert und erneut stellt.

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