In jeder noch so prekären Lage gibt es einen Lichtblick

Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Von Jürgen Behr, Pfarrer der Kath. Kirchengemeinde St. Bonaventura und Hl. Kreuz

Ronja von Wurmb-Seibel wollte als Journalistin Ungerechtigkeit und Missstände aufdecken, um die Welt zu verbessern. Sie ging als freie Reporterin nach Kabul. Was sie dort sah und hörte, stürzte sie bald in totale Ohnmacht. Die Geschichten, die sie schrieb, brannten sie aus, nahmen ihr alle Lebenskraft. Sie brauchte eine lange Erholungsphase und begann, gezielt Geschichten zu suchen, die Mut machen.

Zu dieser Wende hatte ihr unter anderem eine Untersuchung zur Angst vor Terrorismus geholfen. Die Forscher (Samuel Justin Sinclair und Daniel Antonius) fanden heraus, dass die Nachrichten nach dem 11. September 2001 über mögliche Anschläge ein „Pre-Traumatic Stress Syndrome“ auslösten, also krankhaften Stress aufgrund eines nur möglicherweise geschehenden Ereignisses. Für eine zweite Untersuchung (die britische Studie „The Perils of Perception“, also „Die Tücken der Wahrnehmung“) wurden mehr als 200 000 Menschen in über 40 Ländern der Welt befragt, und überall hielten alle Befragten die Welt für schlechter als sie faktisch ist: Sie nannten zu hohe Zahlen für Gewalttaten und Drogensucht sowie für Todesopfer durch Terror.

So fand Ronja von Wurmb-Seibel heraus aus der „angelernten Hilflosigkeit“ und will die Welt nicht mehr noch negativer darstellen als sie ist. Und sie gibt Seminare für konstruktiven Journalismus. Da wird nicht Negatives ausgespart, sondern gerade in schlimmen Geschichten so gründlich recherchiert, dass auch Auswege erkennbar werden. Ihr Motto: „zeigen, dass es für jeden Missstand einen Ausweg gibt . . . in jeder Situation einen Lichtblick“. Auswege, Lichtblicke suchen, häufig habe ich das bei Menschen erlebt, die gerade daraus die Kraft zur Veränderung gefunden haben.

Ja, es stimmt, in der Welt geht es schrecklich ungerecht zu. Was ich von dieser Journalistin gelernt habe ist, bei allem Schrecklichen auf Gott zu vertrauen. Wir nennen ihn auch das Licht der Welt. Und die kürzeste Übersetzung von Weihnachten - das Fest auf das wir zusteuern - ist: „Gott mischt sich ein“. Auf jeden Fall ein Lichtblick.

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