Kampf gegen Corona verliert an Akzeptanz

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NRW-Check: Zustimmung zur allgemeinen Impfpflicht schwindet – Bergische haben geringstes Zutrauen in Parteien

Von Axel Richter

Die Lage auf den Intensivstationen ist stabil. Omikron scheint weniger gefährlich als befürchtet. Andere Länder lockern ihre Schutzmaßnahmen. Und auch im Bergischen Land gehen vielen Bürgern die Ge- und Verbote zur Bekämpfung der Pandemie mittlerweile zu weit. Das zeigt der zweite NRW-Check, eine repräsentative Umfrage von 39 nordrhein-westfälischen Tageszeitungen, darunter der Remscheider General-Anzeiger. Das sind die wichtigsten Ergebnisse, die auf die Gesamtheit der Wahlberechtigten in Remscheid, Solingen, Wermelskirchen, Radevormwald, Hückeswagen und die anderen Städte im Bergischen Land übertragen werden können:

Omikron-Variante hat ihren Schrecken verloren

Lediglich 13 Prozent der 166 Befragten geben an, dass die Omikron-Variante sie stärker beunruhigt als die vorherigen Varianten. 39 Prozent sehen keinen Unterschied. Aber 47 Prozent sagen, Omikron beunruhige sie weniger als andere Varianten.

Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verlieren an Akzeptanz

Die Menschen machen sich weniger Sorgen, umso mehr werden die geltenden Vorsichtsmaßnahmen für überflüssig erachtet. 40 Prozent gehen die Ver- und Gebote zu weit. Im Dezember galt das für 16 Prozent. Im Gegenteil gingen damals 64 Prozent der Bürger die Maßnahmen gegen das Coronavirus nicht weit genug. Das sagen heute noch 25 Prozent. 30 Prozent halten die Maßnahmen für angemessen. Das sind doppelt so viele wie noch im Dezember.

Die Zustimmung zur allgemeinen Impfpflicht schwindet deutlich

Beim ersten NRW-Check unter 189 Befragten im Bergischen Land im Dezember war eine Mehrheit von 72 Prozent für eine allgemeine Impfpflicht, nur 22 Prozent stimmten dagegen. Aktuell sind 54 Prozent dafür und 41 Prozent dagegen.

Weniger sind für einen Lockdown – Mehrheit ist für offene Schulen

Eine erneute Schließung von Schulen wird von einer Mehrheit abgelehnt: 56 Prozent sind dagegen, nur 30 Prozent dafür. Auch ein Lockdown mit der Schließung von Geschäften, Clubs und Freizeiteinrichtungen, mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sowie mit einem Verbot größerer Veranstaltungen findet keine Mehrheit mehr. 48 Prozent sind heute dafür, 48 Prozent dagegen. Zum Vergleich: Im Dezember waren noch 60 Prozent für einen Lockdown.

Beinahe jeder Zweite glaubt: Corona hat das Miteinander beschädigt

Annähernd jeder Zweite (47 Prozent) ist der Meinung, dass der Zusammenhalt der Menschen in der Pandemie schwächer geworden ist. Nur wenige (12 Prozent) glauben, er sei stärker geworden. 38 Prozent erkennen keine Unterschiede im Miteinander. 55 Prozent halten Impfgegner und Co. für eine kleine, laute Minderheit. 41 Prozent gehen dagegen davon aus, dass die Pandemie die Gesellschaft in zwei gleich große Lager gespalten hat. An eine Versöhnung beider Seiten glauben 43 Prozent. 47 Prozent gehen davon aus, dass das gesellschaftliche Miteinander langfristig beschädigt ist.

Impfgegner und Co. treffen auf ein vergleichsweise großes Verständnis

43 Prozent der Befragten äußern Verständnis für Impfgegner und Gegner der Corona-Maßnahmen. Auf mehr Verständnis kann diese Gruppe in keiner anderen Region hoffen, die beim NRW-Check untersucht wurde. Zum Vergleich: Im Landesschnitt äußern lediglich 23 Prozent Verständnis, 74 Prozent tun das nicht. Im Bergischen zeigt zwar ebenfalls eine klare Mehrheit kein Verständnis für Impfgegner und Co, allerdings liegt ihre Zahl im Vergleich „nur“ bei 57 Prozent.

Bergischen sind mit der Schulpolitik wenig bis gar nicht zufrieden

Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) stellen der Schulpolitik der Landesregierung ein schlechtes Zeugnis aus. Nur 23 Prozent zeigen sich zufrieden damit. Kritik kassiert sie insbesondere fürs Corona-Management an den Schulen. 74 Prozent zeigen sich unzufrieden damit, 21 Prozent signalisieren Zustimmung. Das sollte bei den Wahlkämpfern im Vorfeld der Landtagswahl am 15. Mai die Ohren klingeln lassen. Denn mehr als jeder zweite Bergische (52 Prozent) gibt an, dass das Thema Schule und Schulpolitik für die Wahlentscheidung wichtig sein wird. 45 Prozent erachten die Schulpolitik als weniger wichtig.

Die Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung ist weiter gering

Im Dezember zeigte sich nur jeder Dritte zufrieden mit der Arbeit von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Das hat sich nicht signifikant verändert. 32 Prozent Zufriedene stehen 42 Prozent Unzufriedene gegenüber. Der Rest hat keine Meinung. Für Wüsts Ministerriege fällt das Arbeitszeugnis schlechter aus. 30 Prozent zeigen sich zufrieden mit Schwarz-Gelb in Düsseldorf, 67 Prozent sind unzufrieden.

Ministerpräsident: Die Mehrheit will weder Wüst noch Kutschaty

Wenn die Menschen im Bergischen den NRW-Ministerpräsidenten selbst wählen könnten, käme Amtsinhaber Hendrik Wüst aktuell auf 23 Prozent. Damit würde er gegenüber Dezember um einen Prozentpunkt zulegen. Auch sein Herausforderer von der SPD kann hinzugewinnen. Thomas Kutschaty, dessen Frau im Remscheider Baudezernat arbeitet, kommt auf 13 gegenüber vormals 11 Prozent. Die große Mehrheit will aber nach wie vor weder den einen noch den anderen als Ministerpräsidenten. Das gilt für 64 Prozent, im Dezember waren es 67 Prozent.

Zutrauen in die Parteien ist im Bergischen Land äußerst gering

Im Bergischen ist das Zutrauen in die Politik besonders gering. 58 Prozent der Befragten trauen es keiner Partei zu, mit den drängendsten Probleme in NRW fertig zu werden. In keiner anderen Region in NRW ist die Skepsis gegenüber den politischen Parteien so groß beziehungsweise das Zutrauen zu ihnen so gering wie im Bergischen Land. Im Dezember lag die Zahl derer, die den Parteien wenig bis nichts zutrauen, noch bei 63 Prozent.

Hintergrund

NRW-Check: Der NRW-Check ist eine gemeinsame Aktion von 39 Tageszeitungen in Nordrhein-Westfalen. In ihrem Auftrag befragt das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Vorfeld der Landtagswahl die Bürger in vier Wellen zu den wichtigsten Themen im Land.

Umfrage: In der zweiten Welle befragte Forsa vom 26. Januar bis zum 2. Februar 2006 Wahlberechtigte in NRW, die nach einem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Im Bergischen wurden 166 Wahlberechtigte Teil der zweiten Befragungswelle. Die Ergebnisse können laut Forsa unter Berücksichtigung von Fehlertoleranzen, die bei allen Stichprobenerhebungen möglich sind, auf die Gesamtheit der Wahlberechtigten im Bergischen übertragen werden.

Ergebnisse: In der ersten Erhebungswelle waren 2009 Wahlberechtigte in NRW und 189 im Bergischen befragt worden. Die Ergebnisse veröffentlichte der ST am 15. Dezember, zwei weitere Teile folgen im März und im April/Mai.

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