Aktion

Jugendliche erhalten Wohnungsführerschein

Larissa Geismann (Gewag, l.), Katrin Walter (M.) Jörg Loose (Evangelische Jugendhilfe (2.v.r.) und Martin Lambotte (Bauverein, r.) freuen sich mit den Jugendlichen. Foto: Anja Carolina Siebel
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Larissa Geismann (Gewag, l.), Katrin Walter (M.) Jörg Loose (Evangelische Jugendhilfe (2.v.r.) und Martin Lambotte (Bauverein, r.) freuen sich mit den Jugendlichen.
  • Anja Carolina Siebel
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Zwölf junge Menschen der Jugendhilfe Bergisches Land lernten, was sie als Mieter wissen müssen

Wermelskirchen. Wie fülle ich eigentlich einen Mietvertrag aus? Und was muss ich beim Umzug in die erste Wohnung ansonsten alles beachten? Was sind meine Rechte, was meine Pflichten als Mieter? Solche und andere Fragen soll der so genannte Wohnungsführerschein beantworten, den die Jugendhilfe Bergisches Land zusammen mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewag und dem Bauverein für ihre jugendlichen Klienten anbietet.

An zwei Samstagen sollen die 18- bis 19-Jährigen lernen, wie sie als Mieter einer Wohnung künftig gut zurechtkommen. Am vorigen Samstag konnten zwölf Jugendliche ihren Wohnungsführerschein beim Bauverein Wermelskichen an der Wielstraße erfolgreich erlangen. „Auch die jungen Menschen, die zurzeit noch in unseren Wohngruppen leben, streben danach, möglichst auf eigenen Füßen zu stehen und in den eigenen vier Wänden zu leben“, sagt Jörg Loose, Fachbereichsleiter der Jugendhilfe Bergisches Land. „Wunsch und Wirklichkeit prallen oft genug aufeinander, insbesondere dann, wenn die Finanzen knapp und die Ansprüche hoch sind.“

Die Einsicht, dass die Miete bezahlbar sein sowie die monatlichen Fixkosten gedeckt sein müssten, bevor andere Wünsche erfüllt werden könnten, hätten viele noch nicht. „Sie müssen zudem erst lernen, dass sie zwar viele Rechte, aber eben auch Pflichten als Mieter haben“, betont Martin Lambotte, Geschäftsführer des Gemeinnützigen Bauvereins Wermelskirchen. „Wir haben es nicht selten erlebt, dass junge Menschen schon mit der ersten Miete überfordert waren und den Betrag komplett ausgegeben haben, statt ihn zu überweisen.“ Jörg Loose empfiehlt seinen Schützlingen ein Haushaltsbuch, um solche Situationen zu vermeiden.

Aber es stehen auch viele andere Punkte auf dem straffen Programm des Wohnungsführerscheins. Rechtliche Fragen zum Mietvertrag zum Beispiel, Fragen rund um die Kaution, den Wohnungsberechtigungsschein, eine Bürgschaft, Betriebskostenabrechnungen.

Wichtig auch: „Rechte und Pflichten des Zusammenlebens in einer Mietergemeinschaft. „Denn natürlich müssen die jungen Leute auch verinnerlichen, dass sie Dinge wie Flurreinigung, Mülltrennung oder Winterdienst unter Umständen erledigen müssen“, sagt Larissa Geismann von der Gewag. Auch die Hausordnung spiele dabei eine Rolle.

In erster Linie soll der Kurs den Jugendlichen Spaß machen

Räumungsklage, das ist zwar ein fieses Wort, aber auch darüber sollen die Jugendlichen frühzeitig bescheid wissen. „Ich erlebe das nicht oft, aber ich habe auch schon Menschen gesehen, die wegen nicht korrekter Zahlung schließlich auf der Straße standen“, berichtet Martin Lambotte. „Das wollen wir natürlich unter allen Umständen für die Jugendlichen verhindern.“

In erster Linie soll der Erwerb des Wohnungsführerscheins natürlich Spaß machen. Die Vorfreude auf die eigenen vier Wände steigert oftmals der Baustein „Handwerkliches“. Dazu gehören das Auf- und Auseinanderbauen von Möbeln genauso wie Alltagsreparaturen in der Wohnung. Die Frage: Was ist selbst möglich und wo benötige ich einen Fachmann?

„Was uns in der Jugendhilfe natürlich wichtig ist: Den Jugendlichen beizubringen, wie sie allein klar kommen“, unterstreicht Jörg Loose. Denn es sei eine Umstellung, von einer Wohngemeinschaft von meist etwa sechs Leuten plus Betreuern plötzlich allein in einer Wohnung zu ziehen.

Am Schluss des Kurses stand auch gestern eine Prüfung über die Inhalte der Bausteine und die feierliche Überreichung des Zertifikats. „Wir haben durchweg gute Erfahrungen mit den Absolventen des Wohnungsführerscheins gemacht“, resümiert Larissa Geismann. Denn den Kurs bietet die Evangelische Jugendhilfe bereits seit zwei Jahren an. Martin Lambotte kann das nur bestätigen: „Sie gehen vorbereiteter in die Mietersituation. Und das kommt natürlich ihnen selbst zugute, aber auch uns als Wohnungsbaugesellschaft ebenso wie privaten Vermietern.“

Hintergrund

Die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land ist eine Jugendhilfeeinrichtung im Bergischen Land mit dem Hauptsitz in Remscheid und stationären und ambulanten Angeboten in Remscheid, Wermelskirchen und Burscheid. Die EJBL bietet Kindern, Jugendlichen, jungen Volljährigen und deren Eltern ein Hilfeangebot in besonderen Lebenslagen. Die Hilfeangebote sind zum Teil ambulant, es gibt aber auch betreutes Wohnen.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Der Schritt in eine eigene Wohnung, in ein selbstständiges, von den Eltern unabhängiges Leben ist wohl für jeden ein kleines Wagnis. In den meisten Familien stehen die Eltern ihren Kindern dabei noch unterstützend zur Seite, beraten, gehen vielleicht mit zur Wohnungsbesichtigung und sind bei brennenden ersten Fragen dabei, die sich nach dem Schließen der Wohnungstür nach dem Umzug noch stellen. Auch das Team der Jugendhilfe Bergisches Land steht seinen Schützlingen selbstverständlich auch nach dem Umzug noch zur Seite. Aber es sind eben auch Jugendliche mit besonderem Hintergrund, die zum Großteil nicht so großen Rückhalt in ihren Familien erfahren wie vielleicht manch anderer Altersgenosse. Und so ist das Angebot des Wohnungsführerscheins absolut hilfreich und sinnvoll. Der Kurs bereitet vor auf die eventuellen Tücken im Mietvertrag, Querelen mit den Nachbarn, Löcher in der Haushaltskasse, Rechte und Pflichten. Eben all das, was einen als Mieter so erwartet. Das ist so gut und hilfreich, dass die Wohnungsbaugesellschaften sich überlegen könnten, es künftig für alle Wohnungseinsteiger anzubieten.

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