Jugendliteraturpreis filtert die Perlen heraus

Marie-Louise Lichtenberg (l.) und Julia Abel aus dem Bundesvorstand des Arbeitskreises für Jugendliteratur kennen alle 33 ausgewählten Bücher. Sie sind gespannt, wie sich die Jury entscheidet. Foto: Roland Keusch
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Marie-Louise Lichtenberg (l.) und Julia Abel aus dem Bundesvorstand des Arbeitskreises für Jugendliteratur kennen alle 33 ausgewählten Bücher. Sie sind gespannt, wie sich die Jury entscheidet.

Julia Abel und Marie-Louise Lichtenberg verfolgen die Buchmesse gespannt

Von Andreas Weber

Diesen Tag fiebern Julia Abel und Marie-Louise Lichtenberg schon lange entgegen. Denn am heutigen Freitag wird auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. 33 Bücher stehen in sechs Kategorien zur Auswahl. Julia Abel, Leiterin des Fachbereichs Literatur an der Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid-Küppelstein, und Marie-Louise Lichtenberg, pensionierte Hauptschullehrerin aus Wermelskirchen, haben sie alle gesichtet, viele gelesen.

Wie immer sind sie begeistert, werden vor Ort dabei sein. Denn im unübersichtlichen Bücher-Dickicht gibt der Preis Orientierung, filtert Perlen, hochwertigen Lesestoff heraus. Die beiden Bundesvorstandsmitglieder des Arbeitskreises Jugendliteratur gehören zwar nicht der neunköpfigen Jury an, verfolgen aber die Prämierung gespannt.

Bei den sechs in die engere Wahl gelangten Kinderbüchern greift „Adresse unbekannt“ (ab 11 Jahre) das erschütternde Thema der Jugendobdachlosigkeit auf. Susin Nielsen (Text) und Leslie Mechanic (Illustration) bringen die Geschichte des jungen Felix näher, dessen Abwärtsspirale temporeich, aber auch mit Witz und Situationskomik beschrieben wird. „Pembo – halb und halb macht doppelt glücklich“ (ab 9) wird von Ayse Bosse ebenso flott erzählt. In dem Kinderroman geht es um eine deutsch-türkische Familie, die von der Mittelmeerküste nach Hamburg zieht, weil der Vater einen Friseurladen geerbt hat, der sich aber dummerweise als Hundesalon entpuppt.

Bei den Bilderbüchern führt Kaatje Vermeire Kinder in die Kunst ein. „Im Garten von Monet“ (ab 5) bildet mit Werken des Impressionisten Claude Monet ein ästhetisches Vergnügen. In „Unsichtbar in der Großstadt“ (ab 4) zieht der kanadische Bilderbuchkünstler Sydney Smith virtuos alle Register und lässt ein Kind allein durch die hektische und verwirrende Großstadt laufen.

Unter den Jugendbüchern steht zum Beispiel „Sankt Irgendwas“ (ab 14) zur Wahl. In einem lakonischen Schreibstil erzählt Tamara Bach fesselnd über eine eskalierte Klassenfahrt, die die 10 b am Ende zu einer Einheit zusammenschweißt. In Wilna Geldofs „Reden ist Verrat“ (ab 15) schließt sich die 15-jährige Freddie in ihrer niederländischen Heimat 1941 einer kommunistischen Widerstandsgruppe an. Der packende Roman schildert auch die Ängste des Teenagers, ihre erste Liebe und die ständige Furcht verraten zu werden. Bei den Sachbüchern sticht „Es geht rund“ von Felicitas Horstschäfer und Johannes Vogt (ab 5) allein durch sein kreisrundes Format heraus. Die Autoren bringen die Kreisläufe in Natur und Technik und deren Verwandlungskraft näher. „Das wahre Leben der Bauernhoftiere“ von Lena Zeise (ab 7) zeichnet ein in der Kinderliteratur selten angesprochenes und differenziertes Bild von Nutztierhaltung und Lebensmittelgewinnung, hinterfragt Ess- und Konsumverhalten.

In der Jugendjury entscheiden sechs ausgewählte Jugendleseclubs über einen weiteren Preis. „Vor uns das Meer“ (ab 14) könnte der Gewinner unter den sechs Werken sein. Alan Gratz erzählt und verknüpft darin drei Fluchten: Josef flieht 1933 vor den Nazis, Isabel 60 Jahre später vor Fidel Castro aus Kuba und Mahmoud muss 2015 Syrien verlassen.

Zudem gibt es einen Sonderpreis „Neue Talente“. Insgesamt 667 Titel wurden dieses Jahr eingereicht, davon 389 als deutsche Originale und 278 Übersetzungen.

Die Verleihung wird heute um 17.30 Uhr live im Internet gestreamt.

www.jugendliteratur.org

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