Hegering

Jäger retten Tiere vor dem Mähtod

Niclas Wunert vom Hegering Wermelskirchen hält ein gerettetes Kitz in die Kamera.
+
Niclas Wunert vom Hegering Wermelskirchen hält ein gerettetes Kitz in die Kamera.

Hegering ist mit dem Einsatz von Drohnen sehr zufrieden.

Von Udo Teifel

Wermelskirchen. Zufrieden blicken die heimischen Jäger auf die vergangenen Wochen zurück. Der morgendliche Einsatz an vielen Wochentagen ab 4 Uhr hat sich bezahlt gemacht: Die Männer und Frauen, die im Hegering Wermelskirchen organisiert sind, haben 87 Kitze und unzählige Hasen vor dem qualvollen Mähtod gerettet. Das wichtigste Utensil dabei ist inzwischen die Drohne, wie Hegeringsleiter Bjarne Hoerup berichtet.

In Wermelskirchen gibt es zur Zeit fünf Drohnenführer, die mit der Kitzsuche beschäftigt sind. „Das ist im Vergleich zu Nachbarkreisen sehr viel, und doch waren diese fünf Piloten im morgendlichen Dauereinsatz“, so der Hegeringsleiter. Die Zahl der geretteten Kitze und Hasen sei weit größer als in anderen Jahren davor und zeigt, dass dies die bisher erfolgreichste Methode ist, um die Kitze vor dem sicheren Tod durch das Mähwerk zu retten. „Außerdem wurden noch viele Wiesen durchgegangen. Auch hier wurden einige Kitze gerettet.“

Seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten beschäftige sich die Jägerschaft mit der Kitzrettung. Es wurden einige technische Errungenschaften ausprobiert. Der sogenannten „Kitzretter“, eine Art Harke, die seitlich am Mähwerk befestigt wurde, ist nur eine davon. „Im Grunde hat sich das aber nicht so richtig durchgesetzt. Auch die Kitzretter nicht, da sich die Kitze noch kleiner gemacht haben und die Harke sie nicht erwischt hat oder sie dann trotzdem ins Mähwerk geflüchtet sind.“ Deshalb seien die Revierpächter wieder zurückgegangen auf das Durchstreifen der Wiesen. „Wir werden am Tag vorher vom Landwirt angerufen und brechen oftmals um 4 Uhr morgens auf. Die Helfer stellen sich in einer Reihe auf und gehen die Wiesen ab.“ Für Jäger wie auch Hunde eine anstrengende Tour.

Zeitlicher und finanzieller Aufwand ist groß

Auch das Aufstellen von Tüten, die die Muttertiere davon abhalten sollten, die Kitze in dieser Wiese abzulegen, war und ist ein gern genommenes Mittel, berichtet Hoerup. Doch auch hier wurde oft festgestellt, dass die Kitze mehr oder weniger neben den Tüten oder Fahnen lagen. Da seien alles Aktionen mit großem Unsicherheitsfaktor gewesen. „Ein Wermelskirchener Revierpächter hat einmal nachgerechnet und ist auf 54 Stunden gekommen, die jeweils von acht Personen im Schnitt aufgebracht worden waren.“ Und dabei sei es noch nicht einmal die alleinige Pflicht des Jagdpächters, die Wiesen vor der Mahd abzusuchen. „Die gesetzliche Pflicht liegt bei den Bauern beziehungsweise den Wiesenbesitzern, die hier ihre Ernte einholen. Allein der Tierschutz gebietet, dass alles getan werden muss, um Leid und Gefahr von jedem Tier abzuwenden“, so der Hegeringsleiter. Mit dem Drohneneinsatz ist die Suche optimiert worden. „Mit einer Wärmebildkamera wird angezeigt, ob sich etwas ,Lebendiges‘ im Gras verbirgt“, berichtet der Hegeringsleiter.

Gibt es Sichtungen, gehen Jäger mit Körben bewaffnet zur Stelle, tragen das Kitz mit Handschuhen oder Gras an die Waldkante in den Korb. „Dann muss der Landwirt schnell mähen, denn ein Kitz kann nicht so lange festgehalten werden. Es muss trinken.“ Anschließend wird es wieder freigelassen. Nicht nur der zeitliche Aufwand sei groß, so Bjarne Hoerup. Auch der finanzielle Aufwand ist erheblich. Je nach Ausstattung und Zubehör kommen schnell 5000 bis 7000 Euro zusammen. „Es zeugt von Zusammenhalt und Solidarität, dass einige Besitzer von Drohnen auch die Felder und Wiesen in den Nachbarrevieren abgeflogen haben. Oftmals stellte dann dieses Revier ein Helferteam für die weitere Suche im Nachbarrevier zur Verfügung.

An manchen Morgenden wurden bis zu zwölf Flächen abgeflogen. Denn: Ein im Todeskampf schreiendes Kitz oder eine Ricke, die am nächsten Tag laut rufend ihr Kleines sucht, sei etwas, das niemand möchte.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pilot bringt Hilfsgüter an die ukrainische Grenze
Pilot bringt Hilfsgüter an die ukrainische Grenze
Pilot bringt Hilfsgüter an die ukrainische Grenze

Kommentare