Zenshäuschen

Jugendliche missachten Bauzäune

Stefan Görnert sorgt sich um die Sicherheit der Jugendlichen. Es besteht Unfallgefahr. Foto: Anja Carolina Siebel
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Stefan Görnert sorgt sich um die Sicherheit der Jugendlichen. Es besteht Unfallgefahr.
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Am Jugendfreizeitpark in Zenshäuschen herrscht täglich schon Hochbetrieb – unerlaubt.

Wermelskirchen. Bei schönem Wetter erscheint es auf dem Gelände in Zenshäuschen fast so, als sei der Jugendfreizeitpark dort längst eröffnet. Von der Dellmannstraße aus kann man häufig beobachten, wie Jugendliche, aber auch Erwachsene das Gelände bereits nutzen, dort biken oder skaten – und das in Scharen. Sie nehmen dabei weder Rücksicht auf die noch geltenden Corona-Schutzmaßnahmen noch darauf, dass es sich bei dem Gelände immer noch um eine Baustelle handelt.

Der erste städtische Beigeordnete Stefan Görnert und Ordnungsamtsleiter Arne Feldmann berichten, dass sie fast täglich vor Ort sind, oft gemeinsam. Und sie zeigen die Bauzäune, mit denen das Gelände abgesichert ist. Die Bauzäune stehen in Höhe des Lidl-Marktes sowie in Höhe des Autohauses Messink. Verschlossen sind sie entweder mit Schraubzwingen oder mit Spannbändern. „Die Jugendlichen finden aber offenbar immer irgendwelche Lücken, durch die sie dann doch aufs Gelände kommen. Aber nicht nur die: „Wir haben auch schon Eltern beobachtet, die die Bauzäune zur Seite schoben“, berichtet Arne Feldmann. Und die dann offenbar ganz verwundert nachgefragt hätten, „was denn daran so schlimm“ sein solle.

„Geht das so weiter, nehmen wir Personalien auf.“

Arne Feldmann, Ordnungsamtsleiter

„Schlimm“ ist ein dehnbarer und interpretierbarer Begriff. Vor allem aber ist der Aufenthalt auf dem Gelände in Zenshäuschen schlicht verboten. Zum einen, weil es die Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen derzeit nicht erlaubt, sich zu mehreren auf engem Raum zu treffen und aktiv zu sein – auch nicht im Freien. Zum anderen, weil die Baustelle von fachlicher Seite längst nicht abgenommen ist.

Das heißt im Klartext: Immer noch können Teile durch unsachgemäßen Gebrauch nachhaltig beschädigt werden. Vor allem aber besteht Verletzungsgefahr. Görnert: „Wenn hier jemand einen Unfall hat, zahlt das keine Versicherung.“ Ebenfalls fatal: Viele nutzen den Weg über die vielbefahrene Dellmannstraße und den Abhang am Straßenrand, um auf das Gelände zu gelangen. Der Abhang ist lediglich mit einem Flatterband gekennzeichnet. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es da zu einem Unfall kommt“, befürchtet Stefan Görnert.

Sowohl er als auch Arne Feldmann haben Verständnis für das Bedürfnis der Jugendlichen, die Anlage so schnell wie möglich nutzen zu können. „Klar ist das auch zurzeit schwer für Kinder und Jugendliche in der Pandemie. Aber sie müssen eben noch etwas warten“, sagt Stefan Görnert.

Laut Harald Drescher vom Tiefbauamt haben sich die Arbeiten wegen der Wintereinbrüche im März und Anfang April verzögert. „Wir gehen aber davon aus, dass wir im Mai eröffnen können“, sagt er. Auch Bürgermeisterin Marion Lück war schon mehrmals vor Ort, unter anderem, um mit den Jugendlichen zu sprechen und ihnen zu erklären, warum die Anlage derzeit noch ungenutzt bleiben sollte. „Dass ich dabei auch auf Eltern treffe, die Bauzäune verrücken, hätte ich nicht erwartet“, sagt Lück.

Sie weist zudem darauf hin, dass – selbst wenn die Anlage im Mai eröffnet werden sollte, die Nutzung wegen der Corona-Vorschriften immer noch unklar sei. „Derzeit kann da nicht viel laufen. Wir können ja kein Hygienekonzept erstellen. Daran würde sich, wie man ja jetzt schon sehen kann, auch kaum jemand halten.“

Arne Feldmann und Stefan Görnert sehen keine andere Möglichkeit, als zu härteren Maßnahmen zu greifen, sollten sich die renitenten Freizeitsportler nicht einsichtig zeigen. „Wenn das so weitergeht, nehmen wir Personalien auf und werden auch Anzeigen schreiben. Zur Not rücken wir auch mit einer Hundertschaft an“, sagt Arne Feldmann. „Dabei“, ergänzt Stefan Görnert, „müssten sie doch nur ein bisschen Geduld haben.“

Standpunkt: Nicht zu verstehen

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Wenn man sie da so sieht auf dem Gelände, mit ihren Boards und Bikes. Na klar werden zumindest jene Erwachsene, die noch Emotionen in sich haben, an ihre eigene Jugend erinnert. Na klar wollen sie sich treffen, ihre Freizeit mit etwas Coolem verbringen und ihrem Hobby nachgehen oder einfach nur abhängen. Aber irgendwie müssen die Jugendlichen im Fall des Jugendfreizeitparks tatsächlich verstehen lernen, dass das derzeit nicht geht. Und so schwer zu begreifen ist das eigentlich gar nicht. Es besteht Unfallgefahr – und die noch nicht offiziell abgenommenen Geräte könnten Schaden nehmen. Dass das so wenig Beachtung findet, ist vor allem deshalb bitter, weil so viele Wermelskirchener sich mit dem Projekt identifiziert und dafür gespendet hatten. Sicher aber nicht dafür, dass es vor seiner Eröffnung schon gefährdet wird. Jugendlicher Leichtsinn und kaum zu bändigende Vorfreude sind sicher noch mit ganz viel Augenzudrücken zu verzeihen. Aber dass ernsthaft Eltern mitmischen und die Bauzäune eigenhändig zur Seite räumen, lässt dann schon am gesunden Menschenverstand zweifeln.

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