Hausärzte

Jetzt kommen die Impfzweifler in die Praxen

Tobias Hopff setzt darauf, seine Patienten mit guten Argumenten zu überzeugen. Foto: Anja Carolina Siebel
+
Tobias Hopff setzt darauf, seine Patienten mit guten Argumenten zu überzeugen.

Hausärzte können allen ab 16 ein Angebot machen – Aber nicht alle wollen die Immunisierung direkt.

Von Anja Carolina Siebel

Sei vorigem Samstag steht der Weg zur Corona-Schutzimpfung allen Impfwilligen frei. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium hatte angekündigt, dass alle Bürger ab 16 über die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) einen Impftermin in den Impfzentren buchen können. Es gibt allerdings schon Einschränkungen.

Denn die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein weist in einem Schreiben „ausdrücklich“ darauf hin, dass „vorerst kaum Termine in den Impfzentren im Verbreitungsgebiet buchbar sein werden.“ Erst wenn das NRW-Gesundheitsministerium neue Impfkontingente freigebe, könne die KV Nordrhein diese im eigenen Buchungssystem freischalten. Dazu komme, dass auch die Kreise und kreisfreien Städte die für sie vorgesehenen Impfdosen erst einmal an den Betrieb ihrer Impfzentren anpassen müssten. Das heißt, es gehe um logistische Fragen, darum, wie viele Termine in welchem Zeitraum bewältigt werden können. Diese Planungen bräuchten einen entsprechenden Vorlauf.

Beide Vorgänge – die Freigabe der Impfkontingente über das Land NRW sowie die Terminplanung der Kommunen – müssten miteinander in Einklang gebracht werden. Es sei aber davon auszugehen, dass im Laufe dieser oder der kommenden Woche weitere Terminmöglichkeiten freigeschaltet würden. Grundsätzlich sei es zudem nun auch für Impfwillige möglich, wohnortunabhängig und nordrheinweit Termine in einem Impfzentrum zu buchen.

Ergänzend zu den Impfzentren stehen natürlich die Praxen der niedergelassen Haus- und Fachärzte für eine Impfung gegen das Coronavirus zur Verfügung.

Und die haben es jetzt offenbar weniger mit fehlendem Impfstoff als mit Impfzweiflern zu tun. „Viele wollen sich jetzt noch mal genau erkundigen, Risiken und Nutzen abwägen“, berichtet Tobais Hopff, Sprecher der Wermelskirchener Hausärzte. „Das kostet uns natürlich Zeit während der Sprechstunde, aber die nehmen wir uns.“ Neulich sei sogar eine 85-jährige Patientin bei ihm gewesen, die Bedenken hatte, dass sie durch die Impfung eine abgeschwächte Form des Virus bekommen und dann dennoch krank werden könnte. „Die Menschen sind oft nur lückenhaft und manchmal leider auch falsch informiert“, sagt Hopff. „Im Internet kursiert eine ganze Menge Blödsinn. Das kann natürlich verwirrend sein.“

„Das ist einfach eine fiese Krankheit, gegen die wir jetzt eine Waffe haben.“

Tobias Hopff, Sprecher der Hausärzte

Hopff ist ganz klar für das Impfen, auch für Jugendliche ab 17 Jahren. „Bei den Jüngeren ab 12 gibt es ja die Empfehlung, nur Risikogruppen zu impfen, also Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen wie Asthma, Adipositas oder auch Behinderungen wie Trisomie 21“, erklärt der Mediziner. „Die Familien mit jüngeren Kindern verweise ich meist noch zum Kinderarzt. Mit den anderen spreche ich. Mir ist es nämlich auch wichtig, dass die Jugendlichen selbst davon überzeugt sind, sich impfen zu lassen.“

Hopff ist überzeugt, dass die Deltavariante des Coronavirus, die jetzt gerade auch Deutschland erreicht, alle noch einmal vor Herausforderungen stellen wird. „Ich bin aber auch davon überzeugt, dass die vollständige Impfung mit den Impfstoffen, die wir hier zur Verfügung haben, wirksam auch gegen diese Mutation ist. Das ist einfach eine fiese Krankheit, gegen die wir jetzt mit dem Impfstoff eine Waffe haben. Und die sollten wir auch flächendeckend nutzen. Jeder kann sich jetzt impfen lassen.“ | Standpunkt

Termine

Die Terminbuchungen für die Impfungen im Impfzentrum in Bergisch Gladbach sind für alle Interessierten über die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein möglich -und zwar online über https://termin.corona-impfung.nrw/home oder telefonisch unter Tel. (08 00) 116 117 01. Jeder, der sich impfen lassen möchte, kann sich zudem mit einem Haus- oder Facharzt in Verbindung setzen.

Standpunkt: Theorie und Realität

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

In der Theorie klingt das – mal wieder – recht gut. Die Impfungen schreiten voran. Priorisierungen werden weiter aufgehoben. Aktuell gibt es für Menschen ab 16 Jahren ein Impfangebot. Theoretisch. Und zwar nur theoretisch. Denn zumindest für die Impfzentren weist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein derzeit noch darauf hin, dass „kaum Termine buchbar“ seien. Es hakt – ebenfalls wieder einmal – an der Abstimmung zwischen Ministerium und Kassenärztlicher Vereinigung. Es ist wirklich traurig, dass es an diesen Stellen immer wieder Probleme zu geben scheint. Man erinnere sich nur an die Digitalisierung der Impfausweise. Sicher kein so elementares Thema wie die Impfung selbst, aber dennoch zumindest für jene Menschen eine Erleichterung, die viel unterwegs sind und ein Smartphone besitzen. Bis heute ist es den Hausarztpraxen indes nicht möglich, den Impfnachweis direkt nach der Impfung digital zur Verfügung zu stellen. Aufgrund eines fehlenden Systems, das die Kassenärztliche Vereinigung zur Verfügung stellen müsste. So bleibt dieser Service an den Apotheken hängen. | Jetzt kommen die Impfzweifler . . .

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Maria in der Aue hat bewegende Historie
Maria in der Aue hat bewegende Historie
Maria in der Aue hat bewegende Historie
Veranstalter stehen weiter unter Druck
Veranstalter stehen weiter unter Druck
Veranstalter stehen weiter unter Druck
A la carte steht ganz im Zeichen der Kultur
A la carte steht ganz im Zeichen der Kultur
A la carte steht ganz im Zeichen der Kultur

Kommentare