Jeanne Altfeld ist immer im Namen der Musik unterwegs

Auf einer 90er Party in Wermelskirchen sorgte Jeanne Altfeld für die Überraschung des Abends. Archivfoto: Stephan Singer
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Auf einer 90er Party in Wermelskirchen sorgte Jeanne Altfeld für die Überraschung des Abends. Archivfoto: Stephan Singer

Ex-Jokebox-Frontfrau steht seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne – Inzwischen arbeitet die 40-Jährige hauptberuflich als Sängerin

Von Theresa Demski

An diesen einen Augenblick erinnert sie sich bis heute genau. Ein Brautpaar hatte Jeanne Altfeld für eine Hochzeit gebucht. Eigentlich keine große Sache für die Sängerin. Nach der Zeremonie würde sie das „Hallelujah“ von Leonard Cohen anstimmen – wie viele Male zuvor. An diesem Tag saß in der Kirche in der zweiten Bank allerdings ein Junge, der zur Festgesellschaft gehörte. „Er war schon während des ganzen Gottesdienstes unruhig gewesen“, erzählt Jeanne Altfeld.

Dann hörte er den ersten Ton der Melodie. „Und er wurde ganz ruhig“, erzählt die heute 40-Jährige, „ich sah in seinen Augen, wie ihn diese Melodie berührte.“ Der Junge saß wie gebannt in der Bank, lauschte und staunte. „Es sind diese Momente, für die ich Musik mache“, sagt Jeanne Altfeld, „wenn meine Musik die Menschen berührt.“

Sie sang vor 14 000 Zuschauern beim DEL-Finale die Nationalhymne

Es hat viele solcher Momente gegeben – in denen die Energie übersprang. Im Grunde stehe sie schon fast ihr ganzes Leben lang auf der Bühne, sagt die 40-jährige Wermelskirchenerin und erzählt aus den Kindertagen, in denen sie an Papas Flügel Platz nahm und erste Melodien spielte.

„Mit acht habe ich in einer Kinderband gesungen“, erzählt Jeanne Altfeld. Studios, Kassettenaufnahmen, die „Sendung mit der Maus“ und erste Bühnenauftritte: „Ich hatte einen Riesenspaß.“ Nur die Kinderlieder wurden ihr irgendwann peinlich, da hatte Jeanne Altfeld allerdings bereits Feuer gefangen – für die Musik und die Bühne. Als ihre Oma sie mit 15 bei einem Talentwettbewerb bei einem Stadtfest in Ennepetal anmeldete, sang sie zum ersten Mal „Whats Up“.

Damals ahnte sie nicht, wie oft sie mit diesem Lied noch auf der Bühne stehen würde – aber schon damals jubelte ihr das Publikum zu. Sie gewann den Wettbewerb und zögerte nicht, als Hans-Willi Mergler sie für die Constant Changing People gewinnen wollte. „Das war meine Chance, Bühnenerfahrung zu sammeln“, sagt sie heute und erinnert sich an eine Zeit, in der die Teenie-Band in der Region für viel Furore sorgte, junge Sängerinnen Mut und Selbstbewusstsein fanden und wichtige Schritte auf dem Weg zu den großen Bühnen nahmen.

„Wenn du Musik aus dem Herzen machst, dann machst du sie einfach.“

Jeanne Altfeld, Sängerin

Mit 18 antwortete Jeanne Altfeld dann auf eine Ausschreibung der Zeitschrift „Popcorn“. Die junge Sängerin gewann – und hielt mit 18 ihren ersten Künstlervertrag in den Händen. Während ihr damaliger Freund parallel Karriere als Musiker machte, zog Jeanne Altfeld die Notbremse. „Ich sollte Anastasia heißen und Musik singen, die mir gar nicht entsprach“, sagt sie. Der Idealismus kam ihr dazwischen, sie sprang ab – und bereute es nicht.

Im Grunde habe sie sich wenig Gedanken darum gemacht, wohin ihr beruflicher Weg führen würde oder ob sie die Musik zu ihrem Beruf machen würde. „Wenn du Musik aus dem Herzen machst, dann machst du sie einfach“, sagt sie. Und Jeanne Altfeld machte sie – mit der Band Jokebox, später mit der Gruppe Sunny Skies, mit anderen semiprofessionellen Ensembles. „Natürlich ist das berauschend, wenn du im Bürgerzentrum auf der Bühne stehst, die Energie überschwappt, die Menschen feiern“, sagt Jeanne Altfeld. Sie hat diese Momente abgespeichert – ob bei Auftritten mit dem Hofgartenorchester Bonn oder bei einem Auftritt der Beach Boys.

Und doch holte sie die Frage der beruflichen Zukunft ein: Nach dem Abi am Gymnasium hatte sie eine Ausbildung im kosmetisch-medizinischen Bereich gemacht, viel später nahm sie eine Stelle in der Bauträgerfirma ihrer Schwester an. „Das habe ich gerne gemacht“, sagt sie, „aber emotional bin ich eingegangen: Ich hatte keine Zeit mehr für meine Musik und mein Freigeist-Leben.“

Damals schrieb sie sich für Musik-Pädagogik und Sportwissenschaften an der Uni ein – der Abschluss steht nun kurz bevor. „Ich habe viel technisches Rüstzeug während des Studiums bekommen“, sagt sie. Das half ihr, eine wichtige Entscheidung zu treffen: Sie machte sich mit ihrer Musik selbstständig - hauptberuflich.

Seit dem ist sie auf den Bühnen in der Welt unterwegs – beim DEL-Eishockeyfinale sang sie vor 14 000 Zuschauern die Nationalhymne, in der Kebekus-Show half sie aus und weiterhin lässt sie sich auch für Hochzeiten oder besondere Veranstaltungen buchen.

„Dann kam Corona“, erzählt die 40-Jährige. Alle Aufträge platzten von heute auf morgen – lediglich ihre Dozententätigkeit als Vocalcoach an der Musikakademie Bonn und dem Sound College in Hennef blieben ihr. Dank der Soforthilfen kämpfte sie sich durch und nahm schließlich eine Anfrage aus dem Robinson Club auf Fuerteventura an: „Ich bin gut durch die Krise gekommen“, sagt sie. Den Lockdown von Dezember 2020 bis April 2021 blieb sie auf der Insel – zwar erkrankte sie an Corona, kam aber gut durch die Krankheit und konnte weiter über das Laptop Gesangsunterricht geben.

Inzwischen steigt die Zahl der Anfragen wieder: Jeanne Altfeld ist wieder unterwegs – mal solo, dann mit verschiedenen Bands. Immer im Namen der Musik.

Zwischenstation

Im Frühling baute Jeanne Altfeld ihre Zelte auf Fuerteventura ab. Im Club war sie zwei Geschäftsmännern begegnet, die in Deutschland Testzentren aufbauten. „Ich hatte Lust auf die Herausforderung“, sagt sie. Also nahm sie Kontakt ins Rathaus auf - und prüfte die Möglichkeit, in Wermelskirchen ein Testzentrum aufzubauen. Die Chance ergab sich im Industriegebiet – als Drive-In.

Als Bandmitglied von „Jokebox“ sammelte Jeanne Altfeld viel Bühnenerfahrung. Hier singt sie beim Unplugged-Konzert mit Jenny Rizzo. Archivfoto: Jürgen Moll

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